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Die Provinz Najran liegt ganz im Süden von Saudi-Arabien. Sie ist zweigeteilt zwischen der großen Leere der Wüste Rub‘ al-Khali auf der einen Seite, und dem schroffen Vulkangestein des Asir Gebirges auf der anderen.

Und irgendwo dazwischen liegt auch die gleichnamige Stadt Najran, Hauptstadt der Provinz. Najran hat sich über viele hunderte, sogar tausende Jahre in einer Taloase entwickelt. Die Spuren davon sind Heute noch zu sehen: ein breites, ausgetrocknetes Flussbett zieht sich durch das besiedelte Gebiet und teilt Najran Heute grob gesagt in einen moderneren Teil im Norden und einen ländlicheren Teil im Süden.

Trivia: in Saudi-Arabien gibt es exakt 0 Flüsse. Lediglich ausgetrocknete Flussbetten, die im seltenen Regenfall Wasser führen. Die nennt man Wadi.

Straße im Asir Gebirge auf dem Weg nach Najran

Als Oase war Najran seit jeher bedeutend für das Handelsnetz zwischen der arabischen Halbinsel und der Levante, Zentralasien und Ostafrika. Auch eine der ältesten großen Handelsrouten der Menschheitsgeschichte hat hier einen wichtigen Knotenpunkt: die Weihrauchstraße.

Dabei handelt es sich sozusagen um das arabische Äquivalent zur Seidenstraße, die Ostasien mit Europa verband. Ihren Namen hat diese Handelsroute vom getrockneten Harz des Weihrauchbaums. Der Rauch, der beim Verglühen entsteht, ist einerseits sehr aromatisch. Er war und ist bei religiösen Zeremonien daher sehr begehrt. Andererseits werden dem Rauch auch Entzündungshemmende Wirkungen zugesprochen, wodurch er bis Heute in der Medizin und Naturheilkunde zur Anwendung kommt.

Weihrauchbaum im alten Teil von Najran

Seit ich Bilder von Sana’a gesehen habe, möchte ich gern mal durch den Jemen reisen. Braune Lehmhäuser mit weißen Ornamenten wirken beinahe wie Lebkuchenhäuser. Allerdings befindet sich das Land im Südwesten der arabischen Halbinsel seit vielen Jahren im Krieg.

Zum einen gibt es einen Konflikt, in dem ganz ursprünglich mal Regierung und gegen eine schiitische Rebellion kämpfte. Andererseits finden auch islamistische Terrormilizen wie die Al-Qaida in diesem Tumult einen guten Nährboden für ihre ganz eigene Agenda.

Saudi-Arabien ist ein Staat, der durch den (nicht unbedingt freiwilligen) Zusammenschluss vieler Regionen und Ethnien entstanden ist. Najran gehörte ursprünglich zum Jemen und wurde erst 1934 annektiert. Näher als in Najran (bzw. der Provinz Jizzan im Westen) kommt man momentan also legal nicht an jemenitische Kultur heran.

Auf dem Souq von Najran werden jemenitische Dolche noch von Hand gefertigt

Kurzer und extrem stark vereinfachter Exkurs zum Konflikt im Jemen

Innenpolitische Probleme zwischen den Glaubensgruppen und Ethnien im Jemen gibt es bereits seit langer Zeit. Eine stabile, allseits anerkannte Regierung konnte seit der Vereinigung der zwei vormals souveränen jemenitischen Staaten Nordjemen und Südjemen 1990 nicht etabliert werden.

Seit 2004 flammte der Konflikt aber in neuem Ausmaß aus. Die Regierung warf einer schiitischen Bewegung separatistische Handlungen vor. Die Hintergründe dafür sind komplex, aber ein wichtiger Kernpunkt ist deren Ablehnung einer Demokratie. Demnach soll der Jemen (wieder) von einem religiös-politischen Führer regiert werden – dem Imam. Ihr Anführer Hussein Badreddin al-Huthi wurde verhaftet, woraufhin es zu bewaffneten Kämpfen kam. Nur wenige Monate darauf wurde Al-Huthi getötet, die Rebellion, die nun seinen Namen trägt (Huthi-Rebellen) eskaliert nun fortlaufend.

Unterstützung aus dem Ausland

Der Jemen ist umgeben von Saudi-Arabien im Norden, dem Oman im Osten und ansonsten vom Meer. Woher also bekommen die Konfliktparteien ihre Ressourcen, um den Kampf solange aufrecht zu erhalten?

Die Seite der Regierung wird unter anderem von Saudi-Arabien und weiteren Nachbarstaaten unterstützt. Die Rebellion erhält mutmaßlich ihre Mittel von Iran. Es wird demnach in gewisser Weise ein Stellvertreterkrieg zwischen den verfeindeten Nationen Saudi-Arabien und Iran auf jemenitischem Boden ausgetragen.

Die größte humanitäre Krise der Welt

Mit dem Vorwand, den Nachschub an Ressourcen für die Rebellen zu kappen, blockierte Saudi-Arabien den Schiffsverkehr am Roten Meer zum Jemen hin. Denn hier werden nicht nur Waffen illegal eingeführt, sondern auch Kämpfer der Rebellen zur Ausbildung in Lager im nahegelegenen Ausland gebracht. So die Annahme. Doch der Jemen ist maßgeblich von Importen abhängig.

Seither fehlt es an allem, es kommt landesweit zu kritischen Engpässen in allen Sektoren. sauberes Wasser, medizinische Versorgung, Nahrung.

Ein paar ernüchternde Zahlen:

  • 90% benötigen dringend humanitäre Hilfe
  • 75% haben keinen gesicherten Zugang zu sauberem Wasser und hygienischer Versorgung
  • 55% haben keinen gesicherten Zugang zu Nahrungsmitteln, bei 30% besteht dringender Handlungsbedarf
  • 2 Mio. Menschen leiden unter Mangelernährung – darunter 1,3 Mio. Kinder

Trivia: Zwar sind die Nachrichten voll mit Grauen und Leid, welches in Teilen der Welt verübt wird. Machtübernahme der Taliban in Afghanistan, neue Gefechte gegen den IS im Norden Syriens, Putins Machtspiele im Osten der Ukraine. Über den Jemen und die laut UN schlimmste Humanitäre Krise der Welt hört man finde ich sehr wenig.

Ein(-blick) in eine andere Welt

Was liegt wo

Meine Unterkunft: Jenaan Furnished Apartments

In Saudi-Arabien gibt es nur wenige richtige Hotels. Meistens bekommt man ganze Apartments gemietet, da es bisher mehr Gastarbeiter als Touristen gab. So auch hier: es gibt eine vollausgestattete Küche, ein Wohnzimmer und zwei Doppelzimmer. Für saudische Verhältnisse sehr gemütlich und sauber.

Preis: 160 SAR/Nacht (ca. 38€) für ein Apartment mit bis zu 4 Betten.

Und das habe ich hier gemacht

Der Emarah Palast (Palast von Najran)

Der Palast von Najran

Der Emarah Palast ist wohl die bekannteste Sehenswürdigkeit von Najran und auch der Grund, warum ich.die Stadt als Startpunkt für meinen Roadtrip ausgewählt habe. Der Palast repräsentiert wie kaum ein zweites Gebäude in herausragender Weise die charakteristische Architektur dieser Region. In einheitlicher Bauweise stehen hier viele Häuser, Türme, Mauern und Brunnen.

Gebaut aus gestampften Lehmziegeln, Stroh und Holz. Um die Kanten sowie Öffnungen an den Fassaden herum sind Ornamente aus festerem, weniger porösem Material aufgetragen. Das dient in erster Linie dem Schutz vor Beschädigungen. Andererseits wird es auch zur Dekoration verwendet. In Najran wirkt das weiße Material wie wie Zuckerguss auf einem Lebkuchenhaus.

Trivia: sieht zwar aus wie ein Lebkuchenhaus, schmeckt aber nicht so gut.

Auf Erkundung im Emarah Palast

Doch auch wenn der Palast den historischen Baustil der Region repräsentiert, so ist er doch gar nicht so alt, wie man denken mag. Denn gebaut wurde er erst 1944, also bereits nach der Annektierung von Najran durch das Königreich Saudi Arabien.

Beim Bau wurde allerdings besonders viel Wert darauf gelegt, die traditionellen Merkmale umzusetzen. Und das ist auch wirklich gut gelungen. Würde man es nicht auf einer der Info-Tafeln lesen können, dass es sich im Prinzip um einen Nachbau handelt, würde nicht aufgefallen. Der Palast fügt sich nahtlos in das historische Stadtbild von Najran ein.

Der Emarah Palast von Najran

Ursprünglich wurde das Gebäude als Sitz des Gouverneurs der Region Najran gebaut. In den Gebäuden wurden also vorrangig kleinere Räume für die Verwaltung eingerichtet, aber auch schöne Säle für offizielle Empfänge, die in der Form immer noch erhalten sind. Später wurde hier auch die örtliche Polizei sowie ein Postamt einquartiert. Vor einigen Jahren wurde der Palast dann renoviert und der Öffentlichkeit als Museum frei zugänglich gemacht.

Und ein Museum ist es in zweierlei Hinsicht. Zum einen natürlich als wichtiges Zeugnis für den traditionellen Baustil in diesem Teil der arabischen Halbinsel. Denn dieser verschwindet in der modernen Gesellschaft nämlich nach und nach zu Gunsten von modernen Städten. Andererseits sind aber auch sporadisch Informationstafeln, Fotos und Ausstellungsstücke zur Geschichte der Stadt aufgestellt worden.

Die Moschee im Emarah Palast

Im Palast kann man sich frei bewegen und herausfinden, was es in den 65 Räumen zu entdecken gibt. Immer wieder führen Treppen auf Halbebenen und Dächer. Wer Schwindelfrei ist, kann auch auf die Wachtürme entlang der Mauer klettern. Normalerweise zieht es mich ja immer hoch hinaus auf der Suche nach der Besten Aussicht. Allerdings gibt es in den Türmen keine Treppen, sondern alte, schmale Holzsprossen, die nur dürftig an die Wand genagelt sind. Das ganze macht mir keinen sonderlich sicheren Eindruck.

Viel entspannter finde ich da schon die Empfangshalle für offizielle Anlässe, die mit ganz typischen Sitzgelegenheiten und Kissen ausgestattet ist. Hier lässt es sich eine Weile aushalten.

Ein guter Ort für den Mittagsschlaf?

Eckdaten

Location: hier

Was kostet mich das: kostenlos

Dauer des Besuchs: 2h

Wann besuchen: 9h00 – 17h00

Der Aan Palast

Der Aan Palast blieb mir leider verschlossen.

Historischer ist da schon der Aan Palast ein paar Kilometer weiter westlich, der noch aus dem 17. Jahrhundert stammt. Angeblich kann man den Palast auch besichtigen und von hieraus das gesamte Wadi von Najran überblicken. Aber leider stehen wir an einem Dienstag vor verschlossenen Türen – ein Schild mit Öffnungszeiten gibt es nicht.

Location: hier

Historische Gebäude im Stadtgebiet von Najran

Historische Häuser in Najran

Noch bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war das Stadtbild Najran von diesen historischen Bauten geprägt. Doch mit dem Wohlstand und dem Wachstum der Bevölkerung war das Schicksal der Altbauten besiegelt. Genau wie auch in Abha oder Riyadh wurden die unpraktischen und sandigen Lehmbauten abgerissen, um so Platz zu schaffen für moderne Einkaufszentren, Hotels und Wohngebäude. Ein Vorgang, der auch bis Heute noch anhält – denn Najran ist eine der am schnellsten wachsenden Städte von Saudi-Arabien.

Auf mich wirkt das Stadtbild von Najran daher erstmal etwas beliebig und genauso austauschbar, wie viele andere der modernen Städte des Landes auch. Dennoch ist Najran hier und da noch durchzogen von den stillen Zeugen einer schwindenden Geschichte. Es macht einfach Spaß, mit dem Auto etwas ziellos durch die Wohngebiete zu fahren und danach Ausschau zu halten.

Viele der verbleibenden Gebäude sind allerdings verlassen und werden dem Verfall überlassen.

Alte leerstehende Häuser in Najran

Aus der Ferne sehen wir einen größeren Gebäudekomplex, der vielversprechend aussieht. Also versuchen wir durch das Wirrwarr an Straßen dorthin zu finden. Gar nicht so einfach, denn sowohl Google Maps als auch Maps.Me geraten in Saudi-Arabien schnell an ihre Grenzen. Viele Straßen und Wege sind überhaupt nicht eingezeichnet.

Und während wir mal wieder in die falsche Straße eingebogen sind und gerade umdrehen wollen, hält neben uns ein Wagen an. Die Scheibe geht runter und ein freundlicher Smalltalk beginnt: wo kommt ihr her, schön dass ihr da seid, willkommen in Saudi-Arabien.

Dann fragt er, ob wir nicht sein Haus sehen wollen. Ich bin mir nicht ganz sicher was er meint und denke aber, dass eine Teepause bei ihm daheim jetzt ganz cool wäre. Also willigen wir ein, er fährt voraus. Und siehe da, er bringt uns ganz genau zu dem Komplex alter Häuser, den wir gesucht hatten. Wie es der Zufall so will, gehören die Gebäude seiner und einer befreundeten Familie.

Ein wiederaufgebauter Mehrfamilienhof in Najran

Als wir ankommen sind die Häuser noch verschlossen, wir warten noch kurz auf einen Jungen, der mit dem Schlüssel vorbeikommt. Danach bekommen wir eine kleine Führung über den Hof und können uns hier umschauen. Die Häuser sind frisch renoviert und in tadellosem Zustand. Leider war sein Englisch nicht der Hit und ich bin mir nicht mehr ganz sicher, was mit den Häusern passieren soll. Ich glaube ein Hotel.

Auf jeden Fall freue ich mich über diese absolut zufällige Begegnung mit einem sehr hilfsbereiten Menschen. Vielen Dank für diesen Einblick in dein Haus und auch die saudische Gastfreundschaft!

Nette Bekanntschaft

Location: hier

Weiter geht’s

Najran ist die erste Station meines Roadtrips durch Saudi-Arabien. Als nächstes geht es tiefer ins Air Gebirge in die gleichnamige Region. Hier gibt es weitere historische Dörfer zu entdecken, alle mit einem etwas eigenen Baustil.

Historische Häuser in Abha

War noch was?

In Najran gibt es noch ein paar weitere Sehenswürdigkeiten, zu denen ich es leider nicht mehr geschafft habe. Einerseits die Burg Ra’um, die auf einem Berg nahe des A’an Palastes liegt. Hier kommen vor allem zum Sonnenuntergang viele Leute hier, um das Warme Licht am Ende des Tages bei guter Aussicht über das Wadi zu genießen.

Location: hier

Außerdem gibt es noch südlich des Wadis die Ruinen der alten Stadt Ukhdud, die vor allem zu Zeiten der Weihrauchstraße ein wichtiges Handelszentrum war. Im Quran wird die Stadt erwähnt, da hier Anhänger des noch jungen Islam in eine Grube geworden und verbrannt wurden – aufgrund ihres Glauben.

Location: hier

Na dann viel Spaß!

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