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Manchmal kommt man in einen neuen Ort und empfindet sofort eine tiefe innere Sympathie. Und so ging es mir auch mit Bamberg im vergangenen Jahr. Die idyllische Stadt in Oberfranken hat nämlich alles, was man sich für einen Wochenendausflug wünscht.

Den zweiten Weltkrieg hat Bamberg relativ unbeschadet überstanden und so findet man hier noch eine der schönsten zusammenhängenden Altstädte Deutschlands. Mittelalterliche Fachwerkhäuser, bunte Fassaden mit allerlei Schnörkeleien die dem Rokoko zuzuordnen sind, sowie herrschaftliche Residenzbauten und Kirchen bestimmen das Bild der Altstadt.

Das Karmeliterkloster

Ein Spaziergang in Bamberg geht ordentlich auf die Waden. Die Stadt erstreckt sich nämlich über sieben Hügel – genau wie das antike Rom. Daher wird Bamberg auch als fränkisches Rom bezeichnet. Dadurch konnte die Stadt nicht am Reißbrett entworfen werden. Straßen und Gebäude mussten somit immer individuell entsprechend ihrer Lage entworfen und angepasst werden. Genau das macht das Schlendern durch die kleine Stadt so sympathisch.

Die sieben Hügel sind weitestgehend nach dem auf ihnen stehenden markantesten Gebäude benannt:

  • Domberg – hier steht der Bamberger Dom
  • Altenburg – mit der Altenburg, heute Bambergs höchstem Biergarten
  • Michelsberg – mit dem Kloster Michelsberg
  • Stephansberg – mit der Stephanskirche
  • Kaulberg
  • Abtsberg
  • Jakobsberg
Schöne Fachwerkhäuser und die Türme des Doms im Hintergrund

Bamberg ist nah am Wasser gebaut. Das Stadtbild wird durch die Regnitz, einem Nebenfluss des Main, geteilt. Dabei trennt der Fluß grob gesehen die Stadt in eine bischöflichen im Westen und eine bürgerliche Seite im Osten.

Und genau in der Mitte dieser beiden Gebiete steht das wahrscheinlich schönste Rathaus Deutschlands!

Trivia: wer schon mal in Franken war, grübelt eventuell ob ich den Fluss korrekt geschrieben habe. Denn zwei Quellflüsse der Regnitz sind die Rednitz sowie die Pegnitz! Alles klar?

Bambergs altes Rathaus

Hopfen und Malz, Gott erhalts. Und in Bamberg hat der liebe Gott viel von dem edlen Getränk erhalten. Denn in Bamberg und seiner Umgebung gibt es noch immer 60 Brauereien – was der Gegend den Titel höchste Brauereidichte der Welt einhandelt! Zumindest bis in die 1960er Jahre. Denn dann wurden immer mehr kleinere Craft-Bier-Brauereien überall auf der Welt gegründet.

Doch noch immer stehen in Bamberg die meisten historischen Brauereien – und geben dem Besucher genügend Abwechslung für ein langes Wochenende. Hervorzuheben ist dabei das Gebräu, welches in Bambergs ältester Brauerei, dem Schlenkerla ausgeschenkt wird. Das gleichnamige Bier ist dunkel und riecht wie ein Besuch beim Fleischer. Und das Aecht Schlenkerla Rauchbier schmeckt wie ein flüssiger Räucherschinken! Beim ersten Schluck habe ich noch ungläubig das Gesicht verzogen – seit dem zweiten bin ich ein großer Fan.

Die Musikkapelle im Biergarten "Wilde Rose Keller"

Meine Unterkunft: Ferienwohnung Fischerhäuschen

Warum sich nur Sehenswürdigkeiten anschauen, wenn man auch in einer Übernachten kann? Die gemütliche kleine Ferienwohnung liegt auf der Inselstadt direkt am Ufer des linken Regnitz-Arms. Die Wohnung hat einen sehr charmanten und individuellen Schnitt, da sie in eines der historischen Fischerhäuser gebaut wurde.

Für nur 70€/Nacht bekommt man hier eine gut ausgestattete Wohnung, die später auch garantiert auf den Urlaubsfotos von Klein Venedig mit drauf ist!

Was liegt wo?

blau: Unterkunft – rot: Sehenswürdigkeit – grün: Aussichtspunkt – gelb: Restaurant

Ein Spaziergang durch Bambergs Altstadt

Bambergs Altstadt ist von überschaubarer Größe und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten kann man ganz bequem an einem Tag zu Fuß erkunden. Doch dabei ist eben auch der Weg das Ziel. Die vielen individuell verzierten Fassaden, verzweigte Gassen entlang der hügeligen Stadt und natürlich der Blick entlang der Regnitz. Daher sollte man immer mal die Augen offenhalten und nach eine von Deutschlands schönsten Altstädten auf sich wirken lassen. Oder zwischendurch einfach mal ein neues Bamberger Bier probieren.

Der Domplatz

Der Bamberger Dom

Einer der schönsten Plätze ist der Domplatz auf dem Domberg. Hier steht eine Reihe wichtiger historischer Gebäude – wenig überraschend ist eines davon der Dom von Bamberg.

Und was für ein Dom! Es ist wahrscheinlich das markanteste Gebäude der Stadt. Er stammt in seinen Grundzügen aus dem frühen 13. Jahrhundert und weißt vornehmlich Merkmale der Romanik auf. Dazu zählen beispielsweise die vielen Rundbögen und die vier Kirchtürme, die bei vielen Großkirchen aus dieser Zeit zu finden sind. Und die markante Bauweise machen den Dom auch zu einem der Wahrzeichen der Stadt Bamberg. Und zu einer Art Orientierungspunkt – denn irgendeinen der vier Türme kann man dank seiner erhabenen Lage von beinahe jedem Punkt der Stadt aus sehen.

Interessant finde ich, dass der Domberg zur Errichtung des Gebäudes im Vorfeld nicht begradigt wurde. Der Dom wurde somit längs verlaufend auf abschüssigem Grund gebaut und ist im Eingangsbereich höher als am Westende.

Bamberger Dom und alte Hofhaltung

Direkt neben dem Dom steht die Alte Hofhaltung. Hinter der schönen Fassade versteckt sich ein Ensemble aus Wohn- und Wirtschaftsgebäuden der ehemaligen Bischofsresidenz aus dem 15. Jahrhundert. Heute werden die Gebäude vorrangig als historisches Museum genutzt. Auf dem großen Innenhof finden immer wieder Festspiele oder Konzerte statt.

Ein Abstecher in den Hof lohnt auf jeden Fall. Mir hat der Anblick der mittelalterlichen Gebäude mit dem Dom im Hintergrund besonders gut gefallen.

Der Dom ragt hinter der alten Hofhaltung empor

Damit die alte Hofhaltung zur alten Hofhaltung werden konnte, musste ein neuer Wohnsitz der Bamberger Bischöfe her. Am Ostende des Domplatzes steht das prunkvolle Gebäude mit dem kreativen Namen Neue Residenz, welches genau diese Aufgabe erfüllt.

Neue Residenz

Zwar kann man auch einige der edlen Schauräume besichtigen, doch das stand dieses Mal nicht auf dem Plan. Stattdessen waren wir in dem großen Rosengarten, der im Hinterhof der Residenz angelegt wurde. Neben den Rosenbeeten gibt es hier auch einige Skulpturen und Wasserspiele. Vom Rand des Gartens aus hat man einen schönen Blick auf den östlichen Teil von Bamberg.

Der Rosengarten in der neuen Residenz

Wer nach all dem Sightseeing erstmal wieder bei einem kalten Bier zu Kräften kommen will, muss gar nicht so weit gehen. Denn direkt unterhalb des Domplatzes kommt man über den Katzenberg in die obere Sandstraße – einer Art Barmeile. Hier reihen sich Restaurants und Bars aneinander, da ist auch für jeden Geschmack das passende dabei.

Wer nur etwas trinken und sich nicht ins Restaurant setzen möchte, kann auch einfach ein Glas Bier aus einem der Fensterverkäufe bekommen. Das geht zum Beispiel beim Schlenkerla und vor dem Verkaufsfenster bildet sich fast jederzeit eine große Traube an Durstigen – Bamberger wie auch Touristen.

Der Katzenberg und unten die obere Sandstraße

Von der oberen Sandstraße geht es noch ein kleines Stück weiter gen Osten bis man an das Ufer des linken Regnitz-Arms kommt. Das Panorama der kleinen Häuser des ehemaligen Fischerviertels wird hier klein Venedig genannt. Eigentlich erinnert mich hier nichts weiter an die Lagunenstadt in Italien. Aber irgendwie ist das eben auch ein toller Marketinggag sich mit dem großen Namen zu schmücken. So ein Viertel gibt es ja beispielsweise auch bei mir in der Region in Wolfenbüttel entlang der Oker.

Ob man mit dem Namen nun mitgeht oder nicht – das Bild entlang des Ufers ist wirklich sehr schön und idyllisch.

Klein Venedig in Bamberg

Ein Stück weiter südlich steht das wahrscheinlich bekannteste Gebäude Bambergs. Mitten auf einer Brücke zwischen dem bischöflichen und dem bürgerlichen Teil der Stadt steht das Alte Rathaus.

Das Gebäude stammt in seinen Grundzügen aus dem 15. Jahrhundert, wurde aber im späten 18. Jahrhundert nach den Vorstellungen des Barock und Rokoko äußerlich umgestaltet. Heute ist das Gebäude aus jeder Perspektive ein kleines Kunstwerk.

Von Süden schauend kuschelt sich ein kleiner Fachwerkvorbau an das Hauptgebäude an. Längs sind die Fassaden künstlerisch bemalt. Über den Durchgängen des Hauptgebäudes sind ornamentreiche Balkone gebaut.

Trivia: bis 1922 fuhr noch die Straßenbahn durch das Rathaus um die Ufer der Regnitz miteinander zu verbinden.

Der Durchgang durch das Rathaus

Den besten Blick auf das Rathaus hat man von einer der Regnitzbrücken südlich des Gebäudes. Der Klassiker bietet sich vom Geyerswörthsteg aus. Dank der kleinen Verwirbelungen im Wasser kann man hier auch ruhig mal das Stativ für eine Langzeitbelichtung bemühen. Aber Achtung: die kleine Holzbrücke ist recht wackelig und man sollte dazu kurz warten, bis keine anderen Spaziergänger das Bild verwackeln.

Blick vom Geyerswörthsteg

Wessen Füße noch nicht weh tun, kann auch noch etwas weiter südlich bis auf die Bischofsmühlbrücke laufen. Hier bilden dann die anderen Gebäude der beiden Uferseiten einen Rahmen um das alte Rathaus.

Bambergs Rathaus von der Bischofsmühlbrücke

Hier lohnt sich auch ein Blick in die andere Richtung. Denn die Bebauung entlang des Wassers ist wirklich individuell und schön.

Häuser auf der Regnitz

Die beiden Brücken die durch bzw. am Rathaus entlang führen sind auch sehr beliebte Aufenthaltsorte. Hier ist immer mächtig was los. Auch während der Corona Pandemie tummeln sich hier viele Leute. Wer kann es ihnen verübeln, denn der Ort über dem Wasser mit dem herrlichen Blick auf klein Venedig ist schon ein Highlight.

Blick auf klein Venedig vom Rathaus aus

Die Altenburg: Bambergs höchster Biergarten

Wer etwas mehr Zeit hat, kann noch einen Spaziergang auf den höchsten der sieben Bamberger Hügel unternehmen. Hier steht die Altenburg, eine Fliehburg aus dem 12. Jahrhundert. Später wurde sie auch zu einem Wohnort ausgebaut, an dem zeitweise die Bischöfe Bambergs residierten.

Trivia: in einer Wohnung im Torhaus quartierte sich auch der Schriftsteller E.T.A. Hoffmann immer wieder ein

Eingang zur Altenburg

Heute wird der Innenhof der Burg als Biergarten genutzt – Bambergs höchstem Biergarten. Aber keine Angst, hier droht niemandem die Höhenkrankheit. Man genießt hier sein Bier in mittelalterlicher Atmosphäre auf weniger als 400m über dem Meeresspiegel.

Biergarten in der Altenburg

War noch was?

Auf dem Michelsberg steht ein gleichnamiges Kloster, welches einen Besuch wert sein soll. Allerdings wurde das Gebäude während aller meiner Besuche in Bamberg renoviert, beinahe die gesamte Fassade war von einem Gerüst verschleiert. Doch immerhin hat man vom Michelsberg aus auf dem Benediktinerweg, der in Richtung Domberg führt, einen tollen Blick über einen der Weinberge mit dem Dom im Hintergrund.

Blick vom Michelsberg

Na dann viel Spaß!

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