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Der Braunbär ist Europas größtes Landraubtier. Und auch sonst eines der größten Säugetiere, die den Kontinent noch in freier Wildbahn durchstreifen. Doch der Lebensraum der prächtigen Tiere ist stark bedroht. Sie leben in Wäldern, vor allem in höheren Gefilden. Rodung und die Ausbreitung des Menschen bedrohen akut ihren Lebensraum. Durchstreiften Braunbären einst noch beinahe alle Regionen Festlandeuropas, findet man ihn Heute nur noch in wenigen Rückzugsgebieten.

Und die Chance auf eine Begegnung mit dem Europäischen Braunbären ist nirgendwo sonst so groß wie in Rumänien. Hier leben noch schätzungsweise 5000 Tiere in den Nadelwäldern der Karpaten. Und damit etwa ein Drittel der gesamten europäischen Population!

Ein Europäischer Braunbär hält nach der Konkurrenz Ausschau

Dass hier so viele Bären leben, ist kein Zufall. Es liegt auch nicht ausschließlich an der zu großen Teilen unberührten Landschaft und den ursprünglichen Wäldern. Denn auch in Rumänien war der Bestand lange Zeit gefährdet. Doch dank des ehemaligen Diktators Ceaușescu wurde die Population wieder aufgeppelt, denn er war begeisterter Jäger. Und er wollte sich (und seinen Jagdgenossen) einen erfolgreichen Abschluss am Ende jedes Ausflugs in Aussicht stellen.
Mehr Bären = bessere Chancen. Ein Glücksfall für die Tiere.

Trivia: Mit der Revolution von 1989 kam auch das Ende des Kommunismus in Rumänien. Dann wurde auch auf den Diktator Ceaușescu selbst Jagd gemacht. Er wurde durch das Militär gefasst, verurteilt und erschossen.

Rumänien versucht den Bestand der Bären und ihre Habitate auch touristisch zu nutzen. Durch den Aufbau eines Ökotouristischen Systems sollen Schutz von Tier und Lebensraum finanziert werden. Außerdem ist es wichtig, bei den Menschen auch ein Bewusstsein für die Tiere zu schaffen und nachhaltig zu verankern.

Das tolle an den angebotenen Touren ist die Möglichkeit, die Braunbären in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten zu können. Keine Zäune, keine Dressur, keine Misshandlungen hinter verschlossenen Türen. Ein Modell, dass hoffentlich Schule machen wird.

Ein Muttertier mit ihren zwei Jungen

Wie komme ich dort hin

Der Reiseführer holt mich in der Altstadt von Brasov ab und wird mich später dort auch wieder aussetzen. Die Tour selbst findet in einem Wald etwa 70km nördlich von Brasov statt. Die Anfahrt dauert etwas mehr als eine Stunde und gibt Gelegenheit, schon die ersten spannenden Informationen über das zu erwartende zu erfahren.

Was gibt es hier zu sehen

Die Fahrt führt mich zunächst mit dem PKW über eine Bundesstraße in den kleinen Ort Băile Tușnad. Dort steigen wir in das Allradbetriebene Geländefahrzeug des zuständigen Försters. Eine weitere halbstündige Fahrt führt uns tiefer in den Wald. Dann plötzlich halten wir an. Der Motor wird abgestellt und wir werden instruiert, uns ruhig zu verhalten. Keine raschen Bewegungen zu machen, keine Geräusche von uns zu geben.

Denn wir sind angekommen, naja also beinahe. Die restlichen 200m legen wir zu Fuß zurück, um die Bären im Wald nicht durch die Motorengeräusche des Fahrzeugs aufzuschrecken. Nun fühle ich mich zu Fuß mitten im Wald, in dem es hin und wieder raschelt, zwar nicht sonderlich sicher. Aber der Förster wird schon wissen, was er uns da zumutet.

Mit dem Geländewagen durch den Wald

Unvernünftig: Es passen nicht alle Gäste ins Fahrzeug, daher fragt der Förster, ob nicht jemand auf dem Dach mitfahren möchte. Natürlich fühle ich mich direkt persönlich angesprochen und sitze bereits auf dem Dach des Geländewagens, bevor er die Frage vollständig formuliert hatte.. gut festhalten!

Wir kommen an einer Hütte an, die am Rand einer kleinen Lichtung steht. Die Hütte hat eine von außen verdunkelte Glasfront, sodass man den Wald beobachten kann, ohne selbst gesehen zu werden. Im Vorfeld hatte der Förster bereits einen Sack Maiskörner auf der Lichtung verstreut. Damit sollen die Tiere angelockt werden. Es hat wohl auch keine nachhaltig negativen Auswirkungen auf Fress- und Jagdverhalten der Omnivoren. Das wird mir auf Nachfrage versichert.

Trivia: Braunbären sind Omnivore, also Allesfresser. Zu ihrer bevorzugten Nahrung zählen Gräser, Pilze und Wurzeln. Sie fressen allerdings auch Larven, Vögel oder Nagetiere, wenn sie diese in die Pfoten bekommen. Auch die Hauptfigur Pu der Bär von A. A. Milnie hat seine Bewandtnis, denn Honig zählt zu den Leibspeisen der Braunbären.

Eine Braunbär Familie

Sobald wir in der Hütte sind, werden Kameras ausgepackt. Eine größer als die andere. Und ich bin auch ein wenig neidisch auf die lichtstarken Ultraweitwinkelobjektive der anderen Gäste, unter denen auch professionelle Fotografen sind.

Und wie auf Bestellung kommen kurz nach unserer Ankunft eine Bärenmutter zusammen mit ihren zwei Jungtieren an. Misstrauisch lassen sie sich auf der Lichtung nieder und beginnen, sich an dem ausgestreuten Futter zu laben. Allerdings nie alle gleichzeitig. Meist schaut zumindest die Mutter sich in der Gegend um, ob sich eine Gefahr nähert.

Niemand in Sicht

Braunbären haben keine natürlichen Feinde, doch müssen die einzelgängerischen Tiere nach Artgenossen Ausschau halten. Futterneid spielt dabei überraschenderweise nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr muss die Mutter ihre Jungtiere Beschützen. Andere Männchen werden bei jeder Gelegenheit versuchen, die spätere Konkurrenz zu töten.

Dann kommt ein zweites Weibchen. Die beiden ausgewachsenen Tiere fangen unter lautem Gebrüll an, um das Vorrecht auf die Futterstelle zu kämpfen. Prankenhiebe werden verteilt, Zähne gefletscht. Auf den Bildern sieht man regelrecht das Gras und Speichel herumfliegen.

Das war vielleicht aufregend! Verletzt wurde im übrigen keines der Tiere. Es handelte sich wohl eher um eine intensive Drohkulisse.

Das riecht nach Ärger

Paarungszeit der Bären ist zwischen Mai und Juli. Nur in dieser Zeit gesellen sich Männchen zu den Weibchen und stellen sicher, dass das Weibchen sich mit keinem anderen Männchen paaren kann. Die Männchen werden allerdings sehr wohl versuchen, ihre Gene auch an andere Weibchen weiter zu geben.

Geburt und Aufzucht der Jungtiere ist dann Sache der Weibchen. Die Jungtiere werden in den Wintermonaten geboren und sind, wie bei Säugetieren üblich, nicht allein überlebensfähig. Sie wiegen kaum 500g, sind beinahe nackt und blind. Dank der der sehr nährstoffreichen Muttermilch wachsen sie sehr schnell und können bereits ab dem Frühjahr das Nest verlassen.

Ganze zwei Jahre bleiben sie bei der Mutter und lernen alles, was für das Überleben in der Wildnis notwendig ist. Anschließend werden auch sie den Familienverbund verlassen und als Einzelgänger durch die Wälder streifen.

Die Jungtiere beobachten gespannt, ob ihre Mutter den Kampf gewinnt.

Gespannt beobachten wir den Trouble aus der Hütte. Um uns die Zeit noch weiter zu versüßen, verköstigt der Förster uns mit selbstgebranntem Pálinka. Der bärenstarke Obstbrand wird aus großen Plastikkanistern eingeschenkt und brennt im Rachen wie Feuer.

Die Tatsache, dass ich mich nach dem Getränk kurz schütteln muss und das Gesicht verziehe muss wohl in Rumänien als „bitte nachschenken“ interpretiert werden. Denn immer wenn ich meinen Blick kurz abwende, ist mein Schnapsglas auch schon wieder gefüllt. Ich hoffe die Bären haben mit ihrem Mais genauso viel Spaß wie wir in der Hütte.

Es wird heiter in der Hütte

Es wird geflüstert und getuschelt, womöglich steigt mit dem Pegel auch der.. Geräuschpegel. Nur für einen kurzen Moment muss jemand lachen. Das reicht, um in den Bären eine Neugier der Hütte gegenüber zu wecken. Was ist das für ein Ding? Woher kommen die Geräusche? Kann man das essen?

Kurzerhand kommen Mutter und Jungtiere zu uns, um sich die Sache mal ganz aus der Nähe anzusehen. Jetzt heißt es Ruhe bewahren, um die schüchternen Tiere ja nicht zu verschrecken.

Auf Tuchfühlung

Wir verbringen beinahe drei Stunden in der Hütte und beobachten das Treiben. Es sind aufregende Stunden und ich wäre auch gern länger geblieben. Doch zwei Faktoren sprachen dagegen.

Zum einen verrichtete der Pálinka sein Werk, ich hatte zunehmend Schwierigkeiten, mit beiden Augen in die gleiche Richtung zu gucken. Zum anderen zogen sich die Bären zurück. Eines der Weibchen verschaffte sich noch eine entspannende Rückenmassage, bevor auch sie im Wald verschwand.

Juckt mich nicht

Kosten: 75€
Dauer: mindestens 5h. Das allerdings hängt davon ab, wann und wie lange die Bären auf der Lichtung sind und wie lange man dort bleiben will.

Buchen kann man die Tour auf der Webseite von bearwatching.ro
Alternativ fragt mich nach der WhatsApp Nummer des Tourguides, der bei allen weiteren Infos helfen kann.

Na dann viel Spaß!

Comments:

  • Micha

    23. Januar 2021

    Wow, war bestimmt ein spannender Ausflug. Ich muss sagen, obgleich des Palinkas, hast du es trotzdem noch geschafft den Fokus halbwegs gut zu setzen.

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  • Katrin

    6. Juli 2021

    Hey Peter, ich bin nächste Woche in der Nähe von Brasov und dein Bericht macht Lust auf eine Bären-Tour. Aktuell finde ich nur Möglichkeiten zum Erwerb für zwei Tickets. Könntest du mir Kontaktdaten deines Tourguides schicken, damit ich mal direkt nachfragen kann? Danke! Katrin

    reply...
  • 29. August 2021

    Hey!
    Fahre nächste Woche auf einen Rumänien Roadtrip und möchte auch eine Bärentour machen.
    Könntest Du mir die Whatsapp Nummer per Mail schicken?
    Danke!
    Liebe Grüße
    Lisa

    reply...

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