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Doğubeyazıt. Schon mal gehört? Nein? Ich auch nicht. Aber dennoch hat der Ort eine riesige Anziehungskraft auf mich ausgeübt. Denn als ich anfing, mich vor meiner Reise durch den Osten der Türkei zu informieren, bin ich dank Instagram über ein Bild des Ishak Pasha Palastes gestolpert. Und Junge, war ich direkt angefixt. Mir war sofort klar, dass ich den Palast irgendwie in meine Route einbauen musste – und somit eben auch den Ort Doğubeyazıt, in dem er steht.

Der Eingang zum Ishak-Pasha Palast

Doch irgendwie schien es recht kompliziert, einen Ausflug nach Doğubeyazıt in die Reise einzubauen. Zumal ich vermeiden wollte, einen gesamten Tag nur der Anreise zu widmen. Ziel sollte es sein, am frühen Morgen von Kars nach Doğubeyazıt zu fahren, am selben Tag den Palast zu besuchen und am nächsten Tag weiter nach Van zu fahren.

Doch leider gibt es keine direkten Busse zwischen Kars und Doğubeyazıt, auch die Informationen aus dem Internet zur Anreise scheinen mir mangelhaft. Doch ich habe das Verkehrsnetz der Türkei unterschätzt. Wie man problemlos mit den öffentlichen Bussen von Kars anreist und am gleichen Tag den Ishak Pasha Palast besucht, erkläre ich im folgenden Artikel.

Posing vor dem Ishak Pasha Palast

Wie komme ich dort hin

Anfahrt nach Doğubeyazıt

Doğubeyazıt liegt mehr oder weniger auf dem Weg zwischen Kars und Van, zwei der wichtigsten Stops für Touristen im Osten der Türkei. Die beiden Orte bieten auch die nächsten Flughäfen, um die Anreise aus einem anderen Teil der Türkei zu ermöglichen.

Anreise per Bus von Van

Zwar lassen sich keine Busverbindungen auf den einschlägigen Suchmaschinen im Internet finden. Es gibt dennoch regelmäßige, direkte Busse zwischen 9 und 15 Uhr. Abfahrt ist am Otogarı, der hier liegt. Für die 180km lange Fahrt durch die bergige Landschaft braucht der Bus wohl mindestens 2,5h

Anreise per Bus von Kars

Hier wird es leider etwas komplizierter, aber absolut machbar. Eine direkte Busverbindung gibt es nicht, man muss einmal in Iğdır umsteigen. Busse nach Iğdır starten am Busbahnhof in Kars, den hier liegt. Busse Fahren stündlich ab 9 Uhr und die Fahrt nach Iğdır dauert knapp 2h. Dort endet die Fahrt an der jeweiligen Station der Buslinie, die man genommen hat. Aber eigentlich sind alle Endstationen in einer Seitengasse der Haupt-Durchfahrtstraße durch den Ort. Und an dieser Straße, etwa auf höhe des Otel Grand Derya, wartet dann auch die Dolmus nach Doğubeyazıt. Den Standort findet ihr hier.
Kosten: 40 TL bis Iğdır und weitere 20 TL bis nach Doğubeyazıt.

Wie komme ich dann zum Ishak Pasha Palast

Der Palast liegt dann 7km außerhalb der Stadt. Um dorthin zu kommen, gibt es im Prinzip drei Möglichkeiten.

  1. Laufen: Über eine Stunde durch die Mittagssonne Anatoliens? Bergauf? Nein, Danke.
  2. Dolmus: Vom Busbahnhof aus fahren Sammeltaxis regelmäßig zum Palast und auch zurück. Kosten ca. 3TL
  3. Taxi: Sicherlich die teuerste, wenn auch bequemste Variante. Auch ich entscheide mich dafür, da ich sonst vom Hotel entweder ewig bis zum Busbahnhof laufen sowieso mit dem Taxi fahren müsste. Der Preis für die Fahrt scheint mir fix, mein Fahrer ließ weder mit sich handeln, noch wollte er das Taximeter einschalen – 40TL (4€)

Was ist eine Dolmus?

Eine Dolmus ist ein ganz typisches und beliebtes Fortbewegungsmittel in der Türkei. Es handelt sich um eine Art Sammeltaxi ohne feste Abfahrtzeiten. Sobald der Fahrer der Meinung ist, dass genug Leute an Bord sind, geht’s los. Mit etwas Glück fährt man nach nur wenigen Minuten ab. Mit etwas Pech muss man auch schon mal eine halbe Stunde warten. Außerdem schleicht die Dolmus dann durch die Straßen, um weitere Mitfahrer am Straßenrand aufzusammeln. Dadurch kann sich eine Fahrt mit der Dolmus auch bei kurzen Strecken extrem hinziehen.

Busbahnhof in Kars. Nur noch den richtigen finden..

Der Ishak Pasha Palast als Tagestrip auf dem Weg von Kars nach Van (oder umgekehrt)

Die Stadt Doğubeyazıt schien mir im Vorfeld – abgesehen eben vom Ishak Pasha Palast – völlig uninteressant. Spoiler Alarm: daran hat sich auch nach meinem Besuch nicht viel geändert. Daher stellte sich für mich die Frage, ob es vielleicht möglich ist, auf der Reise von Kars nach Van mit einem kleinen Umweg den Besuch beim Palast einzubauen, um Zeit zu sparen.

Kurze Antwort: JA! Das ist definitiv möglich und auch einfach zu organisieren. Nur wird dann die Zeit, die man zum Besuch des Palastes und der Umgebung hat sehr limitiert, damit man noch den letzten Bus zum Ziel erwischt.

Lange Antwort: Man nimmt den ersten Bus in Richtung Doğubeyazıt am Morgen. Fast immer schien 9 Uhr das öffentliche Verkehrsnetz zum Leben zu erwachen. Egal ob der Trip in Kars oder Van startet: wer den frühen Bus nimmt, kommt ca. 12:30 in Doğubeyazıt an. Hier nimmt man sich direkt am Busbahnhof (Otogarı) ein Taxi zum Palast und vereinbart eine Wartezeit bis 14:30 vor Ort – sodass man knapp unter 2h zur Besichtigung bleiben. Das sind zwar wenig, aber machbar. Anschließend geht es zurück zum Otogarı für Minibusse, der hier liegt.

ACHTUNG: Es ist nicht ganz einfach, verlässliche Fahrpläne für die kürzeren, lokalen Verbindungen zu finden. Dennoch fahren die letzten Busse in beide Richtungen laut meines Hotels um 15 Uhr (entweder direkt nach Van. Wer nach Kars will muss zunächst den Bus nach Iğdır nehmen – siehe Anreise).

Auf die gleiche Weise kann man den Palast natürlich auch als Tagestrip von Kars oder Van aus besuchen und am Abend zum selben Ort zurückkehren, sodass man nicht mit dem gesamten Gepäck auf diese Tour gehen muss.

Der Aufwand lohnt sich: wunderschöne Verzierungen am Ishak Pasha Palast

Was liegt wo

Meine Unterkunft: Butik Ertur Hotel

Auch wenn es in Doğubeyazıt sonst nicht viel zu tun gibt, erschien mir der Tagestrip zum Palast zu stressig. Ich wollte meine Zeit vor nicht zu sehr einschränken (was sich auch als sehr gute Idee herausgestellt hat). Daher habe ich mich für eine Übernachtung in der Stadt entschieden. Günstige Hotels gibt es KEINE in der ganzen Stadt (zumindest lassen sie sich nicht online finden).

Das Butik Ertur liegt außerhalb der Innenstadt – wer noch etwas essen gehen will muss entweder ein paar Minuten mit der Dolmus fahren oder wie ich eine halbe Stunde laufen. Abgesehen davon ist das Hotel sauber, die Betten bequem und es gibt kaltes Bier im Kühlschrank. Daher ist es vor allem bei ausländischen Reisenden und Reisegruppen beliebt. Auch ich habe Glück und treffe auch eine sympathische Gruppe aus dem schönen Sachsen, die zusammen mit ihrem Reiseführer Kemal gerade von einer Tour auf den Berg Ararat zurückkommt. Praktischerweise wollen sie am nächsten Tag genau wie ich nach Van, Kemal bietet mit freundlicher Weise an, mich einfach mit zu nehmen. An der Stelle noch mal ein dickes Danke!

Preis: 21€/Nacht für ein Doppelzimmer inkl. Frühstück.

Der durchaus teure Preis rechtfertigt sich aber immerhin durch den fantastischen Blick auf den Berg Ararat, den man vom Café im obersten Stockwerk aus hat. Am besten am Nachmittag vorbeischauen, da der Berg morgens meist in den Wolken liegt.

Blick vom Hotel: der Berg Ararat und rechts daneben der kleine Ararat

Und nun endlich: mein Eindruck beim Ishak Pasha Palast

Der Palast wurde ab dem Ende des 17. Jahrhunderts vom damaligen kurdischen Machthaber der Stadt Doğubeyazıt gebaut. Beendet wurde die Konstruktion allerdings erst beinahe ein Jahrhundert später im Jahr 1784 durch den Namensgeber des Bauwerks: İshak Paşa.

Das besondere am Palast ist seine Architektur. Eine Mischung aus dem Besten, was die großen Kulturen der Region zu bieten hatten. Dominant ist der damals moderne osmanische Stil, mit vielen Einflüssen aus den Moscheen der Seldschuken, den armenischen Kirchen und persischen Portalen. Nur wenige Bauwerke aus dieser Zeit sind noch so gut erhalten. Das erfreut auch die UNESCO, der Ishak Pasha Palast steht seit 2000 auf der Tentativste (Warteliste) zum Welterbe.

Der Eingang zum Harem

Doch natürlich verliefen die vergangenen Jahrhunderte auch für dieses Bauwerk nicht ohne größere Herausforderungen. Erdbeben waren so eine Sache. Eine weitaus tragische allerdings die ständig neu aufflammenden Konflikte zwischen dem Osmanischen Reich und Russland. Immer wieder kam es zu Kriegen, denn die Stadt ist strategisch gut gelegen und somit auch für Eroberer der jüngeren Geschichte attraktiv.

Dabei wurde auch ein großer Teil der Holzkonstruktion zerstört und nie wieder so wirklich aufgebaut. Daher ragt Heute auch so ein modernes Glasdach über einen Großteil des Palastes.

Im Inneren des Palastes

Was mich am Ishak Pasha Palast am meisten fasziniert sind die mit extrem detailreichen Ornamenten verzierten Fassaden. Das gilt vor allem für die Zugänge zu den Wohnbereichen. Der nördliche Eingang, der auch zur Moschee führt, ist von stark von persischer Baukunst beeinflusst und erinnert mich an die vielen beeindruckenden Iwane, die ich während meiner Reise durch den Iran bestaunt habe.

Trivia: mit beeindruckenden Iwanen beziehe ich mich auf die so typischen, wundervollen Eingangsportale zu Moscheen und Medressen in Iran. Es sind also keine russischen Leute gemeint..

Besonders schön dekoriert ist der Grabturm, unter welchem die Mitglieder der Herrscherfamilien bestattet wurden. Die Bauform ist dabei auch wieder typisch für die persische Architektur. Eine polygonaler Grundform, die sich konisch nach obenhin verjüngt und von einem Kuppeldach gekrönt ist. In Iran hießen diese Bauwerke allerdings Gonbad.

Das Kümbet auf dem zweiten Hof

Auch der Eingang zum Harem auf der Westseite ist wirklich aufwendig gestaltet. An den Sockeln auf jeder Seite des Portals sind jeweils Löwen abgebildet, aus denen ein Pflanzengeflecht wächst und sich um den gesamten Eingang herum schlängelt. Das ist etwas besonderes, da Abbildungen von Tieren (und Menschen) im Islam zumeist als verpönt gelten. Daher sind es in der Regel Pflanzen und Blühten, durch die die Bauwerke verziert werden.

Trivia: ein Harem bezeichnet im übrigen entgegen der geläufigen Auffassung nicht die Frauen eines muslimischen Familienoberhauptes, sondern deren Wohnbereich im Gebäude.

Ornamente am Eingangsportal zum Harem
Ornamente am Kümbet

An der Nordseite gibt es einen Raum, dessen Außenwand zugunsten eines Balkons mit Ausblick entfernt wurde. Von hieraus hat man einen guten Blick auf das Gebirge, in dem sich die ursprüngliche Siedlung befand, bevor die Ortschaft endgültig ins Tal umgezogen ist. Man sieht direkt die alte Moschee mit ihrem Minarett und die Mauern der ehemaligen Zitadelle, die sich an dem Berg entlang schlängelt.

Blick auf die Überreste der alten Siedlung

Außerdem sieht man vom Balkon aus einige der letzten verbleibenden Teile der hölzernen Konstruktion. Balkon stützen den am Hang stehenden Bau. Alle von ihnen sind (bzw. waren) dreifach übereinander gestapelt und ihre Enden zu Figuren geschnitzt. Einer der anderen Besucher erklärt mir die Symbolik. Der oberste Balkon stellt einen Adler dar, der für die Unabhängigkeit und Souveränität der Herrscherfamilie steht. Darunter befindet sich der Löwe, der für Macht steht. Der unterste Balken zeigt den Menschen und somit wahrscheinlich die Herrscherfamilie selbst.

Hier hat man wirklich an alles gedacht.

Die geschnitzten Stützbalken des Palastes

Eckdaten

Was kostet mich das: 10 TL Eintritt bzw. 1 €

Dauer des Besuchs: 1,5h für den Palast selbst. Wer noch zu den Aussichtspunkten für einen besseren Blick auf den Palast sowie zur Zitadelle der alten Siedlung will, braucht mindestens 3h Zeit.

Wann besuchen: Öffnungszeiten im Sommer zwischen 8 und 19 Uhr | im Winter zwischen 8:30 und 17 Uhr

Blick in die Moschee des Palastes

War noch was?

Wer Lust hat, kann noch den ein oder anderen Aussichtspunkt außerhalb des Palastes abklappern um noch einen Blick auf das gesamte Ensemble inmitten der schönen Umgebung zu werden. Der erste Punkt befindet sich auf dem Hügel direkt vor dem Eingang zum Palast. Dann läuft man in südlicher Richtung entlang der Straße, die den Berg hinauf zum Café führt. Auf halbem Wege nach etwa 100m gibt es auf der rechten Seite einen weiteren Hügel mit einem tollen Ausblick.

Am Café angekommen kann man sich vom kurzen Fußmarsch mit einer etwas überteuerten Cola erholen und dabei den Anblick genießen, der auf dem Bild zum Beitrag zu sehen ist.

Wer noch Kraft in den Beinen hat kann nun weiter zur alten Siedlung laufen. Sowohl von der Moschee aus, als auch von der Zitadelle gibt es einen klasse Blick ins Tal.

Der Palast könnte kaum schöner gelegen sein

Von beinahe jedem Punkt der Stadt aus sieht man ihn, den Berg Ararat. Es ist der Ort, der vermutlich in der Bibel als Landeplatz Noahs mit seiner Arche gen Ende der Sintflut gemeint ist:

Am siebzehnten Tag des siebenten Monats setzte die Arche auf dem Gebirge Ararat auf.

-Buch Genesis, Kapitel 8

Wer Lust hat diesen biblischen Berg zu besteigen sollte auf jeden Fall einen erfahrenen Bergführer engagieren. Kemal und seine zwei Brüder verbringen schon ihr ganzes Leben damit, auf den Berg zu wandern. Das steht im übrigen sogar auf Wikipedia. Da habe ich wohl im Hotel eine lokale Berühmtheit getroffen. Da Kemal selbst außerhalb der Saison in Minden (NRW) wohnt, spricht er auch perfekt deutsch. Mehr zu den Touren erfahrt ihr auf seiner Webseite von Ceven-Travel.

Blick auf den Berg Ararat

Weiter geht’s

Für viele Reisende in der Ost-Türkei geht es als nächstes zum größten See der Türkei: dem Van See. Hier gibt es nicht nur den großen Salzsee, dessen Wasser sich ähnlich ölig anfühlt wie das des Toten Meeres. Außerdem gibt es auch eine reihe alter Burgen und Festungen, die älteste noch aus der Zeit der Urartäer vor Christi Geburt.

Die Festung von Van

Wer hingegen weiter nach Norden reist, der erreicht nach weniger als 4h Busfahrt die Ortschaft Kars. Von hieraus kann man die vergessene Metropole Ani, die einst die Hauptstadt armenischer Königreiche war, besuchen.

wunderschön gelegen: die Kirche Sankt Gregor von Tigran Honent

Na dann viel Spaß!

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