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Karbala Irak Schrein Hussein

Nach dem plötzlichen und unerwarteten Ableben des Propheten Mohammad entbrannte unter den Anhängern der noch jungen islamischen Religionsgemeinschaft ein vehementer Kampf um seine Nachfolge. Eines der bedeutendsten Ereignisse in diesem Konflikt fand in Karbala statt.

Zwar hatte Mohammad Vorkehrungen getroffen und seinen Schwiegersohn Ali als Nachfolger bereits ins Spiel gebracht. Vor allem auch Abu Bakr, der ein treuer Weggefährte des Propheten von Beginn an war, hatte viele Fürsprecher unter den einflussreichen Familienclans der Arabischen Halbinsel. Diese Frage trennte die islamische Gemeinschaft in verschiedene Lager auf. Die zwei größten unter ihnen sind bis Heute die Schiiten und Sunniten.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Pilger auf dem Weg in die Imam-Husain Moschee in Karbala

Unterkunft

Gut & Günstig:

El-Eshaiker Hotel
Günstiges und sauberes Hotel nur ein paar Minuten außerhalb des heiligen Bereiches.

Ca. 20 USD / Nacht für das Doppelzimmer.

Mittlerer Standard:

Dur Kassir Hotel
Ebenfalls gut gelegen direkt am Rand des heiligen Bereichs. Große und saubere Zimmer in einem modernen Hotel.
Ca. 60 USD / Nacht für ein Einzelzimmer bzw 75 USD für ein Doppelzimmer mit Frühstück

Einfach mal gönnen:

Baron Hotel

Schönes Hotel mit tollen Aufenthaltsräumen nur eine kurze Taxifahrt vom Zentrum entfernt. Freunde von mir haben hier übernachtet und ich kam gern her um vernünftigen Kaffee zu trinken. Außerdem gibt es neben dem Hotel auch ein tolles libanesisches Restaurant.

Ca. 100 USD / Nacht für ein Doppelzimmer mit Frühstück

Was liegt wo

Anreise aus Baghdad

In Baghdad muss man zunächst zur Alawi Garage hier.
Die Fahrt nach Karbala dauert 1h und kostet 10.000 IQD (ca. 7€).

Anreise (oder Weiterreise nach) aus Najaf

Die Fahrt nach Najaf dauert ca. 0h45 und kostet 3.000 IQD (ca. 2€).

Tipp: auf dem Weg von Baghdad nach Karbala lässt sich problemlos ein Besuch der antiken Ruinen von Babylon und dem Palast von Saddam Hussein in Hillah einbauen. Mehr darüber gibt es hier zu lesen.

Und das habe ich hier erlebt

Die Schlacht von Karbala

Es konnte kein Konsens über die Nachfolgerschaft gefunden werden. Die Anhänger der Sunniten erklärten Abu Bakr zu ihrem Kalifen, während die Schiiten sich Ali anschlossen. Der Konflikt mündete immer wieder in blutige Auseinandersetzungen. Eine sehr richtungsweisende Schlacht fand um das Jahr 680. n. Chr. in Karbala statt.

Das islamische Reich wurde damals von den sunnitischen Kalifen aus der in Damaskus ansässigen Dynastie der Umayyaden angeführt. Die schiitische Gemeinschaft wurde angeführt von Imam Hussain, dem Enkel des Propheten. Unter ihm schlossen sich die schiitischen Anhänger in Karbala im heutigen Irak zusammen und zogen gegen die Übermacht aus Damaskus in die Schlacht.

Trivia: der Name der religiösen Strömung Schia stammt vom arabischen Begriff „Partei Ali’s“ ab, also den Anhängern des ersten Imam der Schiiten.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Imam-Husain Moschee

Die Schiiten gingen gegen die zahlenmäßig überlegenen Truppen aus Damaskus unter. Beinahe die gesamte Führungsriege inklusive Imam Husain kamen dabei ums Leben. Der Ausgang dieser Kampfhandlung war sicherlich auch für den zukünftigen Einfluss und die Machtstellung der beiden Sekten richtungsweisend. Heute sind über 80% der Muslime weltweit den Sunniten zugehörig. Lediglich in Iran und Irak zählt sich der größere Teil der Bevölkerung zum Schia-Islam.

Der in der Schlacht um Karbala gefallene Imam Husain sowie sein ebenfalls getöteter Bruder Al-Abbas werden bis Heute als Märtyrer im Kampf für die Stellung der Schiiten verehrt. Ihre Grabmale wurden nah beieinander auf einem gemeinsamen Komplex errichtet. Die Schreine gelten als wichtigste religiöse Stätte des Irak.

Trivia: auch innerhalb der beiden großen Strömungen des Islam gibt es noch bedeutende Unterteilungen, die sich teilweise unterordnen oder aber auch aufgrund bestimmter Konflikte abspalten. Zu den sunnitischen Gruppen gehören beispielsweise auch Salafisten oder die puristischen Wahabiten in Saudi Arabien.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Schrein des Imam Husain

Aschura und Arba’in

Der Schlacht von Karbala wird bis Heute von Schiiten auf der ganzen Welt am 10. Tag des ersten Monats im islamischen Kalender gedacht, im Rahmen der sogenannten Aschura. Dieser Feiertag ist einer der bedeutendsten des Schia-Islam und wird auch in einigen deutschen Bundesländern offiziell anerkannt und mit christlichen Feiertagen vor dem Gesetz gleichberechtigt behandelt. Schulkinder, die der islamischen Gemeinschaft angehören, bekommen an diesem Tag in Bremen sogar Schulfrei.

Nach einer Trauerzeit findet 40 Tage nach der Aschura das Gedenkfest Arba’in statt. Dabei kommen Pilger aus aller Welt in die heilige Stadt Karbala, um den gefallenen Märtyrern der Schlacht und insbesondere eben Iman Husain und seinem Bruder Al-Abbas zu gedenken. Viele Pilger starten ihre Pilgerfahrt in der Stadt Najaf am Grabmal des ersten Imams, Ali. Anschließend legen sie die ca. 75km lange Strecke nach Karbala zu Fuß zurück.

Bis zu 20. Millionen Menschen machen jedes Jahr zu diesem Gedenkfest auf den Weg nach Karbala. Damit gilt das Arba’in als größte Zusammenkunft von Menschen weltweit und ist zählt deutlich mehr Besucher als die jährliche Wallfahrt nach Mekka.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Ein geschäftiges Treiben am Grabkomplex in Karbala

Gastfreundschaft und Nächstenliebe

Die Organisation für eine solch große Menschenansammlung ist eine enorme Herausforderung, die vor allem dank der unfassbaren Gastfreundschaft der Iraker gemeistert werden kann. Denn ein großer Teil der Infrastruktur für die Millionen von Pilgern wird von freiwilligen Helfern jedes Jahr vollkommen kostenlos zur verfügung gestellt. Schlafplätze werden in privaten Häusern, öffentlichen Gebäuden organisiert sowie Zelte entlang der Pilgerstrecke aufgestellt. Außerdem wird in großem Stil für viele hungrige Münder gekocht die Menschen mit Trinkwasser versorgt. Ein irres Beispiel für Nächstenliebe, Hingabe und Engagement.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Überfüllte Hallen im Schrein von Imam Husain

Doch auch außerhalb der Gedenkfeiern ist mein Besuch in Karbala ein so umwerfendes und emotionales Erlebnis, welches ich so nicht hätte erwarten können. Ich bin an einem Donnerstag in der Stadt, dem ersten Tag des muslimischen Wochenendes. Hier ist in Karbala am meisten los. Und direkt empfängt mich eine wahnsinnig tolle, mitreißende Atmosphäre.

Nachdem ich im Hotel eingecheckt und mein Gepäck abgeladen habe, versuche ich den heiligen Bereich um die Schreine der Brüder Husain und Al-Abbas zu erkunden. Am frühen Nachmittag ist es hier bereits unheimlich voll und ich bahne mit nur langsam meinen Weg durch die Massen an Familien mit spielenden Kindern und aufgeregt schnatternden Erwachsenen. Plötzlich tippt mir jemand von der Seite auf die Schultern und reicht mir eine Flasche Wasser „Willkommen in Karbala. Hier nimm das, es ist sehr heiß Heute!“. Kaum habe ich mich dafür bedankt, reicht mir bereits eine Frau einen Schokoriegel. Was ist denn hier los, denke ich mir..

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Süßigkeiten in Karbala

Ich komme mit einem jungen Mann an einem der Eingänge zur Moschee von Imam Ali ins Gespräch. Er und seine Freunde seien übers Wochenende extra aus Baghdad angereist, um den Pilgern bei ihrem Besuch der Stadt zu helfen. Sie verteilen freiwillig Getränke in der heißen Nachmittagssonne des irakischen Sommers und helfen älteren Menschen mit Gehbehinderungen bei ihrem Besuch am Schrein des Imam. Wow!

Ringsum den Moscheenkomplex sind vor allem Geschäfte und Restaurants angesiedelt. Auch hier kann ich kaum vorbeilaufen, ohne dass mir einer der freundlichen Iraker den tag verschönert: mit einem willkommenheißenden Lächeln und gratis Baklava.

Als ich mich am anderen Ende des Komplexes vor der Moschee von Al-Abbas mit meinen Freunden Darren und Cynthia treffe, entdecken wir dort eine sehr lange Schlange. Es ist viel los an diesem Tag in Karbala und wir befürchten bereits, es sei einfach zu voll in den Moscheen, sodass die Leute für ihren Besuch lange anstehen müssten. Wir überlegen, ob wir uns ebenfalls ind er Schlange einreihen sollen und fragen sicherheitshalber noch einmal nach. Es stellt sich heraus.. an der Moschee werden für die Besucher gratis Mahlzeiten verteilt, all die Menschen stehen an der Essensausgabe an.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Im Hintergrund: die Schlange an der Essensausgabe

Oh wie schön! denken wir, wohl etwas zu laut. Denn ehe wir uns versehen nimmt uns ein Mann an die Hand, wir sollen ihm doch folgen. Vermuten wir zumindest anhand seiner Gesten, denn Englisch spricht er nicht. Wohin? Wissen wir eigentlich auch nicht so genau. Aber auf meiner Reise durch den Irak (sowie auch die meisten anderen muslimischen Länder im mittleren Osten!) habe ich ein grundlegendes und bedingungsloses Vertrauen in die Menschen bezüglich ihrer guten Absichten aufgebaut. Und meinen beiden Freunden geht es genauso. Also denken wir nicht zweimal nach, bevor wir dem Mann in Richtung Souq hinterherlaufen.

Weit kommen wir nicht, da hält uns noch ein Mann an. Er heißt uns als Gäste in Karbala willkommen. Ihm gehört ein Geschäft für Fruchtsäfte und bevor wir weitergehen möchte er uns noch auf einen Granatapfelsaft einladen. Liebend gern und vielen Dank!

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Freundliche Menschen überall

Weiter geht es schnellen Schrittes durch den Souq, den wir wenige Minuten später am anderen Ende wieder verlassen, wo wir nun vor einem großen Wohnhaus stehen. Mit Google Translate macht uns der Mann klar, dass er uns hier zum Abendessen einladen will. Das hatten wir uns mittlerweile schon beinahe gedacht und kommen der Einladung gern nach. Aber ganz traditionell essen Männer und Frauen hier getrennt, sodass auch unsere kleine Gruppe getrennt wird. Wir checken kurz, ob Cynthia auch in guten Händen ist und machen es uns danach im Wohnzimmer gemütlich.

Ganz klassisch sitzen wir auf einem Teppichboden. Vor uns wird eine Klarsichtfolie ausgerollt, auf der dann die Speisen und Getränke serviert werden. Ein Teller nach dem anderen wird aus der Küche gebracht, wir kommen mit dem Essen kaum hinterher. Es ist ein herrliches und abwechslungsreiches Abendbrot der irakischen Küche und eines der besten Essen auf meinem Trip durch das Land. Hier trinke ich auch zum ersten Mal Nabidh – ein traditionelles Erfrischungsgetränk aus fermentierten Datteln. Natürlich konsumiert bevor die alkoholische Gärung einsetzt.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Abendbrot in Karbala

Nach dem Abendbrot machen wir uns gut gesättigt auf den Rückweg zum Moscheenkomplex, wir wollen uns natürlich auch noch die Schreine aus der Nähe anschauen. In beiden Moscheen ist es auch am Abend noch wahnsinnig voll. Wir scherzen, es sei wie auf einem Rockkonzert und alle wollen ganz vorne zur Bühne.

Doch das Gedränge hat tatsächlich System. Wir lassen uns von der Menschenmasse treiben und gelangen so im gleichmäßigen Schneckentempo immer weiter in Richtung des Grabmals. Die Stimmung ist heiter und immer wieder fängt einer aus der Menge an zu singen. Sofort greifen alle anderen das Lied auf und hunderte singen auf engstem Raum im Chor. Was für eine intensive Stimmung!

Doch nicht nur Freude, sondern auch Ehrfurcht und Hingabe sind überall zu spüren. Die Menschen versuchen mit aller Kraft, das Grabmal zu berühren und zu küssen. Reihenweise geben Leute ihren Emotionen nach und brechen in Tränen aus. So etwas habe ich noch nie gesehen und kann es kaum fassen, das miterleben zu dürfen.

Karbala Imam-Husain Moschee Irak
In der Imam Husain Moschee in Karbala

Der Besuch in Karbala war für mich definitiv einer der beeindruckendsten Tage auf meinem Trip durch den Irak – wenn auch völlig überraschend. Die Atmosphäre war unbeschreiblich schön, die Menschen ausgelassen feiernd. Es hatte beinahe schon Volksfestcharakter, auch wenn es nur ein gewöhnlicher Donnerstag war.

Neben den Schreinen gibt es in der Stadt keine nennenswerten Sehenswürdigkeiten. Der Besuch des heiligen Komplexes ist allerdings so mitnehmend, dass dieses Erlebnis allein definitiv einen Besuch wert ist. Ich fand die Erfahrung einfach sehr mitnehmend und kann den vielen tollen Menschen, die den Besuch so einzigartig gemacht haben, gar nicht genug danken.

Neben Karbala gibt es im Irak auch weitere Grabmale schiitischer Imame. Insgesamt befinden sich im Land sechs der elf Grabmale im Glauben der sogenannten Zwölfer Schiiten. Vier weitere sind in Saudi Arabien begraben und einer in Iran.

  • Imam #1: Ali in Najaf (Imam Ali Moschee)
  • Imam #3: Al-Husain in Karbala (Imam-Husain Schrein)
  • Imam #7: Al-Kazim in Baghdad (Kazimiyya Moschee)
  • Imam #9: Muhammad in Baghdad (Kazimiyya Moschee)
  • Imam #10: Ali an-Naqi in Samarra (Al-Askari Schrein)
  • Imam #11: Al-Askari in Samarra (Al-Askari Schrein)
Karbala Imam-Husain Moschee Irak
Gute Nacht, Karbala

Eckdaten

Location: hier

Was kostet mich das: kostenlos

Dauer des Besuchs: 1 Tag

Wann besuchen: Die Schreine sind Tag und Nacht geöffnet. Am besten Donnerstags anreisen, da ist hier am meisten los

Die Reise geht weiter

Nur wenige Kilometer vor den Toren der Stadt Karbala steht die beeindruckende Festungsanlage Ukhaidir. Sie stammt aus der Zeit der Dynastie der Abbasiden und hat die vergangenen Jahrhunderte erstaunlich gut überstanden. Wer einmal die endlosen Gänge, Säle und Mauern einer Festung als einziger Besucher durchstreifen möchte, der ist in Ukhaidir genau richtig.

Ukhaidir Fortress Irak
Auf dem Innenhof der Ukhaidir Festung

Na dann viel Spaß!

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