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Rumäniens Landschaft wird maßgeblich durch die südlichen Karpaten bestimmt, die wie ein Bogen durchs Land verlaufen. Das bringt nicht nur unzählige wundervolle Wanderwege mit sich. Denn auch auf vier Rädern kann man im Gebirge viel Spaß haben. Und dafür hat Rumänien beste Voraussetzungen.

Eine der schönsten Passstraßen ist der Transfăgărășan bzw. zu Deutsch die Transfogarascher Hochstraße. Sie verbindet die große Walachei südlich des Karpatenbogens mit dem nördlich gelegenen Siebenbürgen (Transsilvanien).

Der Transfogarasche Hochstraße

„Greatest driving Road in the world“

-Top Gear Staffel 14

Ein paar Eckdaten

  • Die Passstraße heißt Offiziell DN 07 (Nationalstraße 07) und führt von der kleinen Ortschaft Curtea de Argeș (Argisch) im Süden bis nach Cârțișoara (Oberkerz) im Norden.
  • Insgesamt ist die Straße knapp über 150km lang. Doch der eigentlich spannende Teil, der sich durch die wunderschöne Landschaft schlängelt, misst nur etwa 90km.
  • Für eine Fahrt entlang des Passes sollte man ca. 3h einplanen – natürlich abhängig davon, wieviel Spaß am rasanten Fahren man mitbringt. Und von den Pferden unter der Motorhaube natürlich – und davon habe ich immerhin 75 im Gepäck!
  • Die Passstraße ist nur vier Monate im Jahr geöffnet – vom 1. Juli bis zum 31. Oktober. Den Rest des Jahres ist die Durchfahrt aufgrund von Schneefall und Vereisung nicht möglich!
  • Der Höhepunkt ist der Gletschersee Bâlea. Dieser ist auch ein beliebtes Ausflugsziel für viele Wanderungen in der Region.

Tipp: Nicht zuletzt seit dem Auftritt in der Sendung Top Gear ist die Passstraße mehr als nur ein touristisches Highlight – es ist nahezu überlaufen. Viele vorsichtiger Fahrer quälen sich und ihre Fahrzeuge das Gebirge hinaus und spätestens ab den Mittagsstunden staut es sich vor allem nahe des Gletschersees. Viele Leute suchen hier einen freien Parkplatz entlang der Straße und blockieren diese dabei. Ein gelegentliches Überholmanöver in den Serpentinen ist natürlich auch ein großer Spaß – aber dennoch lohnt es sich früh aufzustehen, um nicht nur in einer Kolonne zu fahren.

Der Bâlea-See auf dem Höhepunkt der Passstraße

Die Straße liegt eigentlich überhaupt nicht auf unserer Route, denn eigentlich wollen wir von Bukarest aus gen Osten ans Schwarze Meer. Doch die Reiz des Cruisens verleitet uns, noch mal einen extra Tag einzubauen und den Umweg in Kauf zu nehmen.

Und weil wir beide Spaß am Fahren haben, werden wir die Tour gleich zweimal fahren. Martin von Bukarest aus kommend nach Norden und ich fahre die Strecke wieder zurück und von dort aus weiter zum Donaudelta. So kommen wir alle in den Genuss eine der schönsten Fahrstraßen der Welt zu absolvieren.

Damit der Tag nicht zu lang wird und da das Schwarze Meer weit entfernt ist, übernachten wir auch entlang der Passstraße. Piscul Negru ist ein kleiner Ort vor Beginn der eigentlichen Höhenmeter von Süden kommend. Wir lesen, dass viele Hotels hier etwas ab vom Schuss liegen und tatsächlich nur schwer zu erreichen sind. Unseres liegt allerdings direkt an der Straße und ist dennoch mitten im Nadelwald vor dem Lärm vorbeifahrender Autos geschützt.

Das Doppelzimmer inklusive Frühstück kostet 50 USD (ca. 45€).

Ein Dankeschön geht an dieser Stelle an Martin für die vielen Tipps am Steuer – dank seiner Erfahrung hat das überholen in den engen Kurven bergauf richtig Spaß gemacht!

Was liegt wo?

Die Fahrt auf der Transfăgărășan

Wir fahren den Pass zunächst von Süden an und müssen uns anfangs durch eher öde Dörfer kämpfen. Es dauert beinahe eine halbe Stunde, bis sich plötzlich zu beiden Seiten Berge auftürmen und die kargen Felder durch dichte Nadelwälder getauscht sind.

Nun gibt es auch einen ersten Vorgeschmack auf das, was uns erwarten wird. Eine überraschend schmale, serpentinenreiche Straße im Wald. Regelmäßig gibt es Ausweichbuchten, um entgegenkommenden Verkehr durchzulassen – oder den Drängler, der an der Stoßstange klebt, passieren zu lassen.

PS: der Drängler, das waren meistens wir.

Der Vidraru Staudamm

Bald erreichen wir den Vidraru-Staudamm, der so eine Art offizieller Startpunkt des landschaftlich wirklich reizvollen Terrains ausmacht. Denn ab hier heißt es für mindestens 90km: reines Fahrvergnügen!

Der Staudamm selbst ist aber durchaus auch eine kleine Verschnaufpause Wert. Denn der See, den er anstaut ist wunderschön gelegen. Felsen und Wälder wechseln sich ab und in meinem Kopf läuft die Melodie der Krombacher Werbung. Alles wirkt, als wäre es mal eine beliebte Touristenattraktion gewesen. Betonung liegt auf gewesen, denn sowohl die Aussichtsplattform am Staudamm, als auch der kleine Bootsanleger sehen aus, als wären sie bereits vor Corona heruntergekommen gewesen. Schade eigentlich. Später lese ich, dass es am Staudamm mal einen Bungeesprung gab – das wäre doch genau mein Ding gewesen!

Der Stausee am südlichen Anfang der Nationalstraße 07

Die nächsten Kilometer verlaufen relativ plan und schlängeln sich parallel zum Seeufer durch den Wald. Immer wieder kommt man an eine kleine Lichtung und blickt aus dem Wald auf die Berge, die auf der Strecke noch folgen. Ein herrliches Bild.

Ein Wermutstropfen ist allerdings der Zustand der Straße. Der Asphalt ist zwar im großen und ganzen gut verlegt. Doch Wurzelwerk und häufiger Frost haben an einigen Stellen Schlaglöcher aufgesprengt. Und da dieser Teil der Fahrt durch einen schattigen Wald führt, sollte man hier eher konzentriert hinter dem Lenkrad sitzen.

Der Transfogarasche Hochstraße

Bald darauf passieren wir die Baumgrenze. Plötzlich hört der Wald auf und die Straße beginnt fleißig Höhenmeter zu sammeln. Hier kann man bei jeder der Kurven den Blick schweifen lassen (lieber als Beifahrer) und die Aussicht ins Tal genießen. Alternativ ist der Straßenrand auch immer breit genug, um einen kurzen Stop zum Fotografieren einzulegen.

Trivia: beim Stopp entlang der Straße sollte man aber die Augen offenhalten – denn Braunbären werden hier häufig gesichtet! Am Nachmittag erhalten wir auch eine Warnung aufs Handy, dass beim Staudamm Bären rumlaufen und das Auto bzw. Hotelzimmer nicht verlassen werden sollte.

Die ersten Höhenmeter

Am Wegesrand stehen auch immer wieder kleine Holzbuden, die mich sehr an die grenznahen Märkte in Polen erinnern, wo ich früher Zigaretten gekauft hatte.

Wir halten hier an und sind begeistert vom Angebot. Verschiedene Sorten Wurst und Schinken, sowie Käse und Brot. Natürlich schlagen wir direkt zu und freuen uns schon auf das Picknick was uns später erwarten wird!

Verpflegung ist hier kein Problem

Als wir am Bâlea-See, dem Gletschersee auf dem Höhepunkt des Passes, ankommen, ist schon einiges los. Die meisten Parkplätze sind belegt und so stellen auch wir das Auto halb auf den Straßenrand – halb auf die Straße. Da das jeder so macht und gleich auf beiden Seiten der Straße, ist beinahe die gesamte Passage entlang des Sees bald eine Einbahnstraße. Einer der Hauptgründe für lange Staus auf der Transfăgărașan!

Doch der Stop lohnt sich. Von hieraus hat man vor allem nach Norden einen unglaublichen Ausblick auf die unzähligen Schleifen, die die Straße den Berg hinauf führen. Das Bild ist wirklich beeindruckend und wir freuen uns schon auf die Fahrt.

Dieser Teil der Straße ist nur im Sommer befahrbar. Um aber vor allem Wanderer auch im Winter zum Gletschersee zu bekommen, führt hier eine Seilbahn aus dem Tal hinauf.

Die Straße schlängelt sich den Berg hoch

Danach suchen wir uns am See ein ruhiges Plätzchen um unsere frischgekauften Snacks zu genießen. Auf der gegenüberliegenden Seite des See-Restaurants ist es ruhig, weit abseits vom Treiben der vielen Marktstände. Hier in der Natur schmeckt alles gleich noch mal ein wenig besser.

Alles Käse? Mir doch Wurst!

Zwar liegt der Pass nur auf einer Höhe von 2.000m. Dennoch gibt es hier bis in den Juni hinein eine Art Schneegarantie. Das sorgt nicht nur für Skipisten bis in die Sommermonate, sondern auch für Europas erstes Eishotel! Das Hotel wird ausschließlich aus Schnee und Eisblöcken gebaut und lädt in den kühlen Monaten Gäste aus aller Welt.

Wer mehr darüber erfahren möchte, kann dies hier tun.

Panoramablick über den Gletschersee

Anschließend fahren wir die eben schon bestaunten Schleifen auf der Nordseite des Passes hinunter. Dieser Teil ist wahrscheinlich der mit dem meisten Fahrspaß, allerdings auch mit dem meisten Verkehr. Könnte nun auch an der Uhrzeit liegen.

Im Tal angekommen machen wir nur eine kurze Pause, Fahrertausch und fahren beinahe die ganze Strecke noch einmal bis zu unserem Hotel auf der Südseite vom Pass. Auch wenn die Fahrt auf der Transfăgărășan einen Umweg bedeutet und man schonmal einen ganzen Tag für den Trip einplanen sollte, ist das ein wahres muss für jeden Rumänien Trip. Ein absolut aufregender Ausflug, der im Gedächtnis bleibt.

Ein letzter Blick in Richtung Siebenbürgen

War noch was?

Wer wie wir von Süden nach Norden fährt, betritt damit quasi das Tor nach Siebenbürgen – eine der kulturell und historisch spannendsten Regionen Rumäniens. Daher bietet sich zum Beipiel Hermannstadt (Sibiu) als nächster Stopp an, das nur eine halbe Stunde westlich vom Ende der Nationalstraße 07 liegt.

Der Piața Mica (Kleiner Ring)

Falls die Route weiter nach Westen führen soll, liegt Peter Maffays Heimatstadt Kronstadt (Brașov) nur unwesentlich weiter vom Ende der Transfăgărășan entfernt. Hier kann man neben der Geschichte Siebenbürgens vor allem auch in der Natur aktiv werden. Von Wanderungen in den Karpaten bis zur Beobachtung von Braunbären in den Wäldern ist hier alles möglich.

Eine Braunbär Familie

Na dann viel Spaß!

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