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Luxor ist so etwas wie Ägyptens touristisches Zentrum. Das liegt einerseits an der Lage, relativ mittag entlang des Nils zwischen Kairo und Abu Simbel. Spannend ist die größte Stadt Oberägyptens allerdings vor allem aufgrund ihrer Vielzahl an historischen Tempeln, Monumenten und einer der beeindruckendsten Nekropolen der Welt.

Das ist auch kein Zufall, denn Luxor war einst der Tempelbezirk oder Altägyptischen Hauptstadt Theben. Mehr als 15 Millionen Touristen lockt dieses Sammelsurium an Sehenswürdigkeiten jährlich an – Luxor ist also weit davon entfernt, ein Geheimtipp zu sein.

Unterwegs im Luxor Tempel

Luxor wird durch den Nil zweigeteilt. Am Ostufer liegt das Stadtgebiet, hier findet sich auch ein Großteil der touristischen Infrastruktur wie Hotels und Restaurants.

Das Westufer ist eher von einer kargen Steinwüste geprägt. Das klingt zwar zunächst nicht einladend, doch finden sich mitten in der Wüste einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Ägyptens, wie etwa das Tal der Könige.

Dekorierte Säulen des Luxor Tempel

Was liegt wo

Meine Unterkunft: Hilton Luxor Resort & Spa

Der Poolbereich des Hilton in Luxor

Zunächst sei gesagt: das Hilton Luxor ist das beste Hotel, welches wir in Ägypten hatten. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, es ist das einzige welches dem Anspruch der Internationalen Marken gerecht wird.

Das Hotel ist modern, mit einer authentischen orientalischen Einrichtung. Der wunderschöne Außenbereich mit einer Kaskade an Pools bietet genügend Möglichkeiten, die vom Sightseeing schmerzenden Füße hochzulegen. Wer richtig platt ist, findet Entspannung im Spa Bereich mit verschiedenen Saunen. Die ganze Anlage liegt direkt am Nil und man blickt auf die karge Hügellandschaft des Tals der Könige.

Unerwartetes Highlight: Wer mich kennt, der weiß von meiner Abneigung gegenüber Hotelrestaurants in solch touristischen Gegenden. Die haben in der Regel keine große Notwendigkeit wirklich gut und innovativ zu kochen. Denn die Touristen kommen nach einem langen Tag aus Bequemlichkeit sowieso hierher.
Im Hilton Luxor ist das anders, ich war sehr begeistert von den Restaurants des Hotels. Klare Empfehlung, mit dem Hotel macht man alles richtig.

PS: leider bekomme ich für diese Rezension keinerlei Benefits 🙂

Blick über den Nil auf Theben-West

Sehenswürdigkeiten am Ostufer von Luxor

Beide Nilufer bieten eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten. Wenn man es wirklich will und gar keine Zeit hat, lässt sich auch alles an einem sehr langen und stressigen Tag anschauen. Viel entspannter wird es, wenn man für West- und Ostufer je einen ganzen Tag einplant. So haben auch wir unsere Zeit in Luxor verbracht.

Karnak Tempel

Die Säulen des Karnak Tempel sind riesig

Zunächst geht es ans Ostufer. Hier gibt es im Prinzip eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten, wir wollen es aber nicht übertreiben und konzentrieren uns auf die zwei wichtigsten Denkmäler des alten Theben: den Luxor Tempel und den Karnak Tempel.

Letzterer ist auch der erste Stop auf unserer Tour. Nach dem Frühstück machen wir uns gemütlich zu Fuß auf den Weg. Lediglich 20 Minuten laufen wir größtenteils unbehelligt von Souvenirständen bis zum Tempeleingang. Vor Ort angekommen stelle ich aber fest, dass wir uns beim Frühstück wohl etwas viel Zeit gelassen haben. Es ist bereits 10 Uhr, die Tourbusse sind bereits angekommen und schon am Eingangsbereich strömen große Massen an Menschen in alle Richtungen.

Tipp: vor 10 Uhr hier sein

Der Eingang zum Karnak Tempel

Doch sobald wir im Tempel sind legt sich auch mein Puls wieder. Denn der Karnak Tempel ist die zweitgrößte Tempelanlage der Welt (nach Angkor Wat in Kambodscha). Daher verlaufen sich die Massen auf dem Gelände etwas und wir können den Tempel in Ruhe auf uns wirken lassen.

Kleine Menschen - riesige Säulen

Besonders beeindruckend ist der Säulensaal (ein sogenannter Hypostyl). Ganze 134 massive Säulen trugen einst die die hölzerne Decke. Zwar ist das Holz dem Zahn der Zeit gewichen, der Blick nach entlang der Säulen oben versetzt mich aber schnell ins Staunen.

Unter den massiven Säulen fühlt man sich ganz klein

Es ist ein typisches Merkmal für ägyptische Tempel, dass Wände und Decken dekoriert wurden um Geschichten der Herrscher darzustellen. Verrückt finde ich es aber dennoch, denn die über 3.000 Jahre alte Halle war über 22m hoch. Das musste ja nicht nur gebaut, sondern auch gewartet und restauriert werden. Ob es damals schon ausfahrbare Leitern gab? Einige der Malereien sind auch Heute noch erkennbar.

Wie kamen die Künstler bis an die 22m hohe Decke ran?

Sobald man den Säulensaal verlässt finden sich eher kleinere Ruinen, Bruchstücke von Skulpturen und Altare. Dennoch lohnt es sich mal einen Gang um die Tempelanlage herum zu machen, von hieraus lassen sich die Dimensionen besser einschätzen.

Rückansicht des Karnak Tempel

Eintritt: 150LE (ca. 8€)
Dauer: man sollte ruhig 2h einplanen. Der Komplex ist groß und man sollte die Dimensionen in Ruhe auf sich wirken lassen.

Hier werden Sphingen gesammelt, die einst die Allee zum Luxor Tempel säumten

Luxor Tempel

Nachdem wir den Karnak Tempel verlassen haben ging es per Taxi zum nächsten Stop: dem Luxor Tempel. Klar könnten wir die wenigen Kilometer auch laufen, doch das macht im chaotischen Straßenverkehr Ägyptens nur wenig Spaß.

Ganz anders war das in der Antike. Nicht nur, weil es noch keine Autos gab. Sondern auch weil eine etwa 2,5km lange prachtvolle Allee die beiden Tempel miteinander verband. Zu beiden Seiten war der Weg gesäumt mit Sphingen.

Leider gingen einige der Skulpturen über die Zeit verloren, zum Zeitpunkt unseres Besuches waren lediglich die letzten meter der Sphingenallee vor dem Luxor Tempel noch zu erkennen. Doch die Stadt bemüht sich um den Wiederaufbau, wahrscheinlich noch 2021 soll die Allee wieder vollständig aufgebaut sein. Dann ist es wieder möglich auf den Spuren der Pharaonen zwischen Luxor Tempel und Karnak Tempel zu wandern.

Die Sphingenallee zwischen dem Luxor- und dem Karnak Tempel

Der Eingangsbereich des Tempels, der sogenannte Pylon, ist wirklich beeindruckend. Insgesamt sechs riesige Statuen bewachten in der Antike den Zugang, nicht alle haben es bis in die Neuzeit geschafft. Vor dem Eingang standen einst zwei große Obelisken, wovon ebenfalls nur noch einer den Postkartenanblick des Tempels ziert.

Trivia: der zweite identische Obelisk war ein Geschenk Ägyptens an Frankreich und steht Heute auf dem Place de la Concorde in Paris.

Der Eingang zum Luxor Tempel

Die Statuen stellen den Pharao Ramses II dar. Er war wohl ein großer Fan beeindruckender, in Stein gehauener Abbilder seiner selbst. Denn auch sein Felsentempel in Abu Simbel wird von sitzenden Kolossen nach seinem Ebenbild bewacht.

Ursprünglich waren nurnoch die beiden sitzenden sowie eine der stehenden Figuren erhalten. In mühevoller Arbeit und nach traditioneller Bauart werden zu großen Teilen aus erhaltenen Artefakten die anderen Figuren wieder aufgebaut. Wir können beobachten wie die Arbeiter die Statue auf der linken Seite mit einem Gerüst enthüllen. Ein Gerüst aus massiven Holzbalken, welche sie aus reiner Körperkraft und ohne mechanischen Kran aufbauen. Beeindruckend, vor allem bei diesen Temperaturen!

Große Statuen bewachen den Pylon des Luxor Tempel

Sobald man den Pylon passiert, gelangt man in den ersten großen Hof. Dieser ist von einem doppelten Kolonnadengang umgeben. Im östlichen teil des Hofes steht ein Gebäude, welches zu Recht etwas befremdlich wirkt. Die Moschee des Abu el-Haggag überragt die alten Tempelmauern.

Interessanter Weise steht die Moschee etwa 5m höher vom Tempelboden aus gesehen. Das liegt daran, dass auch der Luxor Tempel mit dem Ende der Altägyptischen Reiche langsam zerfiel und zum Zeitpunkt des Erbaus der Moschee bis zu diesem Niveau verschüttet war.

Die Moschee des Abu El-Haggag

Der Hof ist ansonsten von Statuen geprägt, die sich zwischen die Kolonnaden drängen.

Statuen im Luxor Tempel

Man verlässt den ersten Hof durch einen weiteren Kolonnadengang, der zunächst von zwei imposanten Statuen des Ramses II flankiert ist (links). Anschließend passiert man zwei sitzende Figuren, die den Gott Amun sowie seine Frau Mut darstellen, denen der Tempel gewidmet ist (rechts).

Statue des Ramses II
Götterpaar im Luxor Tempel

Der zweite Hof ist bedeutend größer und war vermutlich Schauplatz der Krönungszeremonie der Pharaonen. Denn das war wohl der vorrangige Zweck des Luxor Tempel. Der hintere Teil des Hofes wurde nach der Eroberung durch die Römer zum Teil in eine Kirche umgebaut, hier findet man neben den typisch ägyptischen Wanddekorationen auch christliche Malereien.

Der zweite Hof des Luxor Tempel

Mir gefallen vor allem die Kolonnaden am zweiten Hof, denn diese haben eine ganz andere Bauform als im Karnak Tempel. Der Grundriss erinnert beinahe an einen Blumenstängel, was durch die bauchige Form verstärkt wird.

Der Kolonnadengang des zweiten Hofes

Eintritt: 150LE (ca. 8€)
Dauer: 1h

Sehenswürdigkeiten am Westufer von Luxor

Das Westufer lässt sich nicht zu Fuß erkunden. Öffentlichen Nahverkehr zu den einzelnen Sehenswürdigkeiten gibt es nicht wirklich. Die meisten Touristen sind im Rahmen einer geführten Tour unterwegs. Wir wollen allerdings unserem eigenen Tempo folgen und den Tag nach unseren Wünschen gestalten.

Daher entscheiden wir uns dazu, ein Taxi für den gesamten Tag zu buchen. Das kostet uns nur 400LE (ca. 20€) und ist die entspannteste Art, das Westufer zu erkunden. Wir werden am Hotel abgeholt und dann nach unseren Wünschen am Westufer herumgefahren.

Der Totentempel des Ramses III in Medinet Habu

Auf dem Weg zum Medinet Habu

Unser erste Stop auf der anderen Nilseite führt uns in den kleinen Ort Medinet Habu. Hier steht ein Kultbau zur Darstellung der Gottähnlichkeit seines Erbauers Ramses III. Er stammt aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. und ist in seinen Grundrissen so gut erhalten wie kaum eine andere Tempelanlage Altägyptens.

Schon der große Pylon am Haupteingang ist ein echter Hingucker mit den großen Abbildungen und den Geschichten, die sie erzählen.

Ich staune über die Größe des dekorierten Pylons

Vor allem hier lässt sich leicht erahnen, dass einst alle der Dekorationen an Wänden und Decken bunt gewesen sein müssen. Während die Säulen in den von Sonnenstrahlen geplagten Bereichen bereits ausgeblichen sind, findet man vor allem in den schattigen Bereichen noch sehr gut erhaltene Malereien. Es ist kaum vorstellbar, wie farbenfroh die Tempel gewesen sind, bevor sie Ägyptens gnadenlose Sonne sie in ihre heutige sandsteinfarbene Haut bannte.

Die Malereien haben zu großen Teilen ihre Farbigkeit bewahrt
Bemalt bis zur Decke

Eintritt: 80LE (ca. 4€)
Dauer: 1h30

Der große Hof des Habu Medinet

Der Totentempel der Hatschepsut in Medinet Habu

Nur wenige Fahrminuten weiter erreichen wir den Totentempel der Hatschepsut. Sie war eine Pharaonen des neuen Reiches und lebte etwa vor 3.500 Jahren. Auch der Tempel entstand zur Zeit ihrer Regentschaft.

Die Architektur ist etwas eigenwillig. Die meisten der Tempelanlagen die wir besichtigen sind freistehende Gebilde mitten im Wüstensand. Dieser hingegen ist direkt an einen Felsen gebaut. Anstelle der großen Pylone (Eingangsportale) gibt es hier eine lange Reihe von Säulen auf jeder der drei Terassenebenen.

Beeindruckend ist vor allem der Weg zum Tempel dank seiner Lage am Fuß des Gebirges. Allerdings ist dieser Weg vom Eingangsbereich aus enorm lang, ohne Möglichkeiten im Schatten zu laufen. Daher gibt es eine kleine Bimmelbahn, um das Ziel etwas entspannter zu erreichen.

Trivia: bereits im antiken Ägypten gab es weibliche Staatsoberhäupter. Jedem bekannt ist vor allem Kleopatra aus der Zeit der römischen Eroberung. Warum hat es also bis ins Jahr 2005 gedauert, bis auch Deutschland sich einer Frau am Steuer erfreuen durfte? #MuttiMerkel

Der Tempel von Hatshepsut

Der Eingangsbereich der obersten Ebene ist mit 26 in Reihe stehenden Statuen der Pharaonen flankiert. Die Statuen sind zu Teilen noch sehr gut erhalten.

Trivia: 1997 wurde der Tempel der Hatschepsut trauriger Schauplatz des bis Heute schlimmsten Attentat auf touristische Stätten in Ägypten. Mehrere islamistische Terroristen stürmten das Tempelgelände mit automatischen Schusswaffen sowie Macheten. 62 Menschen wurden dabei ermordet. Das ist einer der Hauptgründe für die vielen Sicherheitskontrollen an den Sehenswürdigkeiten sowie Militärcheckpoints auf den Straßen.

Osiris Statuen am Tempel der Hatschepsut

Auch wenn die Architektur besonders auffällig ist, kann ich mich nicht in Gänze für den Tempel der Hatschepsut begeistern. Er wirkt durch seine glatte, beinahe vollkommene Fassade etwas zu steril für meinen Geschmack. Wenn ich an Ägypten und seine jahrtausende alten Bauten denke, kommen mir eben zerfallene Steinhaufen in den Sinn.

Malereien im Tempel der Hatschepsut

Eintritt: 100LE (ca. 5€) + 15LE (0,75€) für die Bahn
Dauer: 1h00

Das Tal der Könige

Das Grab von Ramses V im Tal der Könige

Das Tal der Könige ist eine der größten Totenstädte bzw. Nekropolen der Welt. In beinahe 100 Kammern, die in tief in den Felsen gehauen wurden, fand man Gräber und Schätze vieler Pharaonen und Edelmänner des alten Ägyptens. Einige der Gräber können heute besichtigt werden und sind ein absolut einzigartiges wie faszinierendes Highlight einer Reise durch Ägypten.

War noch was?

Vor allem das Westufer hält noch Unmengen weiterer Tempel und Totenstädte bereit. Wer mehr Zeit in Luxor als Hobbyarchäologe verbringen möchte, dem wird so schnell nicht langweilig.

Einige Beispiele für weitere Aktivitäten:

  • Tal der Königinnen: das weibliche Pendent zum Tal der Könige soll wohl nicht minder atemberaubend sein.
  • Kolosse von Memnon: große Statuen, die Besucher auf der Westseite Thebens willkommen hießen
  • Dendara & Abydos Tempel: etwas weiter nördlich auf der Westseite und ab von der Hauptroute. Laut Empfehlung unseres Taxifahrers ein sehr lohnenswerter Tagestrip
  • Weitere kleinere Totentempel, z.B. Sethos I

Na dann viel Spaß!

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