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Ukhaidir Fortress Irak

Um das Jahr 750 übernahmen die Abbasiden die Vormachtstellung als religiöse und weltliche Oberhäupter der muslimischen Gemeinde. Vom Gebiet des heutigen Irak aus lenkten sie die Geschicke im gesamten mittleren Osten. Mehr als 500 Jahre waren sie unter den Sunniten anerkannte Kalifen. In dieser Zeitspanne ließen sie eine große Zahl beeindruckender Gebäude errichten, um Macht zu festigen und Wohlstand zu demonstrieren.

Und auch wenn das Kalifat der Abbasiden mit der Eroberung Bagdads durch die Mongolen im 13. Jahrhundert beendet wurde, lassen sich noch Heute einige dieser prunkvollen Festungen, Moscheen und Paläste in der Wüste des Irak finden. Ein besonders beeindruckender Bau steht unweit der Pilgerstadt Karbala mitten im Nirgendwo: die Ukhaider Festung.

Ukhaidir Fortress Irak
Ukhaidir Festung bei Karbala

Was liegt wo

Und das kann man hier erleben

Die Ukhaidir Festung

Ukhaidir Fortress Irak
Unterwegs im Ukhaidir Fortress

Ukhaidir wurde im achten Jahrhundert als eine Art Landschloss errichtet und sollte einem Prinzen als Residenz nach seiner Regentschaft dienen. Doch so richtig wie ein wohnlicher Palast wirkt Ukhaidir gar nicht.

Der Bau wirkt eher wie eine Festung. Denn er ist von einer ziemlich imposanten, beinahe 20m hohen massiven Mauer vollständig umgeben, die mit vielen Verteidigungselementen versehen ist. Der untere Teil der Mauer ist verschlossen und es gibt nur wenige Eingange, die durch gut bewachte Tore ins Innere führen. Entlang der Mauer reihen sich in regelmäßigen Abständen halbrunde Turmanbauten als eine Art Bastion. Ein sehr typisches Merkmal der abbasidischen Architektur, wie man es auch an anderen Gebäuden in Baghdad oder Samarra wiederfinden kann.

Ukhaidir Fortress Irak
Das imposante Ukhaidir Fortress

Wir betreten die Festung durch den Haupteingang und befinden uns dann im eigentlichen Palastbereich der Anlage. Denn im Inneren der dicken Mauern gibt es einen großen Hof, auf dem ein weiteres befestigtes Ensemble an Gebäuden steht. Von außen lässt sich selbst aus der Vogelperspektive kaum deuten, was sich darin befinden könnte. Denn auch dieser innere Bereich ist durch eine weitere Mauer geschützt und es gibt kaum Gebäudeteile, die herausragen.

Es macht richtig Spaß, das Innere zu entdecken. Ständig tun sich neue Durchgänge auf, Treppen führen in Zwischenebenen oder sogar in dunkle Keller. Hier kann man sich ganz herrlich verlaufen zwischen Wohnbereichen, Empfangshallen und Moscheen.

Ukhaidir Fortress Irak
Moschee im Palast

Und dann packt uns doch die Neugier, wir wagen uns eine schmale Treppe hinunter, die vermutlich in eines der Kellergewölbe führt. Licht gibt es hier unten keins, es ist stockduster und wir können uns nur mithilfe der Handytaschenlampen fortbewegen. Und dann das: wir müssen plötzlich einen Schwarm Fledermäuse im Keller aufgeschreckt haben. Urplötzlich ziehen hunderte dieser kleinen Tiere mit lautem Getose an uns vorbei. Sie fliegen so dicht, dass wir immer wieder den Windstoß im Gesicht spüren.

Ein kleiner Schreckmoment, eine Szene wie in einem Film, wenn ein alter Schuppen nach Jahren erstmals wieder geöffnet wird. Und vermutlich ist das gar kein abwegiger Vergleich. Denn so viele Touristen sieht die Ukhaidir Festung wohl nicht.

Ukhaidir Fortress Irak
Nicht erschrecken: alles voller Fledermäuse

Unten im Keller liegen dann hunderte Kanonenkugeln. Sie sind bereits mit einer dicken Staubschicht überzogen und ich frage mich, wann und wofür die wohl zuletzt zum Einsatz kamen?

Denn seit dem Niedergang des Kalifats der Abbasiden im 13. Jahrhundert hatte die Festung keinen offiziellen zweck mehr. Über Jahrhunderte stand das Gebäude leer und wurde lediglich von umherziehenden Banditen genutzt, denen die Befestigung als Unterschlupf und Waffenlager gelegen kam. So auch zuletzt durch Rebellengruppen in den instabilen Jahren nach der Invasion der USA nach 2003.

Ukhaidir Fortress Irak
Auf wen damit wohl zuletzt geschossen wurde?

Die vielen Jahre der Vernachlässigung sind für ein derartiges Bauwerk sehr gefährlich. Das Wüstenklima lässt das Mauerwerk austrocknen und porös werden. Die Fassade beginnt zu bröckeln. Dadurch kann letztlich auch Feuchtigkeit ins Innere gelangen und dann Holz und Ziegel zerstören. Auch der hohe Salzgehalt in der Luft setzt der Festung zusätzlich zu.

Erst ab dem 20. Jahrhundert wurde der Wert des architektonischen Erbes verstanden und gab es dann vermehrt Bemühungen, das Bauwerk zu restaurieren. Das eigentlich auch recht erfolgreich. Man erkennt bei genauerem Hinsehen zwar die unterschiede zwischen originalem Mauerwerk und dem Nachbau, es wurde aber ausgesprochen originalgetreu gearbeitet. Das wurde auch von der UNESCO anerkannt, die Ukhaidir als Weltkulturerbe seit 2000 schützt. Die Arbeiten mussten allerdings 2003 aufgrund der Sicherheitslage eingestellt werden und wurden seither nicht wieder aufgenommen.

Ukhaidir Fortress Irak
gut erkennbar: das erneuerte Gemäuer im oberen Teil ist heller

Beim Besuch darf auf keinen Fall ein Spaziergang entlang des Wehrganges im oberen Teil der Außenmauer fehlen. Der Gang ist durchgängig, sodass man die ganze Anlage hier umrunden kann und sich ein hervorragendes Bild aus der Vogelperspektive vom Gelände machen kann.

Der Gang ist ziemlich dunkel, da Licht nur durch die schmalen Schießscharten in der Außenmauer eindringt.

Ukhaidir Fortress Irak
Wehrgang in der Ukhaidir Festung

Und dann entdecke ich auf den Holzbalken ein paar Eulen, die hier ganz in Ruhe sitzen und die Situation beobachten. Ich habe sie beinahe überhaupt nicht erkannt, da sich ihr weiß-braunes Gefieder wirklich sehr gut in die Farbe des alten Lehmgemäuers einpasst. Beeindruckend!

Ukhaidir Fortress Irak
Eine Eule im Wehrgang von Ukhaidir

Beim Erkunden sollte man sich aber immer mal mit etwas Vorsicht bewegen. Zwar lässt sich die Festung zwar im Großen und Ganzen gefahrlos besuchen. Da die Restaurierungen leider nicht abgeschlossen werden konnten, sind einige Decken und Wände weiterhin in einem desolaten Zustand und einsturzgefährdet.

Doch das kleine Risiko lohnt sich, denn vor allem von den Wachtürmen aus ist der Ausblick auf die gesamte Festung einfach wahnsinnig spektakulär. Und das beste ist eben, dass man diese beeindruckende Festung ganz für sich allein hat! Lediglich unser Taxifahrer stolziert mir durch das Foto.

Ukhaidir Fortress Irak
Blick auf den Palastbereich der Festung

Eckdaten

Location: hier

Wie komme ich dorthin: momentan nur mit dem Taxi. Die Festung liegt ca. 50km außerhalb von Karbala. Mit dem Fahrer vorher einen Preis inkl. Wartezeit vor Ort vereinbaren. Ich wurde zu diesem Ausflug eingeladen und kenne daher keinen Preis. Sollte aber für 30-40 USD möglich sein.

Was kostet mich das: 20.000 IQD (ca. 13€) inkl. Schlüssel zur Al Aqiser Kirche.

Dauer des Besuchs: ca. 2h

Wann besuchen: täglich 9h00 – 18h00

Ukhaidir Fortress Irak
Viel ist nicht los beim Eingang zu Ukhaidir

Al Aqiser Kirche

Nur ein paar Autominuten nördlich der Festung steht noch eine weitere Sehenswürdigkeit, die Ruine der Al Aqiser Kirche. Sie wurde im 5. Jahrhundert erbaut und gilt damit als älteste Kirche östlich von Jerusalem. Eigentlich wäre sie somit von großer historischer Relevanz und könnte ein herausragender Ort für Pilger und Touristen gleichermaßen sein. Leider spiegelt sich das nicht im Zustand des Gebäudes wider. Denn die Kirche litt so stark an Erosion, dass sich ihr Grundriss Heute kaum noch erkennen lässt.

Al Aqiser Church Iraq
Die verwitterte Ruine der Al Aqiser Kirche

Man erkennt aber immerhin auch bekannte Elemente in der Bauform der alten Kirche.Vor allem der längliche Saal, der von einer Apsis am Ende begrenzt wird. Hier befand sich vermutlich einst ein Altar.

Ansonsten stehen nur noch rudimentäre Teile der Seitenmauern. Die Häuser der Bewohner in der Umgebung sind bereits vollständig von Wind und Wetter zerstört worden. War ist die Al Aqiser Kirche damit bei weitem nicht so spektakulär wie die Ukhaidir Festung. Wer sich aber schon mal auf den Weg von Karbala in diese Richtung aufmacht, sollte diesen kurzen Umweg aber auf jeden Fall mit einplanen.

Al Aqiser Church Iraq
Al Aqiser Kirche mit Apsis am Ende

Eckdaten

Location: hier

Was kostet mich das: im Eintritt von Ukhaidir inbegriffen.

Dauer des Besuchs: 0h30

Wann besuchen: um das Gelände ist weiträumig ein Zaun gebaut. Das Tor ist verschlossen, den Schlüssel bekommt man auf Nachfrage beim Ticketschalter von der Ukhaidir Festung. Also auch zwischen 9h00 und 18h00.

Al Aqiser Church Iraq
Daren schließt das Tor zur Al Aqiser Kirche auf

Na dann viel Spaß!

Comments:

  • Nina

    24. November 2022

    Die Festung ist wirklich beeindruckend

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