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Wer an Transsilvanien denkt, der hat häufig ein schauerhaftes Bild im Kopf. Von Fledermäusen und Untoten, die die Nacht durchwandern. Von Vampiren. Wahrscheinlich hatte es Bram Stoker damals gar nicht ahnen können, welche Ausmaße seine Romanfigur annehmen würde. In welcher Größenordnung sich der Mythus Vampir entwickeln würde.

Sehr wahrscheinlich basiert der Roman auf der historischen Persönlichkeit Vlad III Draculea. Der Woiwode (Graf) der Walachei des 16. Jahrhunderts ist für sein besonders grauenhaftes Vorgehen seiner Feinde gegenüber bekannt gewesen.

Gerüchteweise soll Graf Dracula hier gelebt haben. Stoker schriebt, der Graf würde auf einer Burg mit vielen Türmen wohnen. Die Burg stünde auf einer Anhöhe im Tal direkt an einem Fluss. Bei solch einer detaillierten Beschreibung könnte natürlich jeder kommen. Dennoch ist Schloss Bran das einzige Anwesen in ganz Transsilvanien, das hierzu passt.

Nun ja, eigentlich ist das auch gar nicht relevant. Es handelt sich immerhin um eine fiktive Figur. Wichtig hingegen ist, dass sich dieses Gerücht prima vermarkten lässt. Schloss Bran, oder auch Törzburg, wie es auf deutsch heißt, gilt seit den 1990ern als Wohnsitz des Graf Dracula.

Mehr über die vermeintliche Vorlage zu Graf Dracula gibt es hier zu lesen.

Wie komme ich dort hin

Schloss Bran liegt 30km südlich der Stadt Brasov und ist in etwas mehr als einer halben Stunde mit dem Auto erreicht. Die Anfahrt führt entspannt über eine gut befahrene Landstraße, größtenteils sogar mit Straßenbelag.

Parkplätze gibt es direkt am Schloss reichlich, pro Stunde verlangt man hier 5 Lei (ca. 1€) Gebühren.

Was gibt es hier zu sehen

Schon der Eingangsbereich erinnert an einen Weihnachtsmarkt. Etwa 100m schlängelt man sich vorbei an Makrtständen und deren Schreiern. Doch anstelle von gebrannten Mandeln verkaufen sie allerhand Kokolores zum Thema Vampir. Mir fällt direkt auf, dass man hier auf Tourbusse voller zahlungskräftiger Kundschaft vorbereitet ist. Ich finde es wahnsinnig nervig und verliere bereits das Interesse an dem Besuch, bevor wir überhaupt unsere Eintrittskarte gekauft haben.

Apropos. Das Ticket kostet 45 Lei (ca. 9€) und ist damit um ein Vielfaches teurer, als alle anderen Gebühren die wir auf unserem Trip bezahlt hatten.

Doch weiter geht’s ins Schloss. Zusammen mit mehreren Rumänischen Familien, deren Kinder ganz offensichtlich so gar keine Lust auf das kulturelle Angebot haben.

Blick auf den Innenhof des kleinen Schlosses

Schutz der Grenzen

Ursprünglich handelte es sich um eine Burg zum Schutz der Grenzen und dem Eintreiben von Zoll für Kronstadt (Brasov). Über viele Jahrhunderte trotzte sie den Belagerungen der Wallachen oder Türken.

Königliche Residenz

Erst mit zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlor die Burg ihre Bedeutung als Schutzbastion und wurde fortan als Hauptwohnsitz der Königsfamilie Rumäniens genutzt. Nun lebten hier König Ferdinand der I von Hohenzollern-Sigmaringen und seine Frau Marie.

Touristenmagnet dank Kommunismus

als freiheitsliebender Europäer fällt es mir schwer, dem Kommunismus etwas gutes abzuringen. Dennoch wäre das Schloss Bran Heute ohne den Kommunismus keine touristische Sehenswürdigkeit. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Schloss verstaatlicht. Unter dem rumänischen Diktator Ceaușescu wurde es zu einer Attraktion ausgebaut, die heute hunderttausende Vampirtouristen jährlich anzieht.

Wiedergutmachung

Auch Rumänien hat den Weg zurück in so etwas ähnliches wie eine Demokratie gefunden. Im Zuge dessen bemüht man sich dort weiterhin um Wiedergutmachung. 2006 ging in diesem Rahmen auch das Schloss zurück in den Besitz der rechtmäßigen Erben – einer Familie, die mittlerweile von Habsburg heißt.

Doch den Habsburgern mangelt es wohl eher an finanziellen Mitteln, als an weiteren Burgen. Daher boten sie das Schloss dem Rumänischen Staat zum Verkauf an. Erfolglos. Damit es nicht vor sich hin modert, wurde Schloss Bran kurzerhand wieder als Museum eröffnet. Ausgestellt sind heute viele Stücke aus dem Familienbesitz der Habsburger, die bis zu König Ferdinand zurück reichen.

Das Musikzimmer

Kosten: 45 Lei (ca. 9 €)
Dauer: ca. 1h für die Tour + 2h für die Aussichtspunkte

Der Besuch des Schlosses ist schnell vorbei und ich kann es auch nicht wirklich genießen. Viele der Räume sind verschlossen, durch die geöffneten Zimmer sind die Absperrungen so gestellt, dass nur ein schmaler Gang zur Verfügung steht. Und durch diesen wird man durch nachströmende Menschenmassen geschoben. Während der Corona Pandemie sicherlich etwas sanfter und mit Handschuhen. Aber dennoch geschoben. Nach nur einer Stunde sind wir wieder aus dem Schloss raus und beide nicht begeistert.

Doch an dem Besuch kann ich nicht alles kritisieren. Denn das Schloss ist wunderbar gelegen. Es steht auf einem Felsen in einem kleinen Tal, neben dem Schloss fließt ein kleiner Fluss. Ein Besuch der Stadt Bran lohnt allemal, auch wenn man guten Gewissens auf eine Führung verzichten kann.

Stattdessen gibt es mehrere Aussichtspunkte die auf eigene Faust und ganz entspannt zu erkunden sind. Einer davon ist sogar ein Restaurant, wo es zusätzlich zum Besten Blick auf Schloss Bran auch noch Bier gibt.

Und das sind meine vier Aussichtspunkte

1. Der Schlosspark

Direkt im Eingangsbereiches vom Schloss gibt es eine kleine Parkanlage. Die grünen Wiesen und der kleine See bildet einen schönen Vordergrund für das Foto. Von ganz unten, in der nähe der verschlossenen Zufahrt für Fahrzeuge hat man einen freien Blick.

Schloss Bran vom angrenzenden Park aus gesehen

2. Das kleine Gipfelkreuz

Auf der Rückseite des Schlosses erreicht man mit etwas Schweiß zwei Punkte, die auf dem Hügel im Südwesten liegen.

Man läuft zunächst über eine etwa Fußballfeld-große Wiese, an deren Ende angrenzend zum Wald eine kleine Hütte steht. Rechts der Hütte beginnt der gut sichtbare Weg zu einem kleinen Schrein mit einem Kreuz. Der Weg ist recht steil und da es über Nacht geregnet hatte auch rutschig, aber auch nicht allzu lang. Nach wenigen Minuten bin ich ohne hinzufallen angekommen.

Ausblick vom Gipfelkreuz

3. Lichtung im Wald

Zum zweiten Aussichtspunkt aus südlicher Richtung gelangt man vom selben Startpunkt aus. Nur geht es vor der Hütte stehend diesmal nach links ab. Auch hier ist der Weg gut sichtbar und für etwa einen Kilometer geht es den Hügel entlang in den Wald hinein. Hinter einem großen Felsen direkt am Weg ist eine Lichtung. Von hier schaut man zwischen den Ästen der Bäume direkt auf das Schloss. Die Blätter können als natürlicher Bilderrahmen genutzt werden.

Ausblick aus der Lichtung im Wald

4. Restaurant des Hotels Villa Bran

Beim letzten Punkt, den wir in Wahrheit direkt auf dem Hinweg zum Schloss angesteuert hatten, handelt es sich um ein Hotelrestaurant. Bon Brasov kommend folgt man der Hauptstraße in Richtung Schloss Bran. Kurz nach Ortseingang liegt es in einer kleinen Seitenstraße linker Hand. Für etwa 2km geht es bergauf, ganz am Ende kommt das Restaurant Villa Bran. Von der unteren Terrasse aus bietet sich meines Erachtens nach das beste Fotomotiv für den Besuch.

Na dann viel Spaß!

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