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Usbekistan fliegt aktuell noch ganz entspannt unter dem touristischen Radar. Das liegt auch daran, dass sich das Land erst in den vergangenen Jahren für den Tourismus wirklich öffnet: 2017 musste man das Visum noch bei der Botschaft beantragen, 2018 wurde das e-Visum per Onlineantrag eingeführt und seit 2019 kann man Visumfrei einreisen!

Doch dafür, dass kaum jemand dieses Land auf dem Schirm hat, gibt es erstaunlich viel zu entdecken. Eine Mischung aus modernen Metropolen und mittelalterlichen Stadtkernen. Sowjetischer Charme und eine brutale, betongeprägte Architektur, die ich genauso gut in Cottbus vermutet hätte. Aufwendig dekorierte Moscheen, Medresen und prachtvolle Nekropolen.

Die Sher-Dor-Medrese des Registan in Samarkand ist einer der wenigen muslimischen Sakralbauten, dessen Dekoration Tierbilder zeigt; Abbildungen von Mensch und Tier sind nämlich eher unerwünscht im Islam.

Aber wie der Name schon sagt, findet man hier das zwei Tiger über Portal (Sher-Dor heißt nämlich soviel wie „Tiger enthaltend“).

Und das alles ist Umgeben von.. Wüste. Nichts als Wüste. Der Staat ist trocken – und anders als im Iran meine ich damit nicht das ständige Vermissen alkoholhaltiger Getränke. Denn fast die Hälfte der Fläche wird durch die Wüste Kysylkum bedeckt, welche lediglich durch eine Steppenlandschaft abgelöst wird. Naja, das hat zu Zeiten der Karawanen sicherlich dafür gesorgt, dass die wenigen Oasenstädte so beliebt waren, schnell wuchsen und reich wurden und wir heute die Zeugnisse des Prunk und Gloria der Vergangenheit bestaunen können.

Hier findet hier meine Reiseroute für knapp zwei Wochen

Taschkent (3 Nächte)

Amir Timur - Er gilt als Gründer des Staates Usbekistan

Die meisten (der sehr wenigen) Besucher Usbekistans kommen aufgrund der außergewöhnlich gut erhaltenen islamischen Architektur, die sicherlich in einer Liga mit der des Iran spielt – also ganz weit oben!
Diese sucht man allerdings in Taschkent, der modernen Metropole Hauptstadt nahezu vergeblich. Denn nach einem verheerenden Erdbeben 1966 wurde die Stadt fast vollständig zerstört – und im Sinne der Demonstration sowjetischer Stärke und Beständigkeit wieder aufgebaut. Naja und was zeugt wohl am Besten von Beständigkeit? Richtig: Beton. Und zwar viel davon.

Das "Hotel Uzbekistan" war zu Zeiten seiner Errichtung der Treffpunkt aller derer, die in den SSR Rang und Namen hatten

Für mich war Taschkent daher eher ein Museum für den „Architekturstil“ des sowjetischen Brutalismus, wie ich ihn auch aus meiner Heimatstadt Cottbus kenne.
Und das meine ich ganz Positiv, denn mir hat die Stadt mit seinen Betonfassaden, Mosaiken an den Wohnblöcken und vielen Denkmälern für Nationalhelden und Mütter ausgesprochen gut gefallen.

Mosaike dieser Art finden sich an vielen Wohnblöcken in Usbekistan
Das Denkmal der trauernden Mutter

Interessanter Fakt: Taschkent ist die einzige Stadt Zentralasiens mit einer U-Bahn!

Und was für ein Highlight diese U-Bahn Stationen sind! Die besten Architekten und Designer der Sowjetunion wurden engagiert um diese Mischung aus Luftschutzbunker und unterirdischem Bahnhof zu errichten

U-Bahn Station "Kosmonavtlar"

Meine Unterkunft: Art Hostel. Doppelzimmer für 15€ und Bettenburg ab 6€ inkl. Frühstück.

Außerdem gibt es auch einen Swimmingpool 🙂

Samarkand (2 Nächte)

Der Registan (zu deutsch: "sandiger Platz") ist eines der Highlights Usbekistans!

Hach, Samarkand. Ich bin der festen Überzeugung, dass es letztlich Fotos dieser fantastischen Stadt waren, aufgrund derer ich mich so richtig für Usbekistan begeistern konnten. Und mich für eine Reise in dieses Land entschieden habe. Die Stadt hat eine beeindruckende Dichte an UNESCO Kulturerbe und ich kam aus dem Staunen nicht mehr raus. Die aufwendig verzierten Medressen, die den Registan-Platz flankieren sind wahrscheinlich zum Wahrzeichen der Stadt geworden und Tags wie auch Nachts Anziehungspunkt „vieler“ Reisegruppen (übrigens gibt es tatsächlich auch in Usbekistan Reisebusse voller deutscher Rentner – darauf muss man einfach nirgendwo auf der Welt verzichten).

Auf dem Weg zur Bibi-Khanum Moschee - Sie war im 15. Jahrhundert eine der größten und prunkvollsten der Welt!

Leider ist Samarkand als meistbesuchter Ort Usbekistans ein schlechtes Beispiel dafür, was der Tourismus anrichten kann. So flankieren mittlerweile Verkaufsstände für billige Fake-Souvenirs die Straßen und Wege zwischen den Sehenswürdigkeiten. Die Taxifahrer werden aggressiver im Kampf, dem nächsten einer viel zu teure Fahrt aufzudrängeln. Und was mich wirklich schockiert hat: selbst die Innenhöfe der Moscheen (Sahn genannt) sind vor den penetranten Verkäufern nicht sicher. Das fand ich sehr schade, sind sie doch normalerweise ein absoluter Ruhepol zum Trubel der Stadt und laden zum Verweilen ein.
Aber Hey, dennoch war Samarkand ein absolut beeindruckender Stop auf meiner Tour – nur bin ich eben kürzer geblieben als gedacht!

Die Shah-i-Zinda Nekropole mit ihren endlosen Kuppeln ist mein absolutes Highlight.

Meine Unterkunft: Amir Hostel. Doppelzimmer für 15€ und Bettenburg ab 6€ inkl. Frühstück.

Bukhara (2 Nächte)

Die Mosaike sind erstaunlich!

Nach Samarkand ging es in den zweiten (und damit eigentlich auch letzten) wirklich touristischen Ort Usbekistans, nach Bukhara. Und ich kann es schonmal vorweg nehmen: Bukhara hat mir am Besten gefallen! Warum? Anders als in Samarkand reiht sich hier tatsächlich ein Highlight ans andere. Moscheen, Basare mit typischen Kuppeldächern, eine Festung und Ein Turm, von dem aus Gefangenen früher ein kurzer Prozess gemacht wurde.
Besagter Turm ist im übrigens das älteste Gebäude der Stadt. Als Genghis Khan die Stadt einnahm und in dem Erdboden gleichmachte (klassische Demonstration von Macht), fand er das Kalon Minarett so beeindruckend, dass er es verschonen ließ.

Der Po-i-Kalon Platz mit dem Kalon Minarett (der Turm des Todes) ist ein echter Hingucker.

Die Zitadelle von Bukhara aus dem 4. Jh. v. Chr. diente über die Jahrtausende den Khanen und Emiren der Stadt als Regierungssitz. Leider ist auch so großflächig zerstört worden, als die Rote Armee um 1920 die Region übernahm.

Zum Schutz vor Eindringlingen schlängelt sich eine etwa 20m hohe Mauer um die Zitadelle.

Meine Unterkunft: Dervish Hostel. Bettenburg ab 7€ inkl. Frühstück.

Khiva (3 Nächte)

Bei dem Ausblick schmeckt doch sogar der Nescafé oder?

Hatte ich geschrieben, dass Samarkand eine große Dichte an UNESCO Kulturerbe hätte? Nun ja, Khiva setzt noch mal einen drauf: die gesamte Altstadt Ichen Q’Ala, welche durch eine Mauer mit 4 Eingangstoren geschützt ist, wurde 1990 durch die UNESCO zum Kulturerbe erklärt.

Das Beste ist, dass Khiva bisher nicht leicht zu erreichen war, da es keine direkte Zugverbindung gab und die Anreise somit entweder besonders lang – oder eben besonders teuer wurde. Das hat sich nun zwar geändert (es gibt einen direkten Zug der bei mir nur ca. 9h von Bukhara nach Khiva brauchte), dennoch hat es Khiva netterweise noch nicht auf die touristische Route geschafft. So kann man ganz in Ruhe durch die Altstadt schlendern vorbei an Moschen, Marktplätzen und traditionellen Wohnhäusern.

Vor allem zum Sonnenuntergang bietet sich ein Spaziergang auf der Stadtmauer an.

Meine Unterkunft: Zukhro Boutique Hotel. Doppelzimmer ab 25€ inkl. Frühstück.

Um Khiva wirklich zu genießen und den mittelalterlichen Charme vor allem zum bzw. nach Sonnenuntergang mitzunehmen solltet ihr innerhalb der Stadtmauern übernachten. Leider sind alle günstigen Hostels außerhalb der Altstadt. Dafür trumpfen die meisten Hotels mit Dachterrassen auf, von denen sich das Stadtbild genießen lässt.

Moynaq & Nukus (1 Nacht)

Der Schiffsfriedhof in Moynaq. Im Hintergrund erkennt man noch den Leuchtturm!

Die letzte Station, bevor es für mich weiter nach Kirgistan ging, war trauriger Weise die beeindruckendste. Usbekistan ist wie erwähnt zu einem Großteil von einer Wüste überzogen und ich musste lernen, dass ein Teil der trockenen Landschaft menschengemacht ist. Durch Misswirtschaft zu Sowjetzeiten kam es in Teilen des Landes zu katastrophalen Folgen für die Menschen und Umwelt. Erinnert ihr euch noch an den Erdkunde Unterricht? Vor meinem geistigen Ohr höre ich mich noch endlose Auflistungen auswendig lernen; in einer tauchte auch die Info auf, der Aralsee sei der viertgrößte Binnensee der Welt.

Die fatale Entwicklung am Aralsee

Naja, genau wie das Gemäuer meiner Schule selbst waren wohl auch die Bücher nicht gerade modern. Denn seit den 60er Jahren trocknete der See langsam aus, heutzutage ist der usbekische Teil quasi kaum mehr vorhanden!

Das Boot im "Trockendock". Hier in Moynaq lebte man einst von der Fischerei und Badeurlaubern!
Größe menschengemachte ökologische Katastrophe

Das hat fatale Auswirkungen auf die Menschen in der Region. Nicht nur, dass mit der Fischerei und dem Tourismus der einzige (!) ernstzunehmende Wirtschaftszweig weggebrochen und durch den Staat nicht kompensiert worden ist. Weiterhin transportiert der trockene Wind nun viele Salze und Düngemittel durch die Region und sorgt so für eine bedenklich hohe Zahl an Lungenkrankheiten – vor allem trifft es auch hier wieder die nicht so widerstandsfähigen Kinder.
Leider gibt es aktuell auf der usbekischen Seite keine Aussicht auf Besserung, da der Wasserzulauf des Amudarja weiterhin der zu hohen Wasserentnahme und Verdunstung zum Opfer fällt.
Allerdings wird an der Wiedererweckung des Zulaufes auf der Kasachischen Seite gearbeitet und einige Becken des Aralsees werden in der nördlichen Region wieder angestaut. Sogar die Tierwelt soll es wohl in einige Teile des Projektes zurückgeschafft haben.

Meine Unterkunft: BESQALA. Bettenburg ab 10€ inkl. Frühstück.

Von Moynaq haben wir uns nach einem Besuch des ehemaligen Hafenbereiches wieder verabschiedet und sind zurück nach Nukus, der Hauptstadt des autonomen Bundesstaates Karakalpakstan, in dem sich auch Moynaq befindet.
Von hier aus war es am folgenden Tag leichter, in Richtung Kirgistan aufzubrechen

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