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Taschkent ist Usbekistans Hauptstadt und liegt nahe der kasachischen Grenze weit im Osten des Landes. Mit etwa 2 Millionen Einwohnern ist sie auch die um ein Vielfaches größte Stadt Usbekistans.

Für die meisten Touristen ist Taschkent eher ein praktischer Ort zur Ein- und Ausreise, da der internationale Flughafen viele gute und günstige Verbindungen bietet. Nach der Ankunft geht es dann schnell weiter in die historischen Städte, die in der Vergangenheit wichtige Handelsposten entlang der Seidenstraße waren. Und eigentlich kann man das auch keinem verübeln, denn was es in Samarkand und Co. zu sehen gibt ist einfach unbeschreiblich schön.

Doch auch Taschkent ist so vieles mehr als nur der internationale Flughafen und bietet einen großen Kontrast zu den von islamischer Kultur geprägten Städten in der Wüste. Denn Taschkent wurde nach einem schweren Erdbeeben zu Zeiten der sowjetischen Besetzung nach deren Vorbild wiederaufgebaut: kunstvoll gegossene Betonfassaden voll Symmetrie und Schnörkel, allerhand Mahn- und Denkmäler sowie eine Vielzahl schön angelegter Parks sorgen für einen tollen Einstieg in die Reise.

Trivia: der Name Taschkent bedeutet im Usbekischen soviel wie „Steinstadt“.

Wiederkehrende Muster sind die Handschrift sozialistischer Baukunst

Was liegt wo

Meine Unterkunft: Art Hostel

Das Hostel liegt direkt außerhalb des Straßenringes, der die spannende Innenstadt umgibt. Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt kommt man entspannt mit der Metro, eine der schönsten Stationen Kosmonavtlar liegt direkt um die Ecke.

Mir hat das Personal auch bereits vor meiner Ankunft geholfen, Tickets für den Zug nach Samarkand zu bekommen. Das war wirklich super, denn Tickets für das Schienennetz sind rasch ausverkauft und mitunter nicht so einfach zu bekommen.

Im Hostel selbst kann man prima entspannen – große Couch im Wohnzimmer, ganztags Tee und Kaffee frei Haus und im Garten steht ein Pool. Noch Fragen?

Das sind meine Highlights aus Taschkent

Amir-Timur Platz

Die Stadtplaner von Taschkent haben sehr viel Wert darauf gelegt, die Stadt nicht gedrungen wirken zu lassen. Daher sucht man auch im Zentrum vergeblich nach engen Gassen oder tiefen Häuserschluchten.

Stattdessen steht hier mit dem Amir-Timur Platz eine kleine, grüne Oase. Umringt von einem x-spurigen Kreisverkehr, der wirklich absolut überhaupt nicht befahren ist, steht hier eine wunderschöne Parkanlage.

Denn wer in einem Wüstenstaat lebt, der schätzt sie wahrlich: Blumenrabatten. So weit das Auge reicht. Verschiedene Wasserspiele und schattenspendende Bäume runden das Bild ab.

Das Wahrzeichen Tashkents: Hotel Uzbekistan

Auch ich mache nach meinem Nachtflug erstmal einen ausgiebigen Mittagsschlaf in dem Park mit Ausblick auf Taschkents Wahrzeichen: das Hotel Uzbekistan. Es war einmal der Stolz der sowjetischen Beherbergungsbetriebe mit allem Schnickschnack, den die kommunistische Welt zu bieten hatte. Für das Hotel ist aber die Zeit stehen geblieben, die Einrichtung abgelebt. Wahrscheinlich aber trotzdem einen Besuch wert, für ein finanziell besser aufgestelltes nächstes Mal.

Im Park steht eine Reiterskulptur des Amir-Timur, dem Begründer der Dynastie der gleichnamigen Timuriden. Er gilt als der mächtigste Herrscher der usbekischen Geschichte.

Die Reiterstatue des Amir Timur

Wer mehr über das Reich der Timuriden und die großen kulturellen Errungenschaften der usbekischen Geschichte erfahren will, begibt sich auf die Nordseite des Kreisverkehrs. Hier steht das Amir Timur Museum. Wer noch weiter durch Usbekistan und vor allem nach Samarkand und Bukhara reist, der kann sich das Museum eigentlich sparen. Wer aber nur auf der Durchreise in Taschkent ist, sollte den Besuch aber fest einplanen.

Das Amir Timur Museum

Der Unabhängigkeitsplatz und Ankhor Park

Denkmal auf dem Unabhängigkeitsplatz

Anschließend geht es etwa einen Kilometer westwärts zum Unabhängigkeitsplatz. Eigentlich wurde hier nach der gewaltsamen Eingliederung Usbekistans in die Sowjetunion der Lenin-Platz errichtet und eine große Lenin-Statue zierte sein Zentrum.

Nach dem Fall der Union und der Unabhängigkeit vom kalten, roten Norden wurde der Platz zur Feier der Unabhängigkeit umgestaltet. Die Leninstatue wich dem Denkmal der Unabhängigkeit. Es zeigt eine Mutter, die ein Kind wohlgehütet in den Armen hält. Dabei steht die Mutter für das liebevolle Heimatland Usbekistan und das Kind für die Zukunft des Volkes. Herzergreifend.

Das Unabhängigkeitsdenkmal

Ein kurzer Abstecher auf die andere Straßenseite bringt mich zum Staatlichen Museum der Geschichte Usbekistans. Es wurde leider zu dem Zeitpunkt renoviert und war daher für Besucher gesperrt – der Eintritt soll sich aber lohnen.

Nichtsdestotrotz gefällt mir die Symmetrie der Beton-Dekorelemente an der Gebäudefassade. Sozialistischer Brutalismus bringt ja auch mal echte Perlen der Architektur hervor – und die Hauptstädte Zentralasiens haben davon jede Menge wunderbare Beispiele.

Staatliches Museum der Geschichte Usbekistans

Da die Türen des Museums verschlossen sind, laufe ich durch den am Nordrand des Unabhängigkeitsplatzes liegenden Ankhor Park. Er ist wirklich schön angelegt mit symmetrischen Pflanzen-Ensembles und einer Vielzahl an Denkmälern und Statuen.

Das beeindruckendste Denkmal ist das der trauernden Mutter. Es gedenkt der Opfer des zweiten Weltkrieges – in dem beinahe 10% der Bevölkerung Usbekistans ihr Leben ließen. Doch feiert man hier nicht vorrangig den Sieg des Militärs über das böse Europa. Stattdessen soll man beim täglichen Spaziergang durch den Park über das Bild der trauernden Mutter nachdenken und so den Frieden Ehren.

Eine viel schönere Vorstellung, als unnötige Militärparaden.

Das Denkmal der Trauernden Mutter

Weiter entlang des Parks kommt man zum Turkistan Palast – ein weiteres Beispiel der typischen Architektur ehemaliger Sowjetrepubliken. Mittlerweile gibt es hier eine Kunsthalle.

Die Turkistan Konzerthalle

Nur wenige Meter weiter wartet bereits die nächste Zurschaustellung der Herrlichkeit Sowjetischer Helden: das Museum des Olympischen Ruhmes. Sport wurde in der Sowjetunion immer groß geschrieben und der Geist scheint bis Heute erhalten. Was genau im Museum ausgestellt ist weiß ich nicht – ich erfreue mich wieder nur an der schönen Fassade.

Das Olympische Museum

Nahe des Olympischen Museums steht ein weiteres, ausgesprochen wichtiges Denkmal der Geschichte Taschkents. 1966 kam es zu einem verheerenden Erdbeben, dessen Epizentrum unter der Stadt lag. Dabei wurde praktisch alles, also jedes Gebäude der Stadt zerstört. Nicht nur einzelne Stadteile. Einfach alle. Wie durch ein Wunder kamen allerdings nur acht Menschen ums Leben.

Daraus erklärt sich sicherlich auch, warum meine Liste der Sehenswürdigkeiten Taschkents in erster Linie Gebäude der sozialistischen Moderne führt. Nur falls sich bereits jemand darüber gewundert hatte.

Denkmal für die Opfer des Erdbebens von 1966

Die Taschkent Metro

Metro? Ist das nicht so etwas wie eine U-Bahn?

Ja, richtig. Und was fürn eine. Taschkent verfügt nicht nur über das erste U-Bahn Netz Zentralasiens – sondern vermutlich auch über das schönste. Denn für den Bau wurden unter anderen auch Architekten aus Russland zugezogen, die die Bahnhöfe nach Moskauer Vorbild eben auch prunkvoll dekorieren ließen.

Eröffnet wurde das Schienennetz 1977 und es wird bis Heute erweitert. Dabei ist jeder Bahnhof individuell gestaltet und befasst sich mit einem anderen Thema, wie etwa die Würdigung von Künstlern, Geschichten über historische Figuren oder das Raumfahrtprogramm der Sowjetunion.

Trivia: Metro und U-Bahn bezeichnen im ursprünglichen Sinn das gleiche – eine unterirdisch geführte Eisenbahn.. Die weltweit erste wurde 1863 in London in Betrieb genommen und hieß Metropolitan. Der Name setzte sich auch in anderen Sprachen durch und so werden auch Heute noch Untergrundbahnen weltweit auch mit dem Kürzel Metro bezeichnet.

Metro Stationen in Taschkent sind ein echter Hingucker

Der Bau der Bahnhöfe begann nur kurz nach dem verheerenden Erdbeben, welches die Stadt Taschkent beinahe auslöschte. Daher wurden alle auch so konzipiert, einem Beben der Stärke 9 standhalten zu können. Die Bahnhöfe sind also auch als Schutzbunker für die Bevölkerung vorgesehen

Ein bekanntes Konzept, denn viele Metrostationen, die während des Kalten Krieges in der Sowjetunion errichtet wurden, sollten auch als Luftschutzbunker genutzt werden.

Trivia: Aufgrund der militärischen Relevanz als Schutzraum in Not- und Konfliktsituationen war das Fotografieren in der Metro von Taschkent lange Zeit verboten. Seit 2018 ist das allerdings erlaubt.

Pakhtakor: Rote Linie (Knotenpunkt mit Blauer Linie)

Paktakor Station

Die Wände sind mit detaillierten Mosaiken dekoriert. Sie sollen blühende Baumwollzeige darstellen – einer der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes. Und auch einer der fatalsten, denn natürlich ist ein Wüstenstaat wie Usbekistan kein optimaler Anbauort für solcherlei Großkulturen. Baumwolle ist der Hauptgrund für das rasche Austrocknen des Aralsees.

Die Paxtakor Station

Mustakillik Maydoni: Rote Linie

Mustakillik Maydoni (Unabhängigkeitsplatz)

Die Metrostation zum Unabhängigkeitsplatz wirkt auf mich besonders edel. Die Stuckdecke mit ihren Symmetrischen Mustern und Kronleuchter auf der gesamten Länge ziehen die Blicke auf sich. Die achteckigen Säulen sowie die Wände sind mit Marmor behangen.

Alisher Navoi: Blaue Linie (Knotenpunkt mit Roter Linie)

Alisher Navoi

Hier trifft die Vorstellung zum Bau sowjetischer Metrostationen auf islamisches Design. Denn die Säulen und Wände tragen eine Art von Kuppeln, die wunderschön dekoriert sind. Das ganze erinnert mich an eine Moschee. Wirklich eine der schönsten Stationen!

Tashkent: Blaue Linie

Tashkent Station

Die nach der Stadt benannte Station feiert auch genau das, was man erwartet: die Stadt Taschkent. Oder vielmehr ihr 2.200 jähriges Bestehen als Siedlungsgebiet. Mit dem Relief im Eingangsbereich wird Taschkent als Stadt des Friedens und der Freundschaft gepriesen.

Kosmonavtlar: Blaue Linie

Kosmonavtla Station

Definitiv die faszinierendste aller Metrostationen in Taschkent. Das Thema hier ist ganz klar das Sowjetische Raumfahrtprogramm. Der Verlauf der dunklen Blautöne an den U-Bahneinfahrten erinnert an die abnehmende Atmosphäre, wenn Raumschiffe die Erde verlassen. Die Säulen reflektieren dezent das Licht, das Funkeln wirkt wie Sternenstaub.

An den Wänden sind aus Keramik gefertigte Medaillen eingefasst, die an wichtige Kosmonauten erinnern. Darunter Juri Gagarin – der erste Mensch im All und Walentina Tereschkowa – die erste Frau im All.

Gedenktafeln für die Helden der sowjetischen Raumfahrt

Trivia: Kosmonaut und Astronaut meint das gleiche – jedoch ist Kosmonaut von der russischen Weltraumorganisation geprägt, während Astronauten durch die NASA benannt wurden.

Der Chorsu Basar

Chorsu Basar

Etwas weiter im Westen der Stadt steht ein Gebäude wie ein Ufo aus einem klassischen Alien Film. Darin verbergen sich aber kaum extraterrestrische Wesen, sondern vielmehr lokale Produkte. Denn der Kuppelbau ist der Chorsu Basar, einer der ältesten Märkte Zentralasiens. Über viele Jahrhunderte lag er entlang wichtiger Streckenabschnitte der Seidenstraße und war somit ein bedeutender Umschlagpunkt für Waren aus aller (damals bekannten-) Welt.

Einer der ältesten Markte: davon sieht man heute nichts mehr

Von der langen Tradition der Markthalle ist Heute leider nicht mehr viel zu sehen, denn Kriege und vor allem Erdbeben haben auch hier ihre Spuren hinterlassen. Das heutige Gebäude wurde ebenfalls nach dem schweren Erdbeben nach 1966 errichtet.

Trotzdem schlendere ich gern über Basare und außerdem suche ich noch Verpflegung für meine weitere Reise. Daher kaufe ich hier kiloweise getrocknete Aprikosen und Mandeln. Unvergleichbar wertvolle Snacks in der usbekischen Hitze!

"Eier, wir brauchen Eier" - O. Kahn.

Das Internationale Plov Zentrum

Letzte Handgriffe bis das Essen fertig ist

Plov bzw. Pilaw ist ein Reisgericht, welches es in ähnlicher Form in großen Teilen des Orients gibt. Und das zu Genüge, denn diesen in Brühe gekochten Reis mit Fleischbeilage gibt es in Usbekistan wirklich überall. Manch einem hängt das schnell zum Halse raus, ich habe das Gericht allerdings auf meiner Reise sehr lieb gewonnen.

Und das Internationale Plov Zentrum nördlich der Innenstadt von Taschkent ist ein beeindruckender Ort für einen ersten Versuch. Täglich werden hier früh am Morgen in riesigen Pfannen Fleisch und Knochen ausgelassen um so eine aromatische Brühe herzustellen. Anschließend wird zentnerweise Reis darin gekocht. Als Topping gibt es dann Rosinen und Eier.

Doch nicht nur die riesigen Mengen sind spektakulär, es war auch das beste Plov meiner Reise.

Und es ist angerichtet!

Na dann viel Spaß!

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