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Geld getauscht, SIM Karte gekauft und die Zahlen von eins bis zehn gelernt. Mein Aufenthalt in Teheran war schonmal ein voller Erfolg. Jetzt wurde es aber Zeit für das atemberaubende Persien für das ich hergekommen bin.

Also auf in die Wüste. Auf in die Geschichte. Auf nach Kashan!

Nur wenige Stunden in einem überhaupt nicht überfüllten Reisebus südlich von Teheran liegt umgeben von der Maranjab Wüste die kleine Stadt Kashan. Zwar befindet sich die Stadt mitten auf der Haupt-Touristenroute auf halbem Wege zwischen Teheran und Isfahan. Doch die meisten Reisenden sind wohl so voller Vorfreude auf Isfahans bekannte Shah Moschee, dass sie an Kashan einfach vorbeifahren.

Schade! Denn die ganze Altstadt ist ein großes Freilichtmuseum aus prunkvollen Herrenhäusern, Wasserspielen und Granatäpfelgärten, die genau so aus tausendundeiner Nacht stammen könnten.

Was liegt wo

Meine Unterkunft: Manouchehri Boutique Hotel

Das Manouchehri Boutique Hotel am späten Abend. Ein Traum!

Einst der Hof einer wohlhabenden Familie aus der Zeit der Safawiden, wurde das Manouchehri Haus mittlerweile in ein Hotel umgewandelt. Und zwar zum ersten Boutique Hotel des Iran. Zeitgleich wird das Haus aber auch seiner Funktion als historisches Monument gerecht. Die Zimmer verteilen sich auf mehrere Höfe, einer schöner als der Andere mit kleinen Pools und Gärten. Eine alte Zisterne des Hofes wurde in ein Filmtheater umgebaut und es gibt sogar ein eigenes kleines Museum.

Im Café des Hotels wird mir sogar ein angenehm fruchtiger Kaffee in der Chemex zubereitet. Ich kann das Hotel gar nicht genug empfehlen! Hier fühle ich mich genau dort angekommen, wo ich hin wollte.

Und da das Hotel seine Preise in Rial angibt und ich auf dem Schwarzmarkt einen guten Kurs bekommen habe, kostet mich die Nacht nur schlappe 30€!

Gibt es einen schöneren Ort, um einen Fitzek zu lesen? Ich denke nicht!

Und das habe ich in Kashan gemacht

Der Bazar

Der Bazar von Kashan

Inmitten der historischen Altstadt steht der Bazar von Kashan. Die Ursprünge des Gebäudes sind beinahe 1000 Jahre alt und ist im Laufe der Jahrhunderte unentwegt erweitert worden. Somit handelt es sich hier um einen der ältesten durchgehend genutzten Großmärkte der Welt!

Mit einem Safran-Eis in der Hand schlendere am Nachmittag über den Markt und verirre mich in dem Labyrinth aus endlosen Gängen, Moscheen und Caravanserais.

Besonders faszinierend finde ich die Deckenkonstruktion des Bazars. Diese sind gewölbt und die Kuppeln haben eine Öffnung. So kommt nicht nur Licht in die dunklen Hallen. Der entstehende Kamineffekt sorgt dafür, dass die Warme Luft durch die Öffnungen nach außen abgegeben wird. Gleichzeitig wird frische Luft durch die Eingänge zum Bazar angesogen und es entsteht eine angenehme kühlende Brise.

Außerdem sind insbesondere die großen Hallen reich verziert und lassen die antike Shoppingmall absolut authentisch wirken.

Die dekorierten Decken in den großen Hallen des Bazars

Hier kann man natürlich auch prima entspannen nach einem Tag harter Arbeit in Persiens brütender Hitze.

Kurze Augenfplege

Ein weiteres Highlight ist ein Spaziergang auf dem Dach des Bazars. Doch hier ist Vorsicht geboten. Denn so authentisch der Bazar auch ist, so wenig wurde er eben nach modernen Maßstäben renoviert und statisch aufbereitet. Daher ist der Zugang zum Dach eigentlich auch versperrt. Doch nachdem ich an einem Stand schon mein zweites Eis hole und mit dem Verkäufer ins Gespräch komme, bietet er mir an, mir den Weg zu zeigen. Gegen einen kleinen Obolus natürlich – ist aber kein Problem.

Und was soll ich sagen außer: wow!

Was für ein spannender Einblick in ein mehr als tausendjähriges Gebäude und seine chaotisch gewachsene Struktur. Erst vom Dach aus kann ich die Dimension des Bazars wirklich fassen.

Der Blick vom Dach des Bazars in Kashan
Das Dach des Bazars in Kashan

Tipp: in der Mittagshitze von 12-17 Uhr ist der Bazar geschlossen und man kann den Komplex relativ allein und entspannt für sich entdecken. Zu der Zeit hat man fernab des Trubels auch die besten Chancen, auf das Dach gelassen zu werden.

Die traditionelle Textilindustrie

Kashan ist vor allem für ein Produkt im Iran bekannt: seine Stoffe. Die Stadt hat die bedeutendste Textilindustrie des Landes und hier wird Wolle aus dem ganzen Land gesponnen und gefärbt. Und das nicht etwa hochmechanisiert wie man es aus diversen Beiträgen deutscher Wissensmagazinen kennt.

Während ich durch die Gassen schlendere laden mich freundliche Textilarbeiter ein, mit ihnen Tee zu trinken und sie bei der Arbeit zu beobachten. Und so reicht mir ein Mann mit bis zur Schulter rot gefärbten Armen meine Tasse Tee. Denn hier wird die Wolle noch von Hand in uralte steinerne Becken getaucht um die Stoffe zu färben – und das hinterlässt eben Spuren.

Auf einen Tee in der Textilfärberei
Hellblau
Rot
Oder doch lieber Dunkelblau?

Getrocknet wird die Wolle ganz einfach im Außenbereich des Bazars. Und auch das ist der Iran: einen Zaun gibt es nicht, denn hier klaut keiner was! Und es hat auch niemand Angst, bestohlen zu werden. Kann man sich das in Deutschland auch vorstellen?

Ein großer Teil der persischen Teppiche wird aus der Wolle aus Kashan gefertigt.

Wolle trocknet zwischen den Fluren des Bazars

Die Agha Bozorg Moschee

Die Agha Bozorg Moschee auf der oberen Ebene, mit ihrer Medresse im Untergeschoss

Ich mag die Moscheen in diesem Land. Sie alle haben einen sehr markanten jedoch immer individualisierten Stil. Vor allem habe ich immer das Gefühl, dass neben der imposanten Konstruktion vor allem Wert darauf gelegt wurde, sie zu einer gemütlichen Oase zu gestalten. Die Menschen sollen gern hierher kommen und sich hier auch außerhalb der Gebetszeiten aufhalten. Sie sollen über die reichhaltige Dekoration staunen und sich in den gut gepflegten Gärten entspannen.

Kleine Führung gefällig?

Und genau so ist es auch in der Agha Bozorg Moschee. Viele Gruppen Jugendlicher oder Familien sitzen hier wie dort in einer der schattigen Ecken. Es wird ein Picknick aufgebaut und es wird gespielt. Und auch ich setze mich um den Tag beim Gesang des Muezzin ausklingen zu lassen.

Entspannt den Abend ausklingen lassen

Die Herrenhäuser von Kashan

Das Borujerdi Haus

Die wohlhabenden Familien der Region haben über die Jahrhunderte viele ihrer Behausungen zu pompösen Wohnkomplexen ausgebaut. Diese sind in der Regel von außen unscheinbar, ja kaum erkennbar, um keine unnötige Aufmerksamkeit etwaiger ortsfremder Diebe auf sich zu ziehen.

Doch hat man die schweren Holztüren erst einmal geöffnet, fühlt man sich fast wie in einem Palast. Das Wasser plätschert im Brunnen wie es für Persien so typisch ist. Im Garten stehen die Granatäpfel kurz vor der Reife. Kristalle funkeln von der Decke und die Sonnenstrahlen malen durch die bunten Fenster Bilder auf dem Boden.

Einige dieser mittlerweile nicht mehr bewohnten Häuser können Heute besichtigt werden. Das schönste der Häuser ist gleichzeitig mein Hotel und ich kann kaum genug betonen, wie froh ich darüber bin: Das Manouchehri Boutique Hotel. Auch wer nicht selbst in dem Hotel übernachtet, kann den großen öffentlichen Teil und ein kleines Museum besuchen.

Mein Hotel - das Manouchehri Haus ist eines der schönsten der Stadt

Unweit meines Hotels befinden sich gleich zwei weitere begehbare Häuser. Das erste etwas kleinere ist das Borujerdi, welches vor allem einen schönen Innenhof hat.

Ein Baghdir sorgt trotz der ständigen Sonne für gekühlte Räume

Anschließend schaue ich mir noch das Tabatabai Haus an. Es ist neben meinem Hotel eines der größten und schönsten der Stadt. Hier kann man Stunden damit verbringen, die vielen Höfe, Wohnzimmer und Kellergewölbe zu erkunden. Es ist auch eines der wenigen Häuser in denen man sich noch direkt unter einen Baghdir, also einen Windturm, stellen kann um deren verblüffend effiziente Frischluftzufuhr zu erleben.

Der Hof des Tabatabei Hauses. Leider führen die Brunnen gerade kein Wasser.

Das Bad des Sultan Amir

Der Weg ins Hamam im Sultan Amir Badehaus

Nicht nur die Finnen schwitzen gern in warmen Räumen mit hoher Luftfeuchtigkeit. Auch im Orient zählen Badehäuser seit jeher zur Infrastruktur attraktiver Städte. Und viele sind auch Heute noch aktiv.

Eines der historischen Bäder ist das des des Sultan Amir aus dem 17. Jahrhundert. Es besteht im Wesentlichen aus einem Umkleidebereich und mehreren beheizten Baderäumen.

Der Umkleidebereich des Bades

Außerdem kann man auch auf das Dach laufen und sich von hier die für Wüstenregionen typischen Kuppelbaueten, in die konvexe Glasabdeckungen eingelassen sind, aus der Nähe angucken. Es wirkt ein wenig wie aus einer anderen Welt.

Das Kuppeldach des Sultan Amir Badehauses

Der Schrein des Hilal ibn Ali

Der große Hof des Schreins

Hilal wer? Hilal ibn Ali. Ur-Großenkel des Mohammad. Ja richtig, des Propheten Mohammad. Ein direkter Nachfahre der zentralen Figur des Islam findet hier in einem Schrein seine letzte Ruhestätte und der sakrale Komplex kurz vor den Toren der Stadt Kashan wird somit zu einem Pilgerort der schon aus gesetzlichen Gründen gläubigen Iraner.

Der Vorplatz zum Schrein ist einer der eindrucksvollsten des Iran. Eine reihe türkiser Minarette säumt den Platz von allein Seiten und aus der Ferne funkelt einen bereits der Eingang zum Grabmal an.

Das Innere ist typisch muslimisch sehr prunkvoll gestaltet und es sind überall Teppiche ausgelegt, sodass die Pilger ihrem Gebet nachgehen können.

Decke und Kronleuchter in einer der Gebetshallen
Eine weitere Gebetshalle

Im Übrigen ist der Schrein dem Islam so heilig, dass alle Besucherinnen einen dieser abgefahrenen Chadors tragen müssen – ein Umhang in schwarzer Farbe, der lediglich das Gesicht unverhüllt lässt.

Ein schwarzer Chador. Könnte mir bei dem Wetter kaum ein angenehmeres Outfit vorstellen

Etwas Licht ins Dunkel islamischer Kopfbedeckungen:

Hijab – bei uns als Kopftuch bekannt und die wohl am häufigsten gesehene Form der Verschleierung in westlichen Ländern. Das Tuch bedeckt sowohl den Hals, als auch die Haare, nicht aber das Gesicht. Häufig sind die Tücher bunt und mit auffälligen Mustern versehen. Muslimische Frauen kompensieren damit gern das verdeckte Styling der Haare.

Niqab – Hierbei handelt es sich ebenfalls um einen um den Kopf gebundenen Schal, der jedoch auch das Gesicht bis auf die Augen bedeckt. Anders als der Hijab ist das Niqab in der Regel schlicht schwarz.

Burqa – Ein körperlanges Kleidungsstück welches das Antlitz der Frau von Kopf bis Fuß verdeckt. Auch das Gesicht ist verdeckt, die Augen verbergen sich meist hinter einem Stoffgitter. In Deutschland ist der Begriff vor allem durch die Kontroversen um den Burqini bekannt geworden.

Chador – das abgefahrene schwarze Kleidungsstück, welches auf dem Bild weiter oben zu sehen ist. Es handelt sich hier im Prinzip um ein großes Tuch, welches beim Laufen unterhalb des Halses zugehalten werden muss. Dafür ist allerdings das Gesicht frei.
Der Chador wird in erster Linie im Iran getragen und ist meist schwarz. Im Süden des Landes naher der Stadt Isfahan gibt es allerdings auch Siedlungen, die traditionell weiße Chadors tragen.

Im Iran ist das Tragen einer Kopfbedeckung Pflicht für alle Frauen – auch für Touristinnen. Dabei fällt die Wahl mit Abstand am Häufigsten auf den Hijab.

Trivia: Im Iran ist das Tragen einer Kopfbedeckung Pflicht für alle Frauen – auch für Touristinnen. Dabei fällt die Wahl mit Abstand am Häufigsten auf den Hijab. Doch vor allem die jüngeren Iranerinnen tragen diesen nicht aus Überzeugung. Im stillen Protest liegt der Hijab meist nur locker auf einem Dutt am Hinterkopf. Für des westliche Lebensgefühl schminken Iranerinnen ihre Gesichter häufig besonders markant um die Aufmerksamkeit des Betrachters weiter vom Hijab abzubringen.

Ausflug in die Maranjab Wüste

Eine Gang Kamele macht die Gegend unsicher

Schon bei der Ankunft in Kashan habe ich mir an der Bushaltestelle einen Taxifahrer organisiert. Nun ja, eigentlich hat er sich eher mich als Fahrgast organisiert. Noch während ich ihm klarmachte, dass ich das kurze Stück zum Hotel laufen könnte, hatte er mir ganz dezent seine Nummer aufgeschwatzt. Ich solle mich melden, falls ich mal vor die Tore der Stadt wollte. Und das tat ich. Für den überschaubaren Preis von nur 20€ ging es für einen halben Tag in die Maranjab Wüste, die nur etwa eine Autostunde von Kashan entfernt liegt.

Einige einsame Wüstenschiffe durchstreifen die karge Landschaft

Auf dem Weg halten wir noch rasch bei einem Kiosk an, und nach wenigen Augenblicken kommt mein Fahrer freudestrahlend mit einer Wassermelone in der Hand wieder zum Taxi zurück. Noch weiß ich nicht, dass die Melone noch zum Star des Tages werden sollte.

Ein Vorwegweiser bereitet uns auf die baldige Ankunft in der Maranjab Wüste vor. Das Taxi ist kein neumodischer SUV und hat auch keinen Allradantrieb. Ob wir damit in der Wüste voran kommen?

Um unsere Chancen zu verbessern lassen wir etwas Luft von den Reifen. Die Umbaupause ist auch ein prima Gelegenheit die Melone zu verputzen. Doch ja nicht die Schalen wegwerfen!

Kurzer Boxenstop um das Auto auf den Wüstensand vorzubereiten

Bald kommen wir an einem Caravanserai vorbei. Mitten in der Wüste, mitten im Nichts. Genau 1.000 soll es davon mal gegeben haben, die der Shah im ganzen Land errichten ließ. Durch diese Hostels für vorbeiziehende Karawanen sollte der Handel auf der Seidenstraße einfacher und vor allem sicherer gemacht werden.

Viele dieser alten Herbergen sind dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Doch einige, so wie diese hier, werden aufwendig wieder aufbereitet und auch in der Moderne weiterhin als Hotel im Stile der alten Seidenstraße genutzt. Besser kann man in der Wüste sicher nicht übernachten!

Eines der ehemals Tausend Caravanserais des alten Persiens

Unweit des Caravanserais dominieren große Sanddünen den Horizont. Wir fahren ganz nah ran und ich kann mich beim erklimmen der Dünen ordentlich austoben. Denn der Weg nach oben ist steinig und schwer.

Der feine lose Sand rinnt mir mit jedem Schritt unter den Füßen weg und man kommt somit kaum voran. Jeder Schritt ist nicht nur anstrengend, sondern auch schmerzhaft. Meine Sneaker haben tolle Luftlöcher an den Seiten, die mir als Feature verkauft wurden: man schwitze wohl weniger. Doch jetzt fließt hier der heiße Wüstensand in meine Schuhe und ich habe meine liebe Mühe, mich mit schmerzverzerrtem Gesicht auf mein Ziel zu konzentrieren.

Memo an mich selbst: nächstes mal bessere Ausrüstung mitnehmen.

Doch der Aufstieg lohnt sich. Die Dünen sind spektakulär und bieten einen herrlichen Blick auf das unendliche Sandmeer westwärts und die Salzpfanne, die im Norden an die Wüste grenzt.

Ein anstrengender Spaziergang auf den Dünen der Maranjab Wüste

Wieder unten angekommen, nähern wir uns einer Herde Kamele. Diese stehen hier überall in der Wüste rum. Sie sind zwar gebrandmarkt und somit nicht wild, doch angepflockt ist keines von Ihnen und sie können sich somit auf der Suche nach Nahrung oder auch zum Zeitvertreib frei bewegen.

Und jetzt kommt die Melone auch wieder zum Einsatz. Denn für die Kamele sind die Schalen ein saftiger Snack, eine willkommene Abwechslung zu den sonst eher kargen Köstlichkeiten, die die Wüste zu bieten hat.

Mit einem freudigen Gröhlen kommen sie auf uns zu und scheinen beinahe mit einem Lächeln im Gesicht um ihre Leckereien zu bitten.

Gefährliche Raubtierfütterung

Die Maranjab ist eine der am leichtesten zugänglichen Wüsten des Iran. Nur wenige Kilometer treffen sie von der Stadt und sie kann zu großen Teilen auch ohne 4WD erkundet werden.

Ein halbtägiger Ausflug hierher sollte auf jeden Fall bei jedem Kashan Besuch mit eingeplant werden!

Und um dem nochmals Nachdruck zu verleihen gibt es an dieser Stelle noch mal das überaus glückliche Gesicht eines Kamels.

Auf diese Wimpern wäre so manches Model neidisch

Das rote Felsendorf Abyaneh

Die roten Häuser von Abyaneh

Nur etwas mehr als eine Autostunde südlich von Kashan liegt abseits der Hauptstraße das historische Dorf Abyaneh. Aufgrund der durchgängig aus roten Ziegeln und Lehm erbauten Häuser wird es auch „rotes Dorf“ genannt.

Die Straßen sind chaotisch und verwinkelt und das beste was man hier machen kann, ist einfach ziellos umher zu irren. Und während ich mich so in den schmalen Gassen verlaufe, finde ich mich hin und wieder aufgrund der stufenförmigen Bauweise am Hang entlang auch auf den Dächern einiger Wohnhäuser wieder.

In den Straßen von Abyaneh

Nur noch wenige Menschen wohnen in Abyaneh. Die meisten – vor allem jüngeren – Einwohner hat es aufgrund der besseren Zukunftsaussichten in die umliegenden Städte Kashan oder auch Isfahan verschlagen. Denn zuverlässiger Zugang zu Strom oder fließend Wasser sind neben beruflichen Chancen hier kaum zu haben.

Die wenigen verbliebenen Einwohner schmücken die abenteuerlichen Straßen mit ihren traditionellen Trachten. Die Kopftücher sind hier durchweg mit blumigen Mustern bestickt, was ich sehr eindrucksvoll finde.

Eine Dame und ihre traditionelle Tracht

Nachdem ich mir in dem kleinen Ort die Füße platt gelaufen habe, mache ich mich auf den Weg auf den Hügel auf der gegenüberliegenden Seite. Hier gibt es zum einen die Ruinen einer alten Burg, die ich allerdings kaum erwähnenswert finde.

Viel spannender ist der umfassende Blick auf Abyaneh. Von hier kann man die Kaskaden der Häuser am besten beobachten.

Anschließend mache ich mich auf den Rückweg, da ich meinen Taxifahrer nicht zu lange warten lassen mag. Man kann Abyaneh als Tagesausflug von Kashan oder Isfahan aus besuchen, es liegt etwa in der Mitte zwischen den zwei Städten. Die Gelegenheit nutze ich und binde das rote Dorf als Zwischenstop auf dem Weg von Kashan nach Isfahan ein. Ein Stop der sich auf jeden Fall lohnt!

Blick auf das Dorf Abyaneh vom Hügel aus

War noch was?

Der Eingang zur "Little man Gallery"

In einem der Innenhöfe des Kashan Bazar bin ich auf die Galerie des kleinen Mannes gestoßen. Das ist nicht etwa eine Metapher, sondern der Name des Ateliers und Ausstellungsraums eines kleinwüchsigen lokalen Künstlers. Nun mag Kunst durchaus Geschmacksache sein und auch das Atelier riecht verraucht.

Doch das kleine Geschäft ist mir weniger wegen der teils abstrakten, teils kubistischen Werke in Erinnerung geblieben, sondern eher aufgrund der Atmosphäre. Während meines Besuchs spielt er auf seiner Santur – einem traditionellen Persischen Instrument. Er spielt wunderbar und Ich hätte ihm ewig zuhören können!

Na dann viel Spaß!

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