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Das Tal der Könige ist eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Ägyptens. Denn diese Nekropole, also Totenstadt, ist eine der wichtigsten Ausgrabungsstätten der Welt. Sie liegt auf der Westseite des Nils bei der heutigen Stadt Luxor und somit nur einen Katzensprung von Alt-Ägyptens Hauptstadt Theben entfernt.

In dem trockenen Tal zwischen kargen Felsen ließen sich vornehmlich die Pharaonen des neuen Reiches von Alt-Ägypten (1550-1070 VOR Christus) Grabkammern als letzte Ruhestätte tief in den Fels bauen. Bisher sind 64 Gräber wiederentdeckt und freigelegt worden. Doch Forscher sind sich einig, dass viele weitere noch verborgen im Schutz des Tals schlummern. Erst 2012 wurde ein völlig neues Grab entdeckt, 2019 dann weitere bisher unbekannte Kammern im Grab des Tutanchamun. Ein Abenteuerspielplatz für Archäologen.

So sieht das Tal der Könige von außen aus

Doch die Gräber galten nicht ausschließlich Königen, sondern auch einigen unbekannten Privatpersonen. Drei der bekannten Gräber waren sogar für Tiere angelegt.

In der Welt bekannt wurde das Tal der Könige durch die Entdeckung des Grabes von Tutanchamun durch den britischen Archäologen Howard Carter 1922. Der Zugang zur Grabkammer war entgegen der meisten anderen Fundstellen noch versiegelt. Ein wahrer Sensationsfund. Tausende Grabbeigaben waren dem Toten beigelegt um den in jungen Jahren verstorbenen Pharao auf seiner Reise in die Unterwelt zu begleiten. Berühmt ist vor allem die goldene Totenmaske des Tutanchamum, welche im Ägyptischen Museum in Kairo besichtigt werden kann.

Doch es gibt auch massive Kritik an Howard Carter, der hinter den abgelenkten Augen der Weltöffentlichkeit vor allem sich selbst und seinem Dunstkreis die Taschen füllte. Viele Wertgegenstände aus der Grabkammer verschwanden und tauchen im Verlauf der Jahrzehnte bei Vertrauten Carters wieder auf.

Nun will man das Andenken der Entdecker nicht gänzlich beschmutzen. Der fade Beigeschmack der Ungerechtigkeit, dass der de facto offiziell beauftragte Grabräuber in der Geschichtsschreibung so glorifiziert wird, lässt sich aber nicht vermeiden.

Raub und Schändung ist aber auch im Tal der Könige keine Erfindung der gierigen Neuzeit. Noch zu Lebzeiten der Pharaonen, die sich hier eine Kammer errichten ließen, kam es immer wieder zu Plünderungen. Am Ende der Neuen Reiches ließ man sogar von offizieller Seite die bekannten Gräber räumen und brachte sowohl Mumien als auch die kostbaren Grabbeigaben in einem Depot in Sicherheit.

Welche Gräber können im Tal der Könige besichtigt werden?

Nur ein sehr kleiner Teil der Gräber ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Welche konkret geöffnet sind, kann sich über die Jahre ändern. Denn für Restaurierungsarbeiten und dem Schutz der sensiblen Strukturen vor übermäßiger Feuchtigkeit durch schwitzende und atmende Touristen können Gräber auch zeitweise gesperrt werden.

Das Eintrittsticket berechtigt zum Besuch von drei frei wählbaren Gräbern unter den acht, die geöffnet sind. Diese sind durchnummeriert und über das Kürzel KV für die englische Abkürzung „King’s Valley“ gekennzeichnet. Zum Zeitpunkt meines Besuches konnte aus den Folgenden ausgewählt werden:

KV1: Ramses VII
KV2: Ramses IV
KV6: Ramses IX
KV8: Meremptah
KV11: Ramses III
KV14: Tausret und Sethnacht
KV15: Sethos II
KV47: Siptah
Unterwegs im Grab von Ramses V & VI

Des Weiteren gibt es drei besondere Gräber, die nicht mit dem Basisticket besichtigt werden können. Wer Interesse hat, wird hier gar nicht mal zu knapp extra zur Kasse gebeten. Wir entscheiden uns für die goldene Mitte und gönnen zusätzlich zum Basis-Ticket noch den Eintritt zur KV9.

KV9: Ramses V & Ramses VI (100 LE also ca. 5€)
KV17: Sethos I (1.000 LE, also ca. 50€)
KV62: Tutanchamun (300 LE, ca. 15€)

Neu: die Fotoerlaubnis

Über viele Jahre war es streng verboten, in den Grabstätten zu fotografieren. Praktischerweise hat sich das erst kürzlich vor meinem Besuch zum Positiven für uns Touristen geändert. In allen Gräbern, die zum Basis-Ticket gehören, darf mit dem Handy fotografiert werden.

Allerdings erreicht kein Tageslicht die tief in den Fels gehauenen Ruhestätten. Und die künstliche Beleuchtung ist gerade ausreichend, um mit stark erweiterten Pupillen zu sehen, was vor sich geht. Daher macht es Sinn, für 300 LE (ca. 15€) eine Fotoerlaubnis zu kaufen. Damit kann man in drei beliebigen Gräbern, die mit dem Basis-Ticket besichtigt werden können, einem richtigen Fotoapparat hantieren.

Achtung: Zwar sind den mit dem Ticket professionelle Fotoapparate gestattet. Stative bleiben aber verboten, die Gefahr irgendwo anzuecken ist einfach zu groß.

Die Fotoerlaubnis wird streng kontrolliert

Ein teurer, aber lohnenswerter Spaß

Man merkt direkt, der Besuch im Tal der Könige wird kein Schnäppchen. Doch ich kann mich mit den Ausgaben durchaus anfreunden. Zwar sind die Grabkammern für die Ewigkeit erbaut worden. Doch war es eigentlich vorgesehen, sie für immer versiegelt zu lassen. Daher ist es Heute ein enormer Aufwand, dieses Welterbe gleichzeitig der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, aber eben auch vor dem Verfall zu schützen. Und es auch noch zu erforschen!

Daher bin ich trotz des wahrscheinlich teuersten Eintrittstickets, welches ich je gekauft, habe, sehr glücklich. Nach diversen Sicherheitskontrollen muss man noch mit einer Art rasendem Roland die letzten Kilometer bis zum Beginn der eigentlichen Nekropole zurücklegen.

Falls jemand den Überblick verloren hat, stelle ich die Kosten hier noch mal zusammen:

Basis-Ticket: 240 LE (12€)
KV9 Ticket: 100 LE (5€)
Fotoerlaubnis: 300 LE (15€)
Bimmelbahn: 4 LE (0,20€)
Der Besuch kostet uns also 644 LE (32€) pro Person ohne Anreise.

Achtung: Kartenzahlung ist hier nicht möglich. Unbedingt ausreichend Bargeld mitbringen.

Diese Gräber habe ich mir angeschaut

KV2: Ramses IV

Die Wandmalereien sind beeindruckend

An jedem Eingang steht jemand, der die Tickets kontrolliert und bei Bedarf auch um etwas Geduld bittet, damit es in den engen Kammern nicht zu voll wird.

Wie die Kennzeichnung KV2 vom Grab Ramses IV vermuten lässt, liegt es nah am Eingang. Da man hierher nicht sonderlich weit durch die sengende Hitze laufen muss, kann es in KV2 schnell voll werden.

Hinter dem Eingangstor erstreckt sich ein etwa 80m langer Gang, dessen Wände und Decken in Gänze mit Hieroglyphen verziert sind. In keinem anderen der von mir besuchten Gräber waren die Dekorationen auch nur annähernd so gut erhalten wie hier.

Lies dein Malbuch zu Ende..

Auffallend ist, dass sich hier zwei grundlegend verschiedene Darstellungsformen wiederfinden. Ein Großteil der Zeichnungen wurde direkt auf den Putz aufgemalt. Doch vor allem entlang des Korridors wurden die größeren Abbildungen in die Wände eingraviert und ausgemalt.

Am Ende des Korridors liegt die eigentliche Grabkammer des Pharaos. In deren Mitte steht der Sarkophag, der allerdings genau wie die Kammer selbst leer vorgefunden wurde. Die Mumie wurde später in einem Massenlager wiedergefunden, wohin sie vermutlich zum Schutz vor Grabräubern gebracht wurde.

Der Sarkophag des Ramses IV

Neben den ungewöhnlich gut erhaltenen Dekorationen gibt es noch eine weitere spektakuläre Besonderheit. Denn es wurde ein auf Papyrus gemalter Bauplan der Grabkammer gefunden, der den Verlauf und Lage der Korridore und Kammern aufzeigt. Dieser ist allerdings in Turin ausgestellt und kann daher im Tal der Könige selbst nicht angeschaut werden.

KV8: Merenptah

Der Weg ins Grab von Merenptah ist ein wenig beschwerlicher als der zu Ramses IV. Denn ein abschüssiger Korridor führt uns ganze 160m tiefer in den Fels. Es ist warm und stickig, dazu gesellt sich eine unangenehme Luftfeuchte.

Ein Großteil der Dekorationen sind bereits dem zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Das lag vermutlich in erster Linie an den regelmäßigen Überschwemmungen durch Hochwasser des nahegelegenen Nils.

Dennoch sind einige Teilbereiche der hieroglyphischen Erzählungen erstaunlich gut erhalten und regen die Phantasie für etwaige Interpretationen an. Ich denke zum Beispiel, dass der Pharao Merenptah nicht so schnell seekrank wurde, wie ich.

Am Ende des geradlinigen Korridors befindet sich wieder die Grabkammer, bedeutend größer als die des Ramses IV. Allerdings zeichnet sich vor allem hier der Verfall der Dekorationen ab, da sich das eingetretene Nilwasser sicher nur sehr langsam versickerte. Die aufwändigen Wandmalereien lassen sich hier nur noch erahnen.

KV9: Ramses V & Ramses VI (nur mit separatem Ticket)

Ich denke, dass das Grabmal von Ramses V und Ramses VI mein persönlicher Favorit ist. Ein stückweit fühle ich mich auch verpflichtet so zu empfinden, immerhin haben wir für den Besuch von explizit diesem Grab ein extra Ticket gelöhnt.

Allerdings ist der Weg den Korridor hinunter auch atemberaubend. Denn schon von oben blickt man auf den Sarkophag des Pharaos in der Grabkammer ganz am Ende.

Auch wenn er beinahe zerstört und in viel Stücke zersprungen ist, handelt es sich hier um einen der schönsten und aufwändigsten Sarkophage im Tal der Könige. Viele sind einfachere quaderförmige Monolithe, dieser hingegen ist dem Antlitz eines Pharaos nachempfunden. Das Bild ist mit goldener Farbe auf dunklem blau gemalt und wirkt tatsächlich ein wenig wie ein Sternenhimmel.

Tatsächlich gibt es hier sogar zwei Sarkophage. Denn ursprünglich hatte Ramses V diesen Bau in Auftrag gegeben. Später nutzt ihn aber auch sein Onkel und Nachfolger Ramses VI als ewige Ruhestätte. Quasi ein Familiengrab.

Erwähnenswert sind auch hier die Dekorationen. Allein wegen der eindrucksvollen astrologische Szene der bemalten Decke, die wohl die Transition zwischen Tag und Nacht darstellen soll, lohnt der Besuch in KV9.

Der Verlauf von Tag und Nacht in KV9

KV11: Ramses III

Die Malereien sind hier zwar nicht so farbenfroh wie in den anderen Gräbern, sind aber sicherlich ähnlich spektakulär in Hülle und Fülle in den Putz gemalt. Das Grab besteht aus mehreren Korridoren, die durch Zwischenkammern getrennt sind. Es ist nun nicht wirklich ein Labyrinth, aber dennoch muss man bis zum begehbaren Ende ab und an die Richtung wechseln. Dadurch fühlt es sich ein Stück abenteuerlicher an.

Leider ist die eigentliche Grabkammer zum Zeitpunkt meines Besuches gesperrt.

Trivia: der Richtungswechsel durch den seitlichen Versatz des Korridors ist wohl nicht ursprünglich geplant gewesen. Beim Bau musste man kurzfristig ausweichen, da man einer anderen Grabkammer unangenehm nah kam.

War noch was?

Exit through the Giftshop

Zwar für Ägypten kein ungewohntes Konzept, doch hier im Tal der Könige ganz besonders nervig. Bevor man zum eigentlichen Eingang des Areals kommt, muss man sich erst durch einen hunderte Meter langen Basar kämpfen. Dieser ist ganz klar ausschließlich auf Touristen ausgelegt, es gibt Souvenirs soweit das Auge reicht. Sicherlich auch schöne Sachen. Doch sobald man auch nur den Fehler macht und mit einem der Verkäufer einen kurzen Augenkontakt herstellt, entfaltet sich das ganze Gewitter der Penetranz.

Natürlich muss man sich bewusst sein, dass den Verkäufern seit dem arabischen Frühling ein ganz massiver Teil vom Umsatz fehlt. Denn auf sieben Jahre danach ist der Tourismus weiterhin um mehr als der Hälfte eingebrochen. Es geht hier also auch um das wirtschaftliche Überleben. Falls man also tatsächlich nichts kaufen möchte ist es zumindest wichtig, vehement aber eben respektvoll die aufdringlichen Angebote abzulehnen.

Na dann viel Spaß!

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