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Die vergangenen Tage in Luxor haben uns tief beeindruckt. Zu recht ist die Stadt Dreh- und Angelpunkt des ägyptischen Tourismus. Dennoch zieht es uns weiter nach Assuan, der südlichsten Stadt Oberägyptens.

Für den Transport gibt es mehrere Möglichkeiten, die alle ihren Charme haben. Die geradlinigsten aber wahrscheinlich langweiligsten Varianten sind per Flugzeug oder Reisebus. Das geht zwar schnell, ist verhältnismäßig günstig und unkompliziert – man sieht aber auch nichts von der Gegend. Um auch etwas vom Ägypten außerhalb der Attraktionen zu sehen kann man beispielsweise flussaufwärts auf dem Nil schippern. Das geht sowohl mit einem größeren Kreuzfahrtschiff oder einer Feluke, dem traditionellen ägyptischen Segelboot.

Auf dem Weg zum Edfu Tempel

Wir entscheiden uns für eine private Taxifahrt, die wir bereits im Vorfeld organisiert haben. Die Fahrt kostet uns etwa 85€. Dafür werden wir im Hotel in Luxor abgeholt und in einem klimatisierten Fahrzeug ganz entspannt nach Assuan gefahren. Und das beste: unterwegs haben wir die Möglichkeit, durch einige der Dörfer entlang des Nils zu fahren und noch zwei weitere schöne Tempel zu besuchen: in Edfu und Kom Ombo.

Die Fahrt würde eigentlich nur 4h dauern, aufgrund der beiden Zwischenstops ist es allerdings ein Ausflug der den guten Teil des Tages einnimmt. Daher kommen wir auch erst am frühen Abend in Assuan an.

Wo steht was

Edfu Tempel

Der erste Stop ist der Edfu Tempel auf halber Strecke, den wir von Luxor aus nach etwa 2h Fahrzeit erreichen. Der Tempel ist der größte, der dem Gott Horus gewidmet wurde. Außerdem ist er in einem fabelhaften Zustand. Schon als ich auf die großen Pylone am Haupteingang zulaufe kann ich mir hier richtig gut vorstellen, wie der Tempel zu seiner Blütezeit ausgesehen haben muss.

Dass der Zustand des Tempels so hervorragend ist, mag auch daran liegen, dass er so jung ist. Kaum mehr als 2.000 Jahre hat er auf dem Buckel. Denn er wurde „erst“ im 3. Jahrhundert v.Chr. gebaut. Zu einer Zeit, als bereits die Ptolemäer über Ägypten herrschten – bevor das Land nur wenig später zur Römischen Provinz wurde. Der Edfu Tempel stellt somit eines der letzten Baudenkmäler altägyptischer Reiche dar.

Der große Pylon des Edfu Tempel

Trivia: die Ptolomäer sind eine makedonisch-griechische Dynastie, die vor allem die Küstennahen Lande im östlichen Mittelmeerraum beherrschten. Dazu zählte eine Zeit lang auch ganz Ägypten.

Bei unserem Besuch irren wir beinahe allein durch den Komplex. Nur ein paar andere Ägypter stehen neben mir und deuten die riesigen Figuren auf den Pylonen.

Die Figuren sind riesig

Nach dem Haupteingang kommt man auf einen großen Platz, der von einem Säulengang umgeben ist. Die Säulen sind überdacht und ermöglichen auch ein Durchqueren ohne Sonnenbrand. Echt praktisch.

Der gesamte Innenhof war lange Zeit bis zu seiner Wiederentdeckung bis zu den Kapitellen der Säulen mit Sand zugeweht. Das sollte ebenfalls eine Erklärung für seinen guten Zustand sein.

der Innenhof des Tempels

Am Ende des Hofes stehen zwei Statuen von Falken aus Granit. Der Falke ist das Symbol für den Gott Horus. Es gibt Indizien dafür, dass Horus zu Zeiten der ptolemäischen Herrschaft mit deren Gott Apollon assoziiert wurde. Das mag ein Grund dafür sein, dass der Tempel weiter betrieben und wurde und somit damals schon dem Untergang geweiht war.

Was guckst du?

Im hinteren Bereich gelangt man noch in Innenräume. In den kühlen Gängen kann man auf Entdeckungsreise gehen (damit meine ich: sich leicht verirren) und hier und da gibt es auch noch etwas zu bestaunen. Die Wände sind wie immer vollständig dekoriert.

In einem Raum ist auch eine heilige Barke, mit der die Obrigkeiten über den Nil fuhren, ausgestellt.

Sänfte des Pharaos

Kosten: 150 LE (ca. 8€)
Dauer: 1h30

Fahrzeit:

  • Von Luxor: 2h
  • Von Assuan: 3h
  • Von Kom Ombo: 1h30
der große Hof im Edfu Tempel

Der Kom Ombo Tempel

Unseren zweiten Zwischenstop erreichen wir nach 1h30 Fahrzeit ab Edfu. Der Kom Ombo Tempel ist auf eine kleinen Anhöhe direkt am Nil gebaut. Man erreicht ihn nach einem kurzen Spaziergang entlang des Ufers, der Ausblick währenddessen ist schon ein Highlight.

Der Tempel ist noch mal 100 Jahre jünger als der von Edfu, einige Teile stammen aus der Zeit der Herrschaft der Ptolomäer, andere wiederum sind bereits in römischer Zeit entstanden. Der Zustand der Bauelemente wie tragender Säulen und Überdachungen ist allerdings weitaus schlechter als in Edfu. Hochwasser, Erosion und Erdbeben haben hier ihre Spuren hinterlassen. Doch auch der Tempel von Kom Ombo war noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts nahezu vollständig unter Wüstensand begraben, Somit konnten zumindest viele der Inschriften und Malereien vor dem Verfall bewahrt werden.

Allein am Kom Ombo Tempel

Der Tempel ist weitaus kleiner als der von Edfu und hat auch keine gigantischen Pylone, die den Eingangsbereich ausmachen. Dafür ist er der erste, bei dem ich einige der Wanddekorationen sogar deuten kann. Denn viele der Inschriften befassen sich mit medizinischen Instrumenten und vor allem der Geburt. Bilder von hockenden Frauen, aus denen mit ausgestreckten Armen kleine Kinder rauspurzlen finden man an vielen Stellen des Tempels.

Auch Abbildungen von einem Gebärstuhl wurden identifiziert. Bereits vor mehr als 2.000 Jahren wurde dieser bei den Ägyptern bereits eingesetzt, um die Geburt zu erleichtern. Und die gibt es auch Heute noch!

Szene einer Geburt

Die vielen Inschriften zum Thema Geburt sind auch kein reiner Zufall. Denn der Tempel ist neben Horus auch dem Gott Sobek gewidmet. Das ist der Kollege mit einem Krokodilkopf, der unter anderem für Fruchtbarkeit steht. Sobek lässt sich auf den großen Abbildungen leicht ausmachen. Wer findet ihn auf dem folgenden Bild?

Der Gott Sobek mit dem Krokodilskopf

Auch den Tempel von Kom Ombo besuchen wir am frühen Nachmittag beinahe völlig allein. Lediglich ein paar Ägypter, die Ihre Dienste als Guide anbieten laufen noch durch die alten Mauern. Mit anbieten meine ich natürlich aufdrängeln. Denn einer von Ihnen weicht uns nicht mehr von der Seite und fängt an, uns Orte des Tempels zu zeigen und zu erklären.

Eigentlich eine gute Idee, mit Guide erfährt man ja doch mehr, denn Info-tafeln sucht man hier vergebens. Doch leider sprechen wir keine gemeinsamen Sprachen und so versucht er nur auf Arabisch uns aufzuschlagen. Manchmal guckt er auch nachfragend, ob wir seine letzten Ausführungen denn auch verstanden oder noch Fragen hätten..

Unterwegs im Kom Ombo Tempel

Kosten: 110LE (ca. 5,50€)
Dauer: der Tempel ist klein, ca. 1h sollte für den Besuch reichen.

Fahrzeit:

  • Von Assuan: 1h
  • Von Edfu: 1h30
  • Von Luxor: 3h
Schüttet dein' Speck

War noch was?

Natürlich können die beiden Tempel auch als Tagestrip von Luxor oder Assuan aus besucht werden, um, am Abend zurück in den gleichen Ort zu fahren. Das macht den Trip aber ungleich länger und man sollte sich auf viele Stunden im Auto einstellen, vor allem für die Rückfahrt. Daher ist es wirklich ratsam, den Besuch der Tempel mit der Reise von Luxor nach Assuan (oder umgekehrt) zu verbinden.

Der schönste Ausblick auf Assuan und den botanischen Garten auf der Nilinsel

Na dann viel Spaß!

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