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Marid Castle

Die Arabische Halbinsel ist von den trockensten Wüsten und unwegsamen Gebirgen durchzogen. Daher spielen in der Siedlungsgeschichte dieser Region Oasen eine große Rolle. Zwischen diesen wasserspendenden Ortschaften spannte sich das Netz der lukrativen Karawanenrouten. Handelsreisende würden hier sowohl ihre Vorräte wieder auffüllen können, als auch Schutz vor Überfällen bekommen. Die Oasenstädte erhoben für diesen Service Zölle und konnten auf den wichtigen Routen somit großen Reichtum aufbauen.

Dumat al-Jandal ist eine dieser Oasen. Sie liegt weit im Norden des heutigen Saudi Arabien in der Wüste Nefud auf der Kreuzung zweier historischer Handelsrouten. Einerseits durchquerten Karawanen entlang einer Ost-West Passage die Oase auf dem Weg zwischen Mesopotamien und dem Roten Meer. Ein zweiter Weg durch die Stadt verband den Süden der Arabischen Halbinsel mit der Levante.

Marid Castle Saudi Arabia
Die Omar Moschee in Dumat Al Jandal

Meine Unterkunft: Adomato Hotel

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Preis: 180 SAR (ca. 45€) pro nacht für ein Doppelzimmer

Was liegt wo

Und das kann man hier erleben

Festung Marid und Ruinen der Altstadt

Marid Castle
Die Festung Marid in Dumat Al Jandal

Ab dem ersten Jahrhundert v. Chr. war Dumat al-Jandal Teil des Netzes an Handelsposten der Nabatäer. Unter ihnen florierte der Handel in der Region und die Stadt gewann an Bedeutung. In Saudi Arabien gibt es noch zwei weitere nabatäische Städte, die auf jeden Fall einen Ausflug wert sind. Einerseits das weltberühmte Hegra nahe der Oasenstadt Al-Ula in der Provinz Medina. Außerdem die weitaus kleinere, aber ebenfalls ansehnliche Totenstadt Midian bei Al-Bad in der Provinz Tabuk.

Um diesen strategisch wichtigen Posten zu schütze, mussten auch Verteidigungsanlagen errichtet werden. Aus dieser Motivation heraus entstand die Festung Marid, die auf einem natürlichen Hügel am Rande der ehemaligen Siedlung steht.

Marid Castle Saudi Arabia
Wachtürme der Festung Marid

Ab dem Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. wurde Dumat al-Jandal genau wie alle anderen bedeutenden Städte der Nabatäer Teil des Römischen Reiches. Aufgrund seiner Lage blieb die Stadt weiterhin von militärischer Bedeutung als Außenposten des Limes Arabicus am Rande des Reiches.

Auch die Festung Marid war daher noch über Jahrhunderte ein aktives Bollwerk der Verteidigung. So gelang es den Soldaten der Festung im dritten Jahrhundert n. Chr. als eine der wenigen römischen Städte im Orient den Angriffen der Zenobia auf ihrem Rachefeldzug gegen die Römer standzuhalten.

Trivia: Zenobia war eine Königin der Oasenstadt Palmyra im heutigen Syrien. Nachdem ihr Mann von den Römern ermordet wurde, begann sie einen Feldzug gegen durch Rom kontrollierte Städte im Orient. An Dumat al-Jandal scheiterte sie.

Dumat al-Jandal Saudi Arabia
Blick von der Festung Marid über die Stadt Dumat al-Jandal

Mit dem Aufstreben des Islam geriet Dumat al-Jandal letztlich in die Hände muslimischer Herrscher. Der Prophet Mohammed selbst soll die Festung mit seinen Truppen eingenommen haben.

In dieser frühen Zeit der noch jungen Religion soll auch die Omar Moschee der Stadt errichtet worden sein. Sie wurde unter der Regentschaft des zweiten islamischen Kalifen Omar gebaut, nachdem sie vermutlich auch benannt ist. Ihr Bau führt uns also zurück in die Zeitspanne zwischen 634-644 – was sie zu einer der ältesten Moscheen der Welt mit weitestgehend originaler Bausubstanz macht.

Omar Mosque Dumat Al-Jandal
Omar Moschee in Dumat Al-Jandal

Mit der Verlegung der Handelsrouten entlang der Küstenstraßen verlor Dumat al-Jandal an Bedeutung und war schließlich verlassen. Lediglich einige Pilger nutzten die Infrastruktur auf ihrem Weg nach Mekka. Heute liegt die Stadt in Ruinen, ein großer Teil des ehemaligen Stadtgebietes wurde von saudischen Behörden bereits abgerissen. Doch was sich weiterhin besuchen lässt ist ein ausgesprochen authentischer Abenteuerspielplatz für Entdecker. Man kann die verworrenen Straßen der Stadt erkunden, auf das Minarett der wichtigen Omar Moschee klettern und natürlich die Festung nach belieben erkunden.

Seit kurzer Zeit werden Teile der Festung renoviert und insbesondere die Mauern im oberen Bereich verstärkt. Daher ist ein Teil des Innenhofes gesperrt (Stand Januar 2022). Ansonsten kann man sich hier frei bewegen und sich in eine längst vergangene Zeit zurück versetzt fühlen.

Eckdaten

Location: hier

Was kostet mich das: kostenlos

Dauer des Besuchs: ca. 2h

Wann besuchen: 8h00 – 18h00

War noch was?

Während wir die historische Altstadt besichtigten, hat leider jemand unser Auto auf dem Parkplatz gerammt und ist ohne Notiz weitergefahren. Zwar haben wir eine gute Versicherung ohne Selbstbeteiligung (absolute Empfehlung beim teils chaotischen saudischen Verkehr). Damit die greift, müssen wir den Unfall mit Fahrerflucht allerdings polizeilich melden.

Hier wird es spaßig. Denn Polizei hat absolut keine Ahnung was sie tun soll. Anscheinend haben sie hier noch nie einen Unfall aufgenommen und einen entsprechenden Schadensbericht ausgefüllt. Die armen Leute sind mit unserer Anfrage vollkommen überfordert.

Polizist in Dumat al Jandal
Polizist in Dumat al Jandal bei der Arbeit

Wir fahren gemeinsam auf die Wache, um uns die Sache genauer anzunehmen. Es bildet sich eine Traube Polizisten, sie diskutieren, was nun zu tun sei. Konsens: weiterhin keine Ahnung.

Da kann dann die Autovermietung helfen, die per Telefon aus Riyadh den Beamten erklärt, was für einen Bericht wir für die Versicherung benötigen und was da drauf zu stehen hat. Ok jetzt ist also alles klar. Einer der Beamten macht es sich extrem professionell in der auch sonst fragwürdig ausgestattet Polizeiwache gemütlich und beginnt, einen mit Informationen überfrachteten Zettel unleserlich auszufüllen. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist atemberaubend – jemand mal den Film Zoomania gesehen, mit dem Faultier am Schalter?

Die Polizisten sind aber die gesamte Zeit über unfassbar freundlich. Da es solange dauert, organisieren sie sogar ein Abendbrot. Zusammen essen wir leckere Mezze – Oliven, Käse, Humus und eingelegtes Gemüse. Klar, irgendwie nervig, den Abend auf der Wache zu verbringen. Aber letztlich eine schöne Erfahrung mit lieben Leuten mit typisch saudischer Gastfreundschaft.

Ach ja, für den Schaden mussten wir natürlich schlussendlich nicht aufkommen.

Abendbrot auf der Polizeiwache
Abendbrot auf der Polizeiwache

Weiter geht’s: Ausflüge in die Umgebung

Ebenfalls in der Wüste Nefud und nur wenige Fahrtstunden weiter südlich liegt die Oase Jubbah. Hier gibt es eine Reihe von Petroglyphen – also Felszeichnungen – zu entdecken, die einem viel über das Leben der Menschen in dieser Region im Verlauf der vergangenen 12.000 Jahre verraten können.

Petroglyphen in Jubbah
Steinbock und Kamel

Die Straße nach Westen führt in die Region Tabuk. Hier kann man in der wohl schönsten Landschaft Saudi Arabiens wandern – dem Wadi Disah mit seinen fantastischen Felsformationen und Palmenwäldern. Außerdem gibt es eine Ausgrabungsstätte einer weiteren nabatäischen Stadt mit einer Reihe von Felsengräbern in Midian bei Al-Bad.

Wadi Disah Saudi Arabien
Wadi Disah in Tabuk

Na dann viel Spaß!

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