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Als ich ein paar Tage in Cochem an der Mosel verbrachte, durfte natürlich ein Ausflug in Deutschlands vermeintlich älteste Stadt nicht fehlen. Trier wurde schon vor mehr als 2.000 Jahren, im Jahr 17 v.Chr., durch die Römer gegründet – damals noch unter dem Namen Augusta Treverorum.

Natürlich muss man mit solchen Superlativen immer vorsichtig sein. Da diese sich prima touristisch vermarkten lassen, wird damit häufig leichtsinnig umgegangen. Doch im Falle von Trier ist das sicher gerechtfertigt, denn es handelt sich um die älteste von den Römern anerkannte bzw. erwähnte Stadt.

Die Porta Nigra

Für mich war es sehr überraschend und spektakulär, hier so weit nördlich der Alpen derart viele römische Bauten zu entdecken. Und nicht nur ich halte das für etwas ganz besonderes; die römischen Baudenkmäler Triers wurden von der UNESCO allesamt als Kulturerbe geschützt und machen einen Besuch in Trier zu einem Spaziergang durch die Geschichte Deutschlands, von der Antike bis zur Moderne. Römische Kaiser haben hier ebenso ihre faszinierenden Spuren hinterlassen wie die mächtigen geistliche Oberhäupter des Bistums Trier, die ihre weltliche Macht gern zur Schau stellten.

Auf dem Weg zum Trierer Dom

Was liegt wo?

Und das habe ich mir in Trier angeschaut

Ich alter Schnäppchenfuchs habe extrem weit außerhalb der Altstadt einen kostenlosen Parkplatz ergattern können. Mental breite ich mich schonmal auf einen längeren Gang durch die Industrie-Vorstadt vor, da stehe ich doch plötzlich direkt auf der ersten Sehenswürdigkeit: der Römerbrücke.

Die Brücke wurde an dieser Stelle ca. ab 140 n.Chr. errichtet und ist damit die älteste noch stehende Brücke Deutschlands. Zwar lagen zu römischen Zeiten ursprünglich Holzplanken als Fahrbahn auf den Steinpfählen. Diese wurde aber im Mittelalter durch eine steinerne Decke ausgewechselt.

Die älteste Brücke Deutschlands

Trivia: eigentlich war zu Kriegszeiten alles bereits vorbereitet, um die Brücke beim Einmarsch der Besatzungstruppen zu sprengen. Es ist wohl einem durch Trümmerteile beschädigten Zündkabel zu verdanken, dass keine Sprengung erfolgte und ich Heute die Mosel über die alte Römerbrücke überqueren konnte.

Die Kaiserthermen

Im 3. Jahrhundert n.Chr. wurde Trier durch Kaiser Konstantin zur Residenzstadt gemacht. Und als solche mussten natürlich auch monumentale Bauwerke her, um ordentlich Eindruck zu schinden. Daher gingen von Trier vor allem aus dieser Zeit viele noch heute bedeutende Baudenkmäler hervor, die zum UNCESCO Kulturerbe der römischen Hinterlassenschaften in Trier zählen.

Die Kaiserthermen in Trier

Eines dieser Bauwerke sind die sogenannten Kaiserthermen, die als größte römische Badeanstalt nördlich der Alpen gelten. Sie wurden wohl nie wirklich fertig gestellt und fanden zwischendurch auch anderweitig Verwendung. Dennoch ist das, was gebaut wurde bzw. was davon erhalten geblieben ist in jedem Fall einen Besuch wert.

Auf dem großen Gelände sticht vor allem das Caldarium hervor, also das Heißbad. Es ist ist über mehrere Ebenen das größte der Gebäude. Es war wohl der massivste Teil der Badeanstalt und wurde daher auch nach der römischen Zeit zu unterschiedlichen Zwecken umfunktioniert. Zunächst als Teil einer Kaserne und der umgebenden Stadtmauer. Später nutzten Bauern, die das Gelände der Thermen zu einer Wohnsiedlung umbauten, die befestigte Anlage des Caldariums als Burg. Im Mittelalter befand sich hier sogar eine Kapelle.

Das Caldarium der Kaiserthermen

Neben dem imposanten Caldarium als Bau in die Höhe lohnt sich auch ein Abstieg in den Untergrund. Es gibt mehrere Zugänge zu den Versorgungsgängen, durch die verschiedene Teile der Therme erreicht werden konnten. Man kann sich gut vorstellen, wie römischen Sklaven hier gemütlich in spätantiken Adiletten herumschlenderten, um die hohen Herren in den Bädern mit Wein zu versorgen.

Unterirdische Gänge der Thermen
Ein schmaler Versorgungsgang

Der unterirdische Spaziergang hat gleich mehrere Schokoladenseiten. Zum einen fühlt es sich beinahe abenteuerlich an, durch das Labyrinth aus verlassenen Gängen zu irren und sich gedanklich beinahe zweitausend Jahre zurückzuversetzen. Der andere Grund ist ein ganz praktischer: denn auf dem Gelände der Kaiserthermen gibt es eigentlich nichts, was Schatten spendet. Wer sich also nach dem Bestaunen des Caldariums vor dem drohenden Sonnenbrand retten will, der flüchtet sich unter Tage.

Ein unterirdisches Bad

Das Amphitheater

Etwas weiter abseits der Innenstadt steht das römische Amphitheater. Es liegt leicht erhaben am Rand eines Berges. Durch die höhere Position konnte es direkt in die Stadtmauer eingebaut werden, sodass man das Angenehme (Spiele) mit dem Nützlichen (Verteidigung) verbinden konnte.

Bis zu 20.000 Zuschauer haben auf den Rängen Platz gefunden, um die Bestseller römischer Unterhaltungskunst zu bestaunen: Mensch gegen Mensch; Mensch gegen Tier; Tier gegen Tier.

Auf den Rängen fanden bis zu 20.000 Zuschauer Platz

Die gesamte Arena ist unterkellert. Hier konnten Accessoires gelagert und Tiere in Käfigen gehalten werden. Auch die Gladiatoren hatten hier ihren Wartebereich, bevor es auf die Bühne ging. Um dorthin zu kommen, gab es ausgeklügelte Fahrstuhlsysteme.

Von denen ist zwar Heute nichts mehr zu sehen, dennoch ist der kurze unterirdische Gang ein ziemlich eindrucksvoller Besuch.

Unter der Arena

Konstantinbasilika & Kurfürstliches Palais

Auf dem Weg zur Innenstadt laufe ich als nächstes durch einen herrlich angelegten Garten. An dessen Ende steht ein wunderschönes rosa Gebäude mit einem aus der Reihe tanzenden Anbau. Hierbei handelt es sich um das Ensemble aus Kurfürstlichem Palais und der Konstantinbasilika.

Das Kurfürstliche Palais mit der Konstantinbasilika im Hintergrund

Der Palais ist die Folge eines auch heute noch bekannten Phänomens: grenzenlose Selbstdarstellung weltlicher Werte. Durch Menschen, die öffentlich Wasser predigen und heimlich ebenfalls öffentlich Wein trinken. Die Erzbischöfe von Trier waren im Spätmittelalter nicht nur geistiges Oberhaupt ihrer Provinz, ihnen wurde ebenfalls die Kurfürstenwürde verliehen. Das bedeutet, dass sie zu der Handvoll Menschen gehörten, die den König des Heiligen Römischen Reiches direkt wählen durften.

Wer so viel weltliche Macht hat, sollte das natürlich auch zur Schau stellen, ganz klar. Und so entstand das Kurfürstliche Palais. Ein Traum in Rosa, dessen wunderschöne Parkanlage mit Wasserspielen und Skulpturen zum Schlendern einlädt.

Trivia: das Palais ist Heute ein Verwaltungsgebäude, daher sind Eintritt und Führungen nur an ausgewählten Tagen möglich. Wann genau das stattfindet kann man hier nachlesen

Die Konstantinbasilika

Die Konstantinbasilika wurde im 4. Jahrhundert als Audienzhalle für die in Trier ansässigen Römischen Kaiser errichtet. Diesem Umstand hat sie auch einen Teil ihres heutigen Namens zu verdanken, denn sie ist nach Kaiser Konstantin dem Großen benannt.

Nach dem Ende der Römerzeit hatten sich die Trierer Bischöfe das Gebäude einverleibt. Und das eigentlich ganz buchstäblich, denn sie bauten die Konstantinbasilika zu großen Teilen zurück und integrierten sie in ihr Kurfürstliches Palais. Erst Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Rad der Geschichte zurück gedreht: das Kurfürstliche Palais wurde teilweise zurückgebaut um die Konstantinbasilika wieder aufzubauen. Heute gehen beide Gebäude fließen ineinander über und bilden ein ungleiches Paar mit belebter Geschichte.

Trivia: den Namen Basilika trägt das Gebäude nur fälschlicherweise. Denn eine Basilika bezeichnet entweder ein dreischiffiges Gebäude, wie es vor allem bei Kirchen häufig der Fall ist. Die Konstantinbasilika ist aber eher eine Hallenkirche. Mitunter wird Basilika auch als Ehrentitel für katholische Kirchen vom Papst ausgesprochen, die Konstantinbasilika wurde aber nie als katholische Kirche genutzt.

Trierer Dom & Liebfrauenkirche

Trierer Dom St. Petrus und Liebfrauenkirche

Kaiser Konstantin hat einige bedeutende Hinterlassenschaften in Trier. Einige davon sind weltlicher Natur aus Stein und Zement und können Heute als Baudenkmäler besichtigt werden. Andere wiederum haben dafür gesorgt, dass das Christentum zur Weltreligion aufsteigen konnte. Denn in den ersten Jahrhunderten nach „Erfindung“ dieser Religion waren Christen im Römischen Reich geächtet und verfolgt. Konstantin egalisierte Christen mit den anderen Bürgern des Reiches. Dadurch wurde die Christliche Kirche zunächst geduldet, bald privilegiert und letztlich sogar zur offiziellen Religion des Reiches.

Das ganze nennt man dann „die Konstantinische Wende“

Blick auf den Westchor mit der barocken Stuckdecke

Und da Konstantin Trier zu seiner Residenzstadt machte ist es auch kaum verwunderlich, dass hier die älteste Bischofskirche Deutschlands steht: der Trierer Dom. Bereits ab 310 n.Chr. wurden die ersten Gebäudeteile errichtet, die in ihren Grundzügen auch heute noch Teil des gewachsenen Domes ist.

Im Verlauf seiner beinahe zweitausendjährigen Geschichte wurden viele Teile des Trierer Doms aufgrund von Geschmackswechseln von Epoche zu Epoche umgestaltet. Auch Zerstörungen nach diversen Konflikten, wie zuletzt dem Zweiten Weltkrieg, sorgten für notwendige Modernisierungen. Daher ist der Baustil des Doms Heute ein stilles Zeugnis der Deutschen Geschichte.

Im Inneren des Doms Teil 2

Und noch etwas macht den Dom zu etwas besonderem. Hier wird der Heilige Rock aufbewahrt. Darunter versteht man nicht etwa eine Musikrichtung mit christlichen Texten. Vielmehr ist es eine der bedeutendsten Reliquien des Christentums. Es ist das Gewand, welches Jesus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Es wird zusammen mit einigen der Kreuznägel im Domschatz aufbewahrt.

Leider ist der Zugang der Öffentlichkeit nur selten gestattet. Vielleicht ja beim nächsten Besuch.

Der Kreuzgang zwischen Trierer Dom und Liebfrauenkirche

Direkt neben dem Dom steht die Liebfrauenkirche. Auch sie bringt weitere Superlative nach Trier, denn die Liebfrauenkirche zählt als älteste Gotische Kirche Deutschlands. Sie wurde ab dem 13. Jahrhundert errichtet als eine Art Liebeserklärung an die Jungfrau Maria – der lieben Frau, deren Namen sie auch trägt. Die Bauherren haben nicht an Symbolen gespart. Beinahe jedes Detail der Kirche ist eine Referenz auf die Mutter Jesu. Lilien stehen für die Jungfräulichkeit der Maria. Gemalte, dornenlose Rosen für ihre Freiheit von Sünde. Die zwölf tragenden Säulen des Bauwerks stehen für die zwölf Apostel.

Für das geübte Auge kirchlicher Symbolik gibt es hier unwahrscheinlich viel zu entdecken. Jedem anderen bleibt immerhin die informative Broschüre, die es am Eingang gibt.

Wie rosig: die Decke der Liebfrauenkirche

Die beiden Sakralbauten sind durch einen wunderschönen Kreuzgang miteinander verbunden, der für sich selbst schon eine Sehenswürdigkeit ist. In den hinteren Bereich verirren sich nur wenige Touristen und man kann durchaus mal Mönch spielen, indem man mit den Hände im jeweils gegenüberliegenden Ärmel verschränkt durch die Arkadengänge stolziert.

Der Kreuzgang

Porta Nigra

Die Porta Nigra in Trier

Die Porta Nigra – zu deutsch „Schwarzes Tor“ – ist ein Stadttor aus römischen Zeiten und das Wahrzeichen Triers. Immerhin ziert es das Wappen des örtlichen Fußballvereins und das will schon was heißen. Und wohl jeder Besucher Triers würde der Porta Nigra attestieren, eines der ältesten Gebäude der Stadt zu sein. Es sieht einfach alt aus, dafür sorgt auch nicht zuletzt der Smog der befahrenen Straße an der das Gebäude aus dem Jahre 170 n.Chr. steht.

Ab dem Hochmittelalter wurde die Porta Nigra zur Kirche erweitert, dem Simeonsstift. Erst 800 Jahre später wurde durch Napoleon Bonaparte der Rückbau der Kirche beauftragt, sodass das ursprüngliche römische Stadttor wieder zum Vorschein kam.

Die Porta Nigra von Trier

Ich fand den Besuch der Porta Nigra vor allem in seine Funktion als Aussichtsturm interessant. Denn man kann über die drei Stockwerte hinaufsteigen und durch die vielen Fenster rundum den Blick über die Innenstadt Triers genießen. Dabei hat mir vor allem die Aussicht die Simeonsstraße hinunter bis hin zum Hauptmarkt mit seinen vielen mittelalterlichen Hausfassaden gefallen.

Die Porta Nigra von Trier

Der Hauptmarkt

Und genau in die Blickrichtung geht es auch als nächstes, zu meiner letzten Station der Altstadt Triers. Der Hauptmarkt ist quasi der zentrale Platz Triers und hier finden sich einige der schönsten Häuser der Stadt. Schon wenige Meter vom Porta Nigra entfernt steht bereits ein Highlight: das Dreikönigenhaus.

Es ist eine Art Wohnturm der ehemaligen Oberschicht und sticht dermaßen zwischen den eher schlichten Nebengebäuden heraus, dass es ein wahrer Blickfang ist. Sehen und vor allem gesehen werden – schon seit jeher ein Erfolgskredo.

Das Dreikönigenhaus

Ein paar Meter weiter stehe ich auch schon wieder am Hauptmarkt und bin umgeben von den schönsten Fassaden der verschiedenen Epochen die die Stadt durchlaufen hat. Die Barocke Kirche, die abgesehen vom Eingangsbereich völlig durch teilweise klassizistische Wohnhäuser umbaut ist. Der Blickfang auf dem Markt ist sicherlich die gotische Steipe, in der Heutzutage der Stadtrat sitzt.

Der Hauptmarkt von Trier
Die wunderschönen Fassaden am Hauptmarkt von Trier mit der Steipe in der Mitte

Auf dem Weg zurück zum Parkplatz komme ich an einem Denkmal einer der bedeutendsten Söhne der Stadt Trier vorbei: dem Geburtshaus von Karl Marx. Einer der Haupttreiber der Arbeiterbewegung und leidenschaftliche Verteufler des Kapitalismus wurde in diesem Haus 1818 geboren.

Natürlich konnte es sich die SPD nicht nehmen lassen, das Gebäude zu erwerben und dem Held der Arbeit hier ein Museum aufzubauen. Auch Erich Honecker kam zu Besuch und legte als Zeichen seiner Ehrerbietung einen Kranz nieder.

Das Geburtshaus von Karl Marx

Aussichtspunkt Mariensäule

Bevor ich zurück in mein Hotel nach Cochem fahre, mache ich mit dem Auto noch einen kurzen Abstecher auf das der Altstadt gegenüberliegende Moselufer. Eine kurze Fahrt bergauf bringt mich zur Mariensäule. Abgesehen davon, dass das Denkmal der Mutter Jesu gewidmet ist, bietet die Plattform einen herrlichen Ausblick auf die Trierer Altstadt, das bergige Land und den Verlauf der Mosel.

Ein letztes mal versuche ich meinen Spaziergang Revue passieren zu lassen und die wichtigsten Bauwerke wiederzuentdecken. Für mich ein schöner Abschluss eines wunderbaren Tagesausflugs in Deutschlands älteste Stadt.

Blick über Altstadt und Mosel von der Mariensäule aus
Blick auf den Trierer Dom, die Liebfrauenkirche und die Konstantinbasilika

Na dann viel Spaß!

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